Letztes Update am Fr, 01.11.2019 14:38

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Liederbuch-Affäre: Auch ÖVP fordert Zangers Rücktritt



Der Druck auf den steirischen FPÖ-Abgeordneten Wolfgang Zanger in der Liederbuch-Affäre wird größer. Am Freitag fordert auch ÖVP seinen Rücktritt. Anlass waren neu bekannt gewordenen Liedtexte. Für ÖVP-Verfassungssprecher Wolfgang Gerstl zeigen dien neuen Textpassagen, „wie tief der Antisemitismus in der Zanger-Burschenschaft verankert ist“ und machen dessen Rücktritt unausweichlich.

Die „Krone“ zitierte am Freitag weitere, teils obszöne Texte aus dem Liederbuch. So heißt es etwa an einer Stelle: „Polenmädchen sind verboten. Judenschicksen sind tabu, eine Stute zu besteigen, lässt der Veterinär nicht zu.“ Oder: „Von der Ferne kamen die Franzosen mit Kunstglaspinseln in den Hosen, Germanen aus dem fernen Bayern mit Hackenkreuzen (sic) auf den Eiern“ und weiter: „Entlastet ist der Nazipimmel, der frei bleibt vom Rassenfimmel.“

„Die neuen Passagen sind an Antisemitismus kaum zu überbieten, hier muss es ganz klar Konsequenzen geben. Wolfgang Zanger muss zurücktreten und aus allen Parteiämtern ausscheiden. Weigert sich Zanger, ist Norbert Hofer am Zug“, sagte Gerstl in einer Aussendung.

„Dass FPÖ-Politiker versuchen, die widerlichen Texte mit fadenscheinigen Vergleichen zu verharmlosen, ist unter jeder Kritik und zeigt die mangelnde Geschichtskenntnis der Partei“, so Gerstl weiter. „Wir lassen also sicher nicht zu, dass die FPÖ hier Geschichtsverfälschung betreibt, um von den inakzeptablen Verfehlungen ihrer Abgeordneten abzulenken.“

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Zur Kritik, dass eines der Lieder auch in katholischen Verbindungen in Verwendung war, stellt Gerstl klar: „Das besagte Lied wurde in der alten Form im Jahr 1939 von deutschen katholischen Studenten im Untergrund geschrieben und zwar als Schmählied gegen die Nazis und wurde als solches auch verwendet. Seit den 80ern war diese Klarstellung auch in den Fußnoten der CV-Liederbücher zu finden, später wurde es ganz aus den Büchern genommen. Im Gegensatz dazu haben es nationale schlagende Verbindungen unter anderem mit antisemitischen Strophen angereichert und damit die Bedeutung quasi umgekehrt.“

Die „Krone“ berichtete zudem, dass das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in der Steiermark in der Liederbuch-Affäre Erhebungen eingeleitet hat. Es wird gegen unbekannte Personen wegen Verdachts des Verbrechens nach dem Verbotsgesetz ermittelt, hieß es seitens der Landespolizeidirektion Steiermark.

Zuvor hatte die FPÖ versucht, die Aufmerksamkeit auf andere zu lenken. Generalsekretär Christian Hafenecker empörte sich am Freitag über das „kommunistische Liedgut“ der Sozialistischen Jugend. So sei etwa das Lied „Wir schützen die Sowjetunion“ schwer verstörend und ein Schlag ins Gesicht der Millionen Opfer des Kommunismus auf der ganzen Welt.

„Während die FPÖ immer wieder mit Liederbüchern in Verbindung gebracht wird, für die sie nichts kann, vertreibt die Sozialistische Jugend Tonträger mit kommunistischen Blutliedern in ihrem Onlineshop sogar selbst“, so Hafenecker in einer Aussendung. „Hier zeigt sich, mit welcher Doppelmoral die ultralinken Moralapostel tatsächlich arbeiten, ich halte das für zutiefst bedenklich“, so Hafenecker weiter. Er forderte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner „mit Nachdruck dazu auf, den antidemokratischen Kommunisten in ihrer Partei die Rote Karte zu zeigen“. Denn Europa habe lange genug unter diesem „menschenverachtenden System gelitten“ und große Opfer dafür gebracht, es zu überwinden. „Damit wollen wir in Österreich nichts mehr zu tun haben“, meinte Hafenecker.




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