Letztes Update am Mo, 11.11.2019 09:49

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bolivianischer Präsident Morales kündigte Rücktritt an



Nach landesweiten Massenprotesten gegen seine umstrittene Wiederwahl hat Boliviens Staatschef Evo Morales am Sonntag seinen Rücktritt verkündet. „Ich verzichte auf mein Präsidentenamt“, sagte Morales im Fernsehen. Kurz zuvor hatten ihn Armee und Polizei zum Rücktritt aufgefordert. In der Folge kam es in der Hauptstadt La Paz und im nahen El Alto zu zahlreiche Ausschreitungen.

Die Nahverkehrsbetriebe von La Paz teilten auf Twitter mit, dutzende Demonstranten hätten Einrichtungen des Betriebs gestürmt und Busse angezündet. Medien zeigten Videos von brennenden Bussen. Wie örtliche Medien berichteten, wurden auch die Häuser mehrerer prominenter Menschen in Brand gesetzt. In beiden Städten patrouillierten Regierungstruppen.

In La Paz wurde zudem die Botschaft Venezuelas von vermummten Demonstranten besetzt. „Uns geht es gut und wir sind in Sicherheit, aber sie wollen ein Massaker veranstalten“, sagte die venezolanische Botschafterin Crisbeylee Gonzalez. Die Demonstranten seien mit „Dynamit ausgestattet“, sagte sie.

Angesichts zunehmender Gewalt bei den Protesten, einer Serie von Rücktritten im eigenen Lager und massiven Vorwürfen von Wahlbetrug war Morales am Sonntag nur der Rücktritt übrig geblieben. „Unser großer Wunsch ist es, dass der soziale Frieden wiederkehrt“, sagte der 60-Jährige in einer Fernsehansprache. Er trete zurück, um die Gewalt der Opposition zu stoppen. Die Welt solle erfahren, wie sich Oligarchen gegen die Demokratie verschworen, sagt er.

In den sozialen Netzwerken wurde darüber spekuliert, ob Morales sich ins Ausland absetzen würde. Mexiko bot dem scheidenden Amtsinhaber Asyl an. Zuvor hätten 20 Regierungsvertreter und Abgeordnete Zuflucht in der mexikanischen Botschaft in La Paz gesucht, schrieb Außenminister Marcelo Ebrard.

Die Vereinten Nationen teilten unterdessen mit, UNO-Generalsekretär Guterres sei „tief besorgt“ über die Entwicklungen in Bolivien. Er ermahne alle Beteiligten, „auf Gewalt zu verzichten, Spannungen abzubauen und maximale Zurückhaltung zu üben“, hieß es in einer Erklärung.




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