Letztes Update am Di, 29.10.2019 14:35

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Turandot“ im Margarethen: Opulenz wird großgeschrieben



Auf Mozart folgt Puccini: Nachdem heuer „Die Zauberflöte“ am Spielplan stand, ist im Steinbruch in Sankt Margarethen von 8. Juli bis 15. August 2020 die „Turandot“ zu sehen. „Große Emotionen“ werde das Märchen um die chinesische Prinzessin, die ihre Verehrer nach der Reihe umbringen lässt, auf der Bühne schaffen, so der künstlerische Direktor Daniel Serafin in einer Pressekonferenz am Dienstag.

In Giacomo Puccinis letzter, nicht vollendeter Oper wirbt ein namenloser Prinz (Calaf) um Turandot. Diese stellt jedem Freier drei Rätsel, wer sie löst, darf sie zur Frau nehmen, wer nicht, muss sterben. Als erster meistert Calaf die Aufgaben der grausamen Prinzessin, gibt ihr aber einen Ausweg: Sie muss ihm seinen Namen nennen, um die Hochzeit zu verhindern. Obwohl Puccini vor der Vollendung der „Turandot“ starb, wird die Oper in Sankt Margarethen mit dem von Franco Alfano komponierten Ende ein „großes Finale“ haben. „Kunst endet nicht mit dem Künstler“, ist Thaddeus Strassberger, der Regie führen wird, überzeugt.

Für den Amerikaner findet sich in der Geschichte auch ein bisschen Realität: „Im Märchen ist es extremer, aber die Liebe ist immer riskant“, schmunzelt Strassberger während der Pressekonferenz. Für ihn sind auch die beiden gegensätzlichen Frauenfiguren der Oper - die brutale Turandot und die gute Liu - nicht nur obsolete Männerfantasien, sondern zwei mögliche Facetten der Weiblichkeit. So sieht er auch Calaf, der zwischen Liebe und Gefahr abwägen muss: „Bei ihm sitzen ein Engel und ein Teufel auf der Schulter.“

Auf Bühnenbild und Kostüme soll im Steinbruch keine andere Beschreibung als „opulent“ passen. Der New Yorker Bühnenbildner Paul Tate dePoo orientiert sich bei der Gestaltung der 7.000 Quadratmeter großen Hauptbühne an chinesischen Elfenbeinschnitzereien und will so eine kleinteilige, zierliche Szenerie von Gebäuden und Pflanzen schaffen, die sich nahtlos in den Römersteinbruch einfügt. Giuseppe Palella kleidet die Darsteller in aufwendige Gewänder, so bekommt der Mandarin etwa eine 70 Kilogramm schwere Totenkopf-Robe. „So muss man arbeiten“, ist Serafin von dieser „Game of Thrones-Turandot-Version“ überzeugt. In dieser Szenerie, bei Dunkelheit und von einer Vielzahl an Lichtern untermalt, will Strassberger einen Höhepunkt ansetzen, auf den das Publikum zweifelsohne warten wird. Eine der berühmtesten Arien der Opernwelt - „Nessun dorma“ - soll so zum „leuchtenden Spektakel“ werden.

„Bei Puccini muss man die erste Klasse nehmen“, sagt Moderatorin Barbara Rett, „das ist so schwer zu singen.“ In ihren Rollen bereits erprobte Darsteller, aber auch Debütanten sind unter der Leitung des Dirigenten Giuseppe Finzi im Einsatz. Für die Titelrolle wurde Martina Serafin - Schwester des künstlerischen Direktors Daniel Serafin - ausgewählt, die im Steinbruch bereits die Tosca gab. In anderen Vorstellungen wird Turandot von der polnisch-amerikanischen Sopranistin Ewa Plonka verkörpert. In der Rolle des Calaf sind Andrea Shin, Leonardo Caimi und Yinjia Gong zu erleben.

Mit „Turandot“ feiert Esterhazy-Chef Stefan Ottrubay die insgesamt 25. Opernproduktion im Steinbruch. Die Premiere am 8. Juli wird live-zeitversetzt auf ORF III übertragen.




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