Letztes Update am Mi, 30.10.2019 14:57

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thiem mit Dreisatzsieg gegen Raonic ins Paris-Achtelfinale



Mit seinem sechsten Sieg in Folge ist Dominic Thiem am Mittwoch ins Achtelfinale des Pariser Masters-1000-Tennisturniers eingezogen. Bei seinem 7:6(5),5:7,6:4 gegen den Kanadier Milos Raonic agierte der Wien-Sieger äußerst souverän, obwohl er sich zehn Breakbällen gegenübersah. Doch Thiem wehrte bis auf einen alle ab, nutzte eine seiner wenigen Breakchancen in Satz drei zum entscheidenden 5:4.

Mit diesem Erfolg stellte der Weltranglisten-Fünfte im Head-to-Head mit Raonic auf 2:2, wobei der Niederösterreicher nun heuer die jüngsten beiden Duelle gewonnen hat. Die anderen beiden datieren aus dem Jahr 2016. Nach seinem Zweisatzerfolg erwartete Thiem als nächsten Gegner den Sieger aus David Goffin (BEL-12) gegen Grigor Dimitrow (BUL). Gegen Goffin liegt Thiem im direkten Vergleich 3:7 zurück, wobei er die jüngsten drei Duelle jeweils 2017 verlor. Gegen Dimitrow steht es ausgeglichen 2:2.

Dass ein negatives Head-to-Head Thiem derzeit nicht in die Außenseiterrolle rückt oder ihn aus der Bahn wirft, hat der 26-Jährige zum Auftakt seines sechsten Antretens beim Hallen-Turnier in der französischen Hauptstadt erneut bewiesen. Schon in der vergangenen Woche beim Erste Bank Open gegen Jo-Wilfried Tsonga (FRA/0:2) und Fernando Verdasco (ESP/0:4) hatte es vor den jüngsten Duellen nicht gut ausgesehen, letztlich hieß der Sieger aber immer Thiem.

Das den Lichtenwörther Ehrenbürger auszeichnende Selbstvertrauen war auch gegen Raonic zu sehen, der Kandidat für „Österreichs Sportler des Jahres“ 2019 hat den Schwung vom Heimturnier mitgenommen. Zwar sah er sich in einem von guten Aufschlägen dominierten Match insgesamt zehn Breakbällen gegenüber, doch nur eine dieser Chancen nutzte Raonic. Dadurch ging das Match in einen dritten Satz, Thiem allerdings ist heuer bei Erfolgen in Entscheidungssätzen der beste Spieler auf der Tour.

Das bestätigte er im über 2:38 Stunden gegangenen Match gegen Raonic. Seine überhaupt ersten drei Breakmöglichkeiten hatte Thiem im Entscheidungsdurchgang noch ungenutzt gelassen, bei 4:4 schlug er auch mit dem Glück eines Rahmentreffers aber zu. Im Game darauf servierte der Gewinner von 16 ATP-Turnieren anstandslos aus. Qualität hatte er auch in Satz eins gezeigt, als er nach fünf abgewehrten Breakbällen im Tiebreak einen 1:3-Rückstand mit fünf Punkten in Folge entscheidend gedreht hatte.

Thiem schien die Partie immer im Griff zu haben, auch wenn er gegen den starken Aufschläger von Weltranglisten-Position 32 mehrmals gegen einen Game-Verlust servierte. Bei 4:4 im zweiten Durchgang hätte der 26-Jährige den Sack zumachen können, drei Chancen darauf machte aber da Raonic zunichte. Der 28-Jährige servierte nicht weniger als 30 Asse, fabrizierte aber auch sieben Doppelfehler. Thiem hielt sich da mit 4 bzw. 2 jeweils eher zurück, überzeugte jedenfalls grundsätzlich beim Service.

Auch wenn Thiem vor der Partie angemerkt hatte, dass er in Hinblick auf die ATP-Finals ab Ende nächster Woche in London den Pariser Event eher nur mitnimmt, scheint der Vorjahres-Halbfinalist motiviert, wieder tiefer ins Turnier vorzudringen. Er machte zwar sechs Punkte weniger als Raonic, letztlich aber die wichtigeren. Nur 14 unerzwungene Fehler bei 35 gespielten Games sind ein Zeichen von spielerischer Güte. Um aber im Ranking auf Nummer vier vorzukommen, muss Thiem den Titel holen.

Dominic Thiem war sich bewusst, dass er nur wenige Breakchancen erhalten würde. „Das war dann auch so. Den dritten Breakball (im zweiten Satz, Anm.) muss ich eigentlich schon machen. Aber im dritten Satz bin ich gut drangeblieben und habe ihn etwas glücklich gebreakt bei 4:4. Es ist gut, wie ich das gemacht habe, nach der langen Woche in Wien, wie ich da drangeblieben bin.“

Aufgrund des schnellen Belags ist Thiem mehr ans Netz gegangen, und das durchaus mit Erfolg. „Das war in Ordnung. Ich bin zufrieden mit dem Volley und werde das morgen so fortsetzen“, meinte der 26-Jährige. Erfreut war Thiem über den guten Zuschauerzuspruch so früh am Tag und die Unterstützung seiner Person. Aufgrund der Nationalität seiner Freundin Kristina Mladenovic sowie seinen Erfolgen vor allem beim Pariser Grand-Slam-Turnier genießt er da einige Sympathien.

Egal, gegen wen es als nächstes geht, Thiem hat Respekt. „Goffin ist ein gestandener Top-Ten-Spieler. Er spielt eine Super-Saison. Ich habe keine sehr gute Bilanz gegen ihn, aber es waren immer sehr enge, gute Matches. Er hat ein Spiel, mit dem er mir unangenehm werden kann.“ Gegen Dimitrow würde es laut Thiem kaum leichter: „Er ist derjenige in jedem Turnier, den keiner haben will im Raster. So wie er spielt, sollte er dauerhaft in den Top Ten sein. Er kann an jedem Tag jeden einzelnen schlagen.“




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