Letztes Update am Sa, 02.11.2019 13:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zusammenstöße bei nicht genehmigter Kundgebung in Hongkong



Ungeachtet eines Demonstrationsverbots sind in Hongkong erneut tausende Menschen auf die Straße gegangen und haben sich Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften geliefert. Dutzende Menschen wurden am Samstag festgenommen. Die Polizei setzte Tränengas, Gummigeschoße, Pfefferspray und einen Wasserwerfer ein.

Vorfälle gab es in den Vierteln Causeway Bay, Victoria Park und Wanchai. Radikale Aktivisten warfen Brandbomben, bauten Straßensperren und attackierten Geschäfte mit vermuteten Beziehungen zu China. Viele trugen trotz eines Vermummungsverbots Gesichtsmasken. Erstmals nahmen sich die Demonstranten auch das Gebäude der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua als Ziel vor und schlugen die Scheiben im Eingangsbereich ein.

Zu den Demonstrationen am Samstag hatte unter anderem der bekannte Hongkonger Demokratieaktivist Joshua Wong aufgerufen, der vor wenigen Tagen von den bevorstehenden Kommunalwahlen in der chinesischen Sonderverwaltungszone ausgeschlossen worden war. Aufgrund des härteren Eingreifens der Polizei werde es in Hongkong immer schwieriger, das Recht auf Versammlungsfreiheit auszuüben, schrieb er auf Twitter. „Doch wir geben unsere verfassungsmäßigen Rechte nicht auf.“

Am Freitag hatte die chinesische Regierung angekündigt, „keine Aktivitäten“ zu tolerieren, die das Land spalten oder die nationale Sicherheit gefährden würden. Peking wolle zudem „das nationale Bewusstsein und den Patriotismus“ in Hongkong „durch Bildung in chinesischer Geschichte und Kultur“ stärken.

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Nachdem die Polizei eine ursprünglich im Victoria Park geplante Demonstration im Vorfeld nicht genehmigt hatte, versammelten sich dort Kandidaten für die Bezirksratswahl spontan zu Wahlkampfauftritten, die nicht eigens genehmigt werden müssen, solange die Gruppen jeweils klein bleiben. Trotzdem löste die Polizei die Versammlungen schon früh mit Tränengas auf.

Die folgenden Zusammenstöße setzten auch zwei genehmigten Demonstrationen im Chater Garden und Edinburgh Place ein schnelles Ende. Die Ausschreitungen dauerten bis in den Abend. Der U-Bahnhof Hongkong Central wurde geschlossen und nicht mehr angefahren, nachdem Demonstranten nach Angaben der Verkehrsbetriebe an einem Eingang Feuer gelegt hatten, wie die „South China Morning Post“ berichtete.

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit rund fünf Monaten von teils gewaltsamen Protesten erschüttert. Die Demonstrationen in der Finanzmetropole hatten sich anfänglich gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China ermöglichen sollte. Mittlerweile fordern die Demonstranten freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 2.000 Festgenommenen.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“ autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die sieben Millionen Hongkonger Meinungs- und Versammlungsfreiheit, fürchten aber zunehmend um ihre Freiheitsrechte.




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