Letztes Update am Sa, 09.11.2019 14:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin



Mit umfangreichen Feierlichkeiten wird am Samstag in Berlin des 30. Jahrestags des Mauerfalls gedacht. Zum Auftakt empfing der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Staatschefs der Visegrad-Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und Slowakei. Er hatte sie eingeladen, um die wichtige Rolle ihrer Länder beim Niederreißen des Eisernen Vorhangs und beim Fall der Berliner Mauer zu würdigen.

Der deutsche Bundespräsident begrüßte Zuzana Caputova (Slowakei), Milos Zeman (Tschechien), Andrzej Duda (Polen) und Janos Ader (Ungarn) am Samstagvormittag in seinem Amtssitz Schloss Bellevue. Anschließend fuhr er mit ihnen zur zentralen Veranstaltung an der Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße.

Steinmeier dankte den Bürgern der vier Staaten für ihren maßgeblichen Beitrag zur Wiedervereinigung. „Ohne den Mut und den Freiheitswillen der Polen und Ungarn, der Tschechen und Slowaken wären die friedlichen Revolutionen in Osteuropa und die deutsche Einheit nicht möglich gewesen“, sagte er. Er sprach in einem zweiten Teil der Feier am benachbarten Denkmal für die vier Visegrad-Staaten, das an deren Beitrag zum Fall der Mauer erinnert und das er mit den vier Präsidenten besuchte.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel rief dazu auf, die errungene Freiheit zu verteidigen und Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten. Zugleich forderte sie die Menschen auf, sich nicht entmutigen zu lassen. „Keine Mauer, die Menschen ausgrenzt und Freiheit begrenzt, ist so hoch oder so breit, dass sie nicht doch durchbrochen werden kann.“

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Bei dem Gedenken wurden auch Rosen in die Hinterlandmauer für die Mauer-Opfer gesteckt und Kerzen zur Erinnerung an den Mut der DDR-Opposition im Herbst 1989 entzündet. Die Bernauer Straße gilt als Symbol der deutschen Teilung. Als die Mauer 1961 hochgezogen wurde, lag die Häuserfront der Straße im Osten, der Gehsteig im Westen.

Am Abend wollte Steinmeier eine Ansprache vor dem Brandenburger Tor halten, wo ab 18.00 Uhr eine Bühnenshow anlässlich des 30. Mauerfall-Jubiläums stattfindet. Eröffnet wird die Veranstaltung von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller. Neben der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim treten zahlreiche Musiker und Bands auf.

Auch in Österreich ist der 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer gewürdigt worden. Bundespräsident Alexander Van der Bellen erklärte auf Facebook, am 9. November 1989 sei „vielleicht zum ersten Mal“ die Idee eines vereinten Europas „tatsächlich greifbar nahe“ gewesen. „Damals, am 9. November 1989, haben der Mut, die Freiheit und die Demokratie einen Sieg errungen.“

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein bezeichnete den Fall der Berliner Mauer als „Zäsur in der Geschichte unseres Kontinents und unerlässlich für die Einheit Europas“: „Bei allen noch immer bestehenden Herausforderungen und Unterschieden leben wir heute in eng verbundener europäischer Nachbarschaft, geprägt von Frieden und Freiheit. Das ist keine Selbstverständlichkeit und muss von allen Generationen bewahrt und verteidigt werden“, unterstrich Bierlein.

Außenminister Alexander Schallenberg erklärte, die Wende 1989 sei „Ausgangspunkt für nachhaltigen Frieden in Europa“ gewesen. „Dafür waren Entscheidungen notwendig, die Mut und Weitblick erfordert haben. Diesen Mut und Weitblick muss Europa auch bei der Heranführung des Westbalkans an die EU zeigen.“ Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten hatten sich auf ihrem Gipfel Mitte Oktober nicht auf den Start von Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien und Albanien einigen können, nachdem Frankreich, Dänemark und die Niederlande Vorbehalte geäußert hatten.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) betonte, dass der Mauerfall „kein singuläres Ereignis“ gewesen sei, „sondern ein Meilenstein in der Entwicklung eines vereinten Europas“. Das Gedenken dürfe sich nicht „an kalendarischen Gegebenheiten erschöpfen“, sondern müsse „ein permanenter und vor allem vorwärtsgewandter Prozess sein“.

Die SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner erklärte in einem Video auf Twitter, die Ereignisse rund um den Mauerfall seien „eine positive, prägende Zeit für ganz Europa“ gewesen. „Die Menschen haben gemeinsam gezeigt, dass es sich immer lohnt, für seine Ideale und ein besseres Leben für alle einzustehen.“ Der Mauerfall sei „ein Symbol geworden für ein freies, für ein geeintes Europa, ein Europa der Vielfalt, der Demokratie, und ein Europa der Menschenrechte. Ja, an diesem Wochenende sind wir alle Berliner“, sagte die Parteichefin.




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