Letztes Update am Mo, 04.11.2019 12:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spannung vor Wahl des neuen britischen Parlamentspräsidenten



Acht Kandidaten, fünf Minuten Redezeit, und ein auf Händen getragener Sieger: In London waren am Montag alle Blicke auf das Parlament gerichtet, wo am Nachmittag (ab 15.30 Uhr MEZ) der neue „Speaker“ des Parlaments gewählt wird. Der als Favorit gehandelte Lindsay Hoyle sagte in einem Interview, er sehe die Aufgabe des Amtes vor allem in der Rolle eines „Schiedsrichters“.

Der Zeitung „Sunday Times“ sagte der 62-jährige Labour-Politiker, er wolle die aufgeheizte Stimmung im Parlament beruhigen - vor allem während der nächsten Brexit-Debatten. Vier Frauen und vier Männer haben sich für die Nachfolge von John Bercow zur Wahl gestellt.

Der 56-jährige Bercow hatte den Posten des Parlamentspräsidenten zehn Jahre inne, Hoyle war genauso lange dessen Stellvertreter. Im Gegensatz zum lebhaften und wortgewaltigen Bercow, der das Amt mit seinen durchdringenden „Order“-Rufen prägte, betonte Hoyle im Interview, dass „die Menschen sich nicht an den Schiedsrichter erinnern wollen, sondern an das Spiel“.

Hoyles stärkste Konkurrentin ist die Labour-Abgeordnete Harriet Harman. Auch die ehemalige Justizministerin setzt auf einen besänftigenden Stil. „Wir müssen aufeinander hören, anstatt uns gegenseitig anzuschreien“, sagte die 69-Jährige der „Sunday Times“.

Um die Transparenz des Amtes zu gewährleisten, mussten die Kandidaten zuvor ihre Bewerbungen von mindestens drei Abgeordneten aus anderen politischen Lagern absegnen lassen. Am Montagnachmittag hat jeder der Bewerber fünf Minuten Zeit, um die Parlamentarier zu überzeugen.

Der neue Parlamentspräsident braucht die absolute Mehrheit, um ins Amt gewählt zu werden. Es kann zu mehreren Runden kommen. Die Kandidaten, die unter fünf Prozent der Stimmen erhalten, fallen aus dem Rennen heraus, bis am Ende ein Sieger feststeht. Dieser wird dann - wortwörtlich - auf Händen von zwei Abgeordneten zu seinem Sessel getragen.

Die Wahl des Parlamentspräsidenten erfolgt nach jeder Parlamentswahl oder nach dem Ausscheiden des Amtsträgers. Mit seinem eigenwilligen Stil stand Bercow mehr als drei Jahre lang im Zentrum der äußerst emotional geführten Parlamentsdebatten rund um den Brexit. Seine legendär gewordenen „Order“-Rufe, mit denen er die Abgeordneten zur Ruhe ermahnte, hallten mehr als 14.000 Mal durch das Londoner Unterhaus.

Unterdessen forderte US-Präsident Donald Trump den britischen Premierminister Boris Johnson und den Vorsitzenden der Brexit Party, Nigel Farage, zu einem Zusammenschluss auf. Ein Bündnis werde die Aussichten auf einen erweiterten Handel zwischen den USA und Großbritannien nach dem Austritt aus der Europäischen Union sichern, sagte Trump im Weißen Haus am Sonntag.

Auf die Frage, welchen britischen Spitzenpolitiker er unterstütze, erklärte Trump: „Sie sind beide Freunde von mir. Ich denke, Boris wird es richtig machen.“ Johnson sei „der richtige Mann für die Zeit“. „Was ich gerne sehen würde, ist, dass Nigel und Boris zusammenkommen. Ich denke, das ist eine Möglichkeit“, bekräftigte Trump seinen bereits am Donnerstag in einem Radiogespräch mit Farage geäußerten Wunsch.




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