Letztes Update am Fr, 01.11.2019 14:25

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich zelebrierte zu Halloween die „letzte Tschick“



Es hat sich ausgequalmt in Österreich. Um Punkt Mitternacht ist in der Nacht auf Freitag nach jahrzehntelanger Diskussion, Ausnahmeregelungen und baulichen Maßnahmen das Rauchverbot in der gesamten Gastronomie in Kraft getreten - ohne Ausnahmen. Zahlreiche Lokale zelebrierten zu Halloween die „letzte Tschick“ in Innenräumen. Behördliche Kontrollen gab es in der ersten Nacht noch keine.

Dazu gibt es durchaus unterschiedliche Ansätze: In der Bundeshauptstadt ist zwar anders als angekündigt in den ersten Stunden nach Inkrafttreten des Rauchverbots noch nicht kontrolliert worden. Erst gegen Freitagmittag seien Mitarbeiter des Marktamtes ausgeschwärmt, sagte Sprecher Alexander Hengl der APA. Eine erste Bilanz soll es am Samstag geben. Prinzipiell will Wien die Einhaltung des Rauchverbots aber rigoros kontrollieren. In Innsbruck wurde anfangs noch ein Auge zugedrückt. In den meisten Bundesländern will man erst nach Beschwerden aktiv werden, auch gibt es Unklarheiten bezüglich der Zuständigkeiten.

„Wir haben uns gedacht, die Leute sollen ruhig noch Halloween feiern“, erklärte Hengl die Schonfrist für die tausenden Gastronomiebetriebe in Wien. Am Allerheiligentag seien nun zwölf Personen unterwegs, um zu schauen, ob in den Lokalen alles gesetzeskonform abläuft. „Wir überprüfen, ob die Rauchverbotskennzeichnung angebracht ist, ob Aschenbecher aufgestellt sind, ob Leute drinnen rauchen“, fasste Hengl zusammen. Das Marktamt ist in der gesamten Stadt unterwegs. Wie viele Gaststätten man am ersten Tag des Gastro-Rauchverbots aufsuchen wird, konnte der Sprecher nicht beziffern. Das hänge auch davon ab, „auf welche Schwierigkeiten wir stoßen“. Normalerweise werde die Kontrolle aber schnellgehen: „Tür auf, reinschauen, Tür zu.“

Auch in Innsbruck wurde in der Halloween-Nacht noch nicht kontrolliert, erklärte Elmar Rizzoli, Leiter des städtischen Amts für Allgemeine Sicherheit, gegenüber der APA. Die Mitarbeiter der städtischen Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG) sind in der Tiroler Landeshauptstadt für die Kontrollen zuständig. Bereits im Vorfeld war erklärt worden, dass man „anfänglich eher aufklärend“ unterwegs sein werde.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

In Oberösterreich planen die Bezirkshauptmannschaften und Magistrate vorerst keine Schwerpunktkontrollen. Im Rahmen der sonstigen Lokalkontrollen werde das Rauchverbot mitüberwacht. Auch in Salzburg gab es in der ersten Nacht des Verbots keine expliziten Kontrollen. Einige Wirte stellten im Gastgarten Zelte für die Raucher auf. Im „Cafe Bellini‘s“ im Schloss Mirabell herrschte am Donnerstagabend reger Andrang, um die letzte Indoor-Zigrette zu rauchen. „Heute rauchen wir die Hütte noch einmal voll“, sagte ein Stammgast.

Auch in der Steiermark gab es zu Beginn des Rauchverbots keine behördlichen Überprüfungen. Bei der Landespolizeidirektion Steiermark hieß es auf Nachfrage, dass keine Anzeigen eingelangt sind. Ein Sprecher betonte aber auch noch einmal, dass die Uniformierten weder für Kontrollen zuständig sind noch eine Handhabe hätten.

In zahlreichen Lokalen quer durch Österreich wurde in der Nacht auf Allerheiligen „der letzten Zug“, „a letzte Tschick“ oder die überhaupt „letzte Zigarette“ gefeiert. Auch zum gemeinsamen Aufhören wurde aufgerufen.

Viele Gastronomen fürchteten bereits im Vorfeld um ihre Existenz und befürchteten Anzeigen wegen Lärmverstöße durch vor der Tür rauchende Gäste, andere freuten sich über die neue Rauchfreiheit. Um Punkt Mitternacht war es dann soweit, zumindest indoor stiegen die letzten Rauchzeichen und der letzte blaue Dunst auf.

Insbesondere in Wien wurden in zahlreichen Lokalen pünktlich zum Inkrafttreten des Rauchverbots die Aschenbecher eingesammelt und rauchende Gäste vor die Tür verwiesen. Zumindest in der ersten Nacht hatte das Rauchverbot keine Auswirkungen auf die Polizei. 80 bis 100 Anrufe wegen Lärmerregung gibt es in der Bundeshauptstadt jedes Wochenende. Zusätzliche Anrufe am Notruf wegen Lärm durch Rauchende auf der Straße gab es in der Nacht auf Freitag nicht, sagte Polizeisprecherin Irina Steirer.

Mit 1. November ging eine schier unendliche Geschichte zu Ende, die in den meisten europäischen Ländern bereits Realität ist. Diskutiert wird über ein Rauchverbot in Österreich bereits seit 25 Jahren, der Weg dorthin war steinig. Beschlossen wurde es 2015 von der rot-schwarzen Koalition, das Inkrafttreten war für Mai 2018 vorgesehen. Dieses Verbot kippte dann die türkis-blauen Regierung wieder. Nach dem Don‘t smoke-Volksbegehren mit 881.692 Unterstützer machte die Ibiza-Affäre den Weg frei. Im Juli wurde im Parlament das Rauchverbot im Spiel der freien Kräfte gegen die FPÖ-Stimmen doch beschlossen. Ausgenommen sind nur noch Schanigärten und Bereiche im Freien. Auch geschlossene Gesellschaften und Vereinslösungen können das Gesetz nicht aushebeln. „Endlich rauchfrei“ freuten sich die Initiatoren des Don‘t-Smoke-Volksbegehrens am Freitag auf ihrer Facebook-Seite.

Für die Gesundheit sollte das Rauchverbot rasch positive Auswirkungen zeigen - nämlich innerhalb einer Woche 623 Spitalsaufenthalte weniger. Der Grazer Sozialmediziner Florian Stigler hat die Erfahrungen anderer Staaten auf Österreich umgelegt. „Internationale Studien zeigten, dass eine rauchfreie Gastronomie Herzinfarkte um durchschnittlich 15 Prozent, Schlaganfälle um 16 Prozent und Lungenentzündungen um 24 Prozent reduzierte.“




Kommentieren