Letztes Update am Do, 31.10.2019 10:46

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Blaues Ringen um Distanzierung in Liederbuch-Affäre



Wolfgang Zanger und die steirische FPÖ ringen in der Liederbuch-Affäre um Distanzierung. Während der Abgeordnete zunächst via Facebook mitteilte, sich deswegen „niemals“ zu schämen, schickte die FPÖ Donnerstagfrüh eine Aussendung: Zanger lehne „jede Form des Rassismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus entschieden ab“, hieß es darin.

Zanger selbst hatte sich noch Mittwochabend auf Facebook kämpferisch gezeigt: „Zur Abwechslung darf ich mal wieder herhalten als Feind Nummer 1. Aber entgegen aller Erwartungen stehe ich dazu: ‚Ja, ich habe dieses Buch vor Jahren als Geschenk erhalten.‘ Und ‚Nein, ich habe diese 444 Seiten NICHT in einer Abendlektüre genossen.‘ ... Aber das sind Lieder, die meine Eltern gesungen haben. Dafür werde ich mich NIEMALS schämen und auch nicht rechtfertigen!!!“

Das Liederbuch soll Berichten zufolge neonazistische, antisemitische und österreichfeindliche Texte enthalten. In der „Kleinen Zeitung“ sagt der Abgeordnete, er habe das Buch 2005 von einem älteren Mitglied seiner Verbindung geschenkt bekommen. „Seither liegt es bei mir daheim, verstaubt, ungelesen und nicht gebraucht“, so Zanger. Er werde sich davon nicht distanzieren, weil er es nicht geschrieben habe. Weggeben wolle er das Buch aber auch nicht, „weil mir die Person, die es mir damals gegeben hat, etwas wert ist“.

Die FPÖ Steiermark dagegen - die in knapp drei Wochen bei der Landtagswahl um eine Regierungsbeteiligung kämpft - distanzierte sich deutlich von dem Buch: „Die in den Medien publizierten Passagen sind widerlich und werden von den Freiheitlichen kategorisch abgelehnt. Dass ein solches Schriftstück drei Wochen vor der Wahl auftaucht, hat System und dient nur einem Zweck: Der FPÖ zu schaden und sie in ein schiefes Licht zu rücken.“

Die FPÖ Steiermark könne weder für Liederbücher, mit deren Verfassung sie überhaupt nichts zu tun hat, „noch für das Wirken von eigenständigen Vereinen zur Rechenschaft gezogen werden“. Man wolle im Übrigen gegen Verleumdungen jeglicher Art rechtlich vorgehen.

Donnerstagvormittag folgte dann eine weitere Aussendung der FPÖ, in der auch Zanger betonte, „jede Form von Rassismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus“ abzulehnen. Er sei weder Urheber, noch habe er sonst zu den darin abgedruckten Texten eine inhaltliche Nähe. „Die ganze Angelegenheit hat mit der FPÖ nichts zu tun. Ein Geschenk, das ich vor vielen Jahren erhalten habe, macht weder mich noch die FPÖ inhaltlich dafür verantwortlich“, so Zanger.

In der Causa hat sich am Donnerstag auch ÖVP-Obmann Sebastian Kurz kritisch zu Wort gemeldet. Er bezeichnete die Liedtexte als „extrem widerlich“. Sie seien „zutiefst antisemitisch“ und enthielten zudem eine Verächtlichmachung der Bundeshymne und damit Österreichs. Als Mensch und Patriot lehne er das ab.




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