Letztes Update am Mi, 06.11.2019 06:29

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erzdiözese Wien investiert in Neubauten



Die Erzdiözese Wien kämpft seit Jahren mit sinkenden Mitgliederzahlen, glaubt aber trotzdem an Wachstum: Sie investiert in neue Kirchenräume und -bauten, vor allem in den Stadtentwicklungsgebieten Wiens. Der Fokus liegt dabei nicht auf der „klassischen Kirche“, sondern auf kleinen, multifunktionalen Begegnungszentren. Derzeit sind mehrere Projekte am Laufen.

Mit den neuen Zentren will die Erzdiözese eine Präsenz aufbauen, „die nicht wie ein klassischer Kirchenbau daherkommt“, sagte Kardinal Christoph Schönborn in einem Statement gegenüber der APA. Das habe aber nichts damit zu tun, „dass wir modern ausschauen wollen“. Vielmehr wolle man Menschen, die bisher wenig in Berührung mit der Kirche gekommen sind, einen „einladenen Ort der Begegnung mit weit offenen Türen“ bieten. Das könne ein klassischer Kirchenbau sein, muss es aber nicht.

„Wir wollen es nicht machen wie früher, dass wir eine große Kirche hinstellen“, erklärte der Baudirektor der Erzdiözese, Harald Gnilsen, der APA. Zunächst würden vielmehr Räume gemietet werden: „Wenn sich eine größere Gemeinde bildet, sich Menschen finden, dann schauen wir weiter.“

Im Moment gibt es in den Wiener Stadtentwicklungsgebieten Projekte, die diese Strategie verdeutlichen. So entsteht derzeit am Areal des ehemaligen Nordbahnhofs ein multifunktionaler Kirchenraum. In einem 190 Quadratmeter großen Erdgeschoßlokal wird im Februar 2020 das katholische Begegnungszentrum „FranZ“ eröffnet. Derzeit ist dort der Innenausbau voll im Gang. Neben einem Büro und einem Gesprächsraum bietet laut dem zuständigen Pfarrer Konstantin Spiegelfeld das neue Zentrum einen Empfangsraum, eine beidseitig geöffnete Küche und einen Veranstaltungsraum. Außerdem gibt es ein sakrales „Stau‘n-Räumchen“, in den sich Besucher für Gebet und Stille auch durch den Hintereingang „reinschleichen“ können, fügte Pastoralassistentin Anna Asteriadis hinzu.

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Namensspender für das neue Begegnungszentrum waren der Heilige Franziskus von Assisi und Papst Franziskus, die sich beide eine Kirche der Armen wünschen. Die Gesamtkosten für die Errichtung und Ausstattung von „FranZ“ belaufen sich laut Spiegelfeld auf 350.000 Euro.

Einige Kilometer vom Nordbahnhofareal entfernt, in der Seestadt Aspern, befindet sich das „Edith-Stein-Zentrum“. Dieses ist bereits seit 2016 in Betrieb. Laut Gnilsen ist bisher der Zuspruch auf das Angebot groß, vor allem „junge Familien, die Gemeinschaft suchen“, würden sich dort treffen.

Noch in der Planungsphase befindet sich unterdessen der „Campus der Religionen“, der ebenfalls in der Seestadt entstehen soll. Dafür hat die Stadt ein 10.000 Quadratmeter großes Areal zur Verfügung gestellt, auf dem zahlreiche Religionsgemeinschaften Objekte errichten können. Die Kosten für die Gebäude sind von den Religionsgemeinschaften zu tragen. Plan ist, dass der Spatenstich 2020 erfolgt. Seitens der Erzdiözese werde gerade eine Bebauungsstudie erarbeitet, so Gnilsen.

Auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien, das neben dem Stadtgebiet Wiens auch das umliegende, östliche Niederösterreich umfasst, werden laut Gnilsen jährlich circa 500 kleinere Bauvorhaben wie Renovierungen, Erhaltungs- und denkmalpflegende Arbeiten an Kirchen, Pfarrhöfen, -heimen und pastoralen Räumen in den rund 600 Pfarrgemeinden durchgeführt. Insgesamt gibt die Erzdiözese jährlich für Baumaßnahmen zwischen 25 und 30 Mio. Euro aus. Die letzten „klassischen“ Neubauten waren die Kirche in Oberrohrbach in der Pfarre Kleinwilfersdorf/NÖ (2008) und die Kapelle im Landesklinikum Hainburg (2014). Letztere wurde vom Land Niederösterreich finanziert, als Ersatz für eine abgerissene Kirche auf dem Krankenhausareal.




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