Letztes Update am Mo, 11.11.2019 13:15

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Chaos in Bolivien nach Rücktritt von Morales



Nach dem Rücktritt von Boliviens Präsident Evo Morales ist die Zukunft des lateinamerikanischen Landes ungewiss. In mehreren Städten des Landes kam es am Sonntagabend zu Ausschreitungen. Am stärksten betroffen waren die Hauptstadt La Paz sowie das benachbarte El Alto. Während Gegner Morales‘ feierten, legten Demonstranten Feuer und plünderten Geschäfte und Privathäuser.

Die Nahverkehrsbetriebe der Stadt La Paz teilten auf Twitter mit, dutzende Demonstranten hätten Einrichtungen des Betriebs gestürmt und Busse angezündet. Medien zeigten Videos von brennenden Bussen. Waldo Albarracín, der Leiter eines Bürgerkomitees, das Morales zum Rücktritt aufgefordert hatte, postete ein Video seines in Flammen stehenden Wohnhauses. Albarracín machte Mitglieder der Partei von Morales für die Brandstiftung verantwortlich. Auch die Fernsehmoderatorin Casimira Lema sagte, ihr Haus sei niedergebrannt worden. Der ehemalige Minister Juan Ramón Quintana berichtete im bolivianischen Fernsehen, sein Wohnhaus sei von Unbekannten geplündert worden.

Berichten zufolge hielt sich Morales im zentralbolivianischen Cochabamba auf, wo er seinen Zweitwohnsitz hat. Oppositionsführer Luis Fernando Camacho twitterte, es gebe einen Haftbefehl gegen Morales. Mexiko bot an, Morales Asyl gewähren zu wollen.

UNO-Generalsekretär António Guterres sowie EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderten alle Beteiligten zur Ruhe auf. Mogherini sagte, dass es der Wunsch der EU sei, dass alle Parteien das Land friedlich in Neuwahlen führen sollen, damit das Volk seinem demokratischen Willen Ausdruck verleihen könne.

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Morales war am Sonntag nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl zurückgetreten. Der Sozialist hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt, obwohl die Opposition und internationale Beobachter erhebliche Zweifel anmeldeten. Seine Gegner warfen ihm Wahlbetrug vor. Seitdem kommt es bei Straßenprotesten fast täglich zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern. Mindestens drei Menschen kamen bisher ums Leben.

Morales regierte Bolivien seit 2006. Der 60-Jährige frühere Koka-Bauer war der erste indigene Staatschef des Andenlandes und der dienstälteste Präsident Südamerikas. Er hatte sich zum dritten Mal zur Wiederwahl gestellt, obwohl die Verfassung höchstens eine Wiederwahl vorsieht. Morales überwand diese Hürde mit Hilfe der Justiz, die die Begrenzung der Amtszeiten als Verletzung seiner Menschenrechte bezeichnete.




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