Letztes Update am Sa, 02.11.2019 17:55

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Charlie Hebdo“-Redaktion erstmals seit Anschlag aufgetreten



Erstmals seit dem Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ vor fast fünf Jahren ist die Redaktion wieder öffentlich aufgetreten. Redaktionsleiter Riss sagte am Samstag auf einer Diskussionsveranstaltung des Weltforums für Demokratie in Straßburg, die Zeitung habe „ihre Vitalität und Dynamik wiedererlangt“. Die Zuschauer empfingen die Mitarbeiter mit viel Applaus und Bravo-Rufen.

Die Redaktion nutzte den Auftritt in der Straßburger Oper, um das zu tun, was sie am besten kann: Mit beißendem Humor punkten. So zeigte eine Zeichnung von Philippe Vuillemin einen Zirkusdirektor, beschriftet mit den Worten „Und zum ersten Mal in einem Stück, die Redaktion von ‚Charlie Hebdo‘ in Straßburg!“

In drei Diskussionsrunden ging es um Themen wie „Zensur und Bedrohungen“ und den 50. Jahrestag der Gründung von „Charlie Hebdo“ im kommenden Jahr. Riss hatte der Nachrichtenagentur AFP vor der Veranstaltung gesagt, Satire sei immer noch ein „Kampf“. „Humor ist vielen Menschen suspekt“, sagte er.

Zeichnerin Coco verteidigte gegenüber dem Sender Franceinfo die Religionskritik in dem Blatt. „Wir haben die katholische Religion kritisiert, wir kritisieren den Islam, wir kritisieren Buddhisten dafür, die Rohingya angegriffen zu haben“, sagte sie. Man nehme sich das Recht, Religion zu kritisieren, wie man es immer getan habe. Seit dem Angriff sei es der Redaktion wichtig gewesen, wieder in Kontakt mit der Öffentlichkeit zu treten, erklärte Coco. Außerdem seien politische Karikaturen in Gefahr. Die Zeichnerin verwies auf die Entscheidung der US-Zeitung „New York Times“, ihre politischen Karikaturen in der internationalen Ausgabe komplett einzustellen.

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Am 7. Jänner jährt sich zum fünften Mal der islamistische Anschlag auf „Charlie Hebdo“, bei dem zwölf Menschen getötet wurden - darunter einige der bekanntesten Karikaturisten Frankreichs. Zwei Islamisten waren damals in die Redaktion der Satirezeitung eingedrungen. Der Anschlag löste eine weltweite Solidarisierungswelle aus, zahlreiche Menschen stellten sich unter dem Motto „Je suis Charlie“ („Ich bin Charlie“) hinter die Journalisten und ihr Recht auf freie Meinungsäußerung.

Der Auftritt der Redakteure und Zeichner in Straßburg fand unter besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen statt: Die Mitglieder von „Charlie Hebdo“ bekamen Polizeischutz, die Türen der Oper öffneten wegen der umfangreichen Kontrollen bereits zwei Stunden vor Diskussionsbeginn. „Die Angriffe waren ein absoluter Schock. Also mussten wir kommen, einfach aus Sympathie, aus Empathie“, erklärte eine der Zuschauerinnen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Weltforums für Demokratie statt, das offiziell vom 6. bis 8. November vom Europarat in der elsässischen Hauptstadt unter dem Motto „Information: Demokratie in Gefahr?“ veranstaltet wird.




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