Letztes Update am So, 10.11.2019 10:57

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


The Lumineers begeistern in Wien



Natürlich gehen die Gassenhauer immer: Beim Konzert der Lumineers am Samstag im vollen Wiener Gasometer wurden Hits wie „Ho Hey“ ordentlich abgefeiert. Aber die Band begeisterte auch mit schwierigeren Stücken. Die Formation aus Denver bewies einmal mehr, wie sehr sie es versteht, ihren Folk-Rock von der Mainstream-Straße auf Nebenwege und wieder zurück zu lenken.

Es war ein großartiges Konzert mit Akteuren, die Leidenschaft, Können und Stilsicherheit mitbrachten. „Gimme Shelter“ dröhnte als gut gewähltes Intro durch den Saal, denn wie beim Song der Rolling Stones brodelt es auch bei The Lumineers gewaltig unter der Oberfläche und selbst die eingängigsten Lieder haben oft eine dunkle, komplexe Seite. Mit „Sleep On The Floor“ und „Cleopatra“ zogen die Amerikaner sofort einen gewaltigen Sound auf, perfekt instrumentiert und von Wesley Schultz mit fantastischer, kraftvoller Stimme gesungen.

Ganze acht Stücke vom aktuellen Album „III“ waren zu hören. Erstaunlich, wie gut sich diese zwischen Mitklatsch-Folkpop-Hymnen wie „Ophelia“ (von Schultz übrigens durchs Publikum spazierend gesungen) einfügten. Denn „III“ ist ein mutiges Werk mit düsteren, zusammenhängenden Texten über die Alkohol- bzw. Drogensucht in drei Generationen einer Familie. Emotionale, ehrliche Musik punktet offensichtlich noch immer. Und Songschreiberkunst traf hier auf eine überzeugende Performance, was in der Nummer „Jimmy Sparks“ gipfelte.

Ob nun Schultz und Co. gemeinsam am Bühnenrand standen und ein reduzierteres Klangbild hervorzauberten oder als Art Big Band im Cinemascope-Format mit wechselnden Instrumenten musizierten, die Dynamik war hypnotisch. Elegant öffneten The Lumineers die Americana-Schublade, ohne hineinzufallen - was vielleicht auch daran lag, dass dem Piano im Gesamtbild eine mindestens genauso wichtige Rolle zukam wie Drums und Gitarre. Von allen drei Instrumenten gab es streckenweise zwei, je nachdem wie viel davon ein Song brauchte. So wechselte Lauren Jacobson, seit 2018 dabei, wiederholt von der Geige ans zweite Klavier oder wurde von einem Tourmusiker, der die Stammformation live verstärkt, zusätzlich Rhythmus getrommelt.

Die zerbrechliche Piano-Ballade „Salt And The Sea“ von „III“ packten The Lumineers ebenso wie die neuen Stücke „Donna“ und „April“ zu den Hits „Angela“ und „Stubborn Love“ in den Schlussteil, um das Set dann mit Tom Pettys „Walls“ würdig zu beenden. Apropos Coverversion: Das Talking-Heads-Stück „This Must Be The Place (Naive Melody)“ jammten die Dame und die Herren aus Colorado gemeinsam mit ihrer Vorgruppe Mighty Oaks - mächtig!




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