Letztes Update am Do, 07.11.2019 14:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Iran nimmt Urananreicherung in Atomanlage Fordo wieder auf



Der Iran hat in der Nacht auf Donnerstag die Urananreicherung in der Atomanlage Fordo offiziell wieder aufgenommen. Das teilte die iranische Atomenergiebehörde mit. Die Wiederaufnahme der Urananreicherung stellt einen weiteren Schritt zur Abkehr des Landes vom internationalen Wiener Atomabkommen dar.

In der Folge des 2015 geschlossenen Atomabkommens war die Urananreicherung in der unterirdischen Anlage von Fordo 180 Kilometer südlich von Teheran eingefroren worden. Die Anzahl der Zentrifugen in den Anlagen Fordo und Natanz war im Zuge des Vertrags um mehr als zwei Drittel auf 5060 reduziert worden. Gemäß dem Abkommen hätte der Iran erst ab 2025 die Urananreicherung wieder ausbauen dürfen.

Präsident Hassan Rouhani hatte am Dienstag angekündigt, dass sein Land die Urananreicherung in Fordo wiederaufnehmen werde. Es handle sich um die „vierte Etappe“ des schrittweisen Rückzugs aus dem Atomabkommen. Die EU und Russland reagierten besorgt.

Die USA riefen andere Länder auf, mehr Druck auf den Iran ausüben, um dem Land die Entwicklung von Atombomben zu verwehren. Mit der jüngsten Wiederaufnahme bestimmter nuklearer Aktivitäten wolle Teheran sicherstellen, bei Bedarf kurzfristig Atomwaffen bauen zu können, erklärte US-Außenminister Pompeo. Die USA würden nie erlauben, dass der Iran eine Atommacht werde.

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US-Präsident Donald Trump war im Mai 2018 aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und verfolgt seitdem mit immer neuen Sanktionen eine Politik des „maximalen Drucks“ gegenüber Teheran. Der Iran hielt sich zunächst weiter an die Vereinbarungen in der Hoffnung, sie mit den verbliebenen Vertragspartnern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China retten zu können. Am ersten Jahrestag von Trumps Austritt verkündete der Iran jedoch, seine Verpflichtungen schrittweise zu reduzieren.

Teheran teilte indes mit, dass einer Inspektorin der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aufgrund eines „Zwischenfalls“ vorige Woche während der Inspektion der Urananreicherungsanlage in Natanz die Akkreditierung entzogen worden sei. Die Inspektorin habe während der Inspektion einen Alarm ausgelöst wegen des Verdachts, ein „verdächtiges Produkt“ bei sich gehabt zu haben. Daraufhin sei ihr das Betreten der Anlage verboten worden. Die Inspektorin, deren Nationalität nicht bekannt gegeben wurde, habe inzwischen den Iran in Richtung Wien verlassen.

Die EU war nach den Worten eines ihrer Vertreter „sehr besorgt“ über den Zwischenfall. Der EU-Vertreter äußerte sich anlässlich einer Sondersitzung des Gouverneursrates der IAEA in Wien. „Wir appellieren an den Iran, sicherzustellen, dass die Inspektoren der IAEA ihre Aufgaben“ entsprechend den Verpflichtungen Teherans erfüllen können, hieß es in der Erklärung.

Der Vertreter der USA bei der IAEA nannte die vorübergehende Festnahme der Atominspektorin im Iran eine „unerhörte Provokation“ und einen „unvertretbaren Akt der Einschüchterung“. Zudem müsse Teheran Fragen der IAEA zu in diesem Jahr in einer Anreicherungsanlage gefundenen Uranspuren beantworten.

Am Donnerstag beschäftigt sich der Gouverneursrat der in Wien ansässigen IAEA in einer Sondersitzung mit dem Iran. Dabei geht es aber nicht um die neuesten Entwicklungen hinsichtlich des Atomabkommens, sondern um andere Fragen im Zusammenhang mit IAEA-Inspektionen. Der kommissarische IAEA-Generaldirektor Cornel Feruta hatte zuletzt den Iran aufgefordert, bei der Aufklärung von Vorwürfen zu helfen, Teheran habe sein Atomprogramm nicht offengelegt.




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