Letztes Update am Fr, 01.11.2019 13:32

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich zelebrierte zu Halloween die „letzte Tschick“



Es hat sich ausgequalmt in Österreich. Um Punkt Mitternacht ist in der Nacht auf Freitag nach jahrzehntelanger Diskussion, Ausnahmeregelungen und baulichen Maßnahmen das Rauchverbot in der gesamten Gastronomie in Kraft getreten. Zahlreiche Lokale zelebrierten zu Halloween die „letzte Tschick“. Bei Missachtung drohen saftige Geldstrafen.

Die erste Anzeige kostet 800 Euro, die Höchststrafe beträgt 10.000 Euro bei Wiederholungstäterschaft. Auch Gäste können gestraft werden. Für widerrechtlich Rauchende sind beim ersten Mal bis zu 100 Euro fällig, im Wiederholungsfall bis zu 1.000 Euro. Offen sind Klagen von Betreibern von Shisha-Bars, die eine Ausnahme erreichen wollen. Mit einer Entscheidung wird nicht vor 2020 gerechnet.

Von der Umstellung betroffen sind vor allem Lokalbetreiber. Viele Gastronomen fürchteten bereits im Vorfeld um ihre Existenz und befürchteten Anzeigen wegen Lärmverstöße durch vor der Tür rauchende Gäste, andere freuten sich über die neue Rauchfreiheit. Die letzten Rauchzeichen und der letzte blaue Dunst stiegen Donnerstagabend auf. Mehrere Lokale in der Bundeshauptstadt feierten „den letzten Zug“, „a letzte Tschick“ oder die überhaupt „letzte Zigarette“. Auch zum gemeinsamen Aufhören wurde aufgerufen.

Anders als zuletzt angenommen hat es beispielsweise in Wien in den ersten Stunden nach Inkrafttreten des Rauchverbots in der Gastronomie noch keine Kontrollen gegeben. Erst gegen Freitagmittag seien Mitarbeiter des Marktamts ausgeschwärmt, sagte Sprecher Alexander Hengl der APA. Eine erste Bilanz soll es am Samstag geben.

„Wir haben uns gedacht, die Leute sollen ruhig noch Halloween feiern“, meinte Hengl. Am Allerheiligentag seien nun zwölf Personen unterwegs, um zu schauen, ob in den Lokalen alles gesetzeskonform abläuft. „Wir überprüfen, ob die Rauchverbotskennzeichnung angebracht ist, ob Aschenbecher aufgestellt sind, ob Leute drinnen rauchen“, fasste Hengl kurz zusammen. Unterwegs ist das Marktamt über die Stadt verteilt. Wie viele Gaststätten man am ersten Tag des Gastro-Rauchverbots aufsuchen wird, konnte der Sprecher nicht beziffern.

Mit 1. November ging also eine schier unendliche Geschichte zu Ende, die in den meisten europäischen Ländern bereits Realität ist. Diskutiert wird über ein Rauchverbot in Österreich bereits seit 25 Jahren, der Weg dorthin war steinig. Beschlossen wurde es dann 2015 von der rot-schwarzen Koalition, das Inkrafttreten war für Mai 2018 vorgesehen. Dieses Verbot kippte dann die türkis-blauen Regierung wieder. Nach dem Volksbegehren mit 881.692 Unterstützer machte die Ibiza-Affäre den Weg frei. Im Parlament wurde das Rauchverbot im Spiel der freien Kräfte gegen die FPÖ-Stimmen doch beschlossen.

Für die Gesundheit sollte das Rauchverbot rasch positive Auswirkungen zeigen - nämlich innerhalb einer Woche 623 Spitalsaufenthalte weniger. Der Grazer Sozialmediziner Florian Stigler hat die Erfahrungen anderer Staaten auf Österreich umgelegt. „Internationale Studien zeigten, dass eine rauchfreie Gastronomie Herzinfarkte um durchschnittlich 15 Prozent, Schlaganfälle um 16 Prozent und Lungenentzündungen um 24 Prozent reduzierte.“




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