Letztes Update am Di, 12.11.2019 20:42

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bad Ischl zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 gekürt



Bad Ischl im Zentrum des Salzkammerguts wird im Jahr 2024 den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt tragen: Das Konzept der oberösterreichisch-steirischen Bewerbung setzte sich am Dienstag letztlich etwas überraschend gegen die beiden Konkurrenten St. Pölten und „Dornbirn plus“ durch. Schließlich hatte die Bewerbung anfangs mit Gegenwind zu kämpfen.

Nun würdigte jedoch die internationale Jury in Person ihrer portugiesischen Vorsitzenden Cristina Farinha vor allem die Thematisierung des Problems des Übertourismus bei dem Bad Ischler Konzept. Eine offizielle Begründung möchte man zwar erst in drei Wochen schriftlich geben, im APA-Gespräch lobte Farinha aber den Gewinner: „Sie haben ihre Anliegen in eine Botschaft verpackt, die auch von einem breiten Publikum leicht verstanden wird. Es geht anhand des Themas Salz um Fragen der Post-Industrialisierung, es geht um Tourismus und Hypertourismus und darum, wie man mit Tradition, Kultur und alternativer Kultur umgeht.“

„Es ist für mich ein beeindruckendes Statement der Jury in Richtung eines Europas der Regionen“, freute sich Bad Ischls SPÖ-Bürgermeister Hannes Heide über die Entscheidung des Fachgremiums: „Es ist ein Signal für den ländlichen Raum, der nicht vergessen, sondern gestärkt wird.“ Ziel sei nun, für Bad Ischl andere Bilder als Zaunerstollen und Kaiservilla zu erschaffen: „Den Titel Kulturhauptstadt bekommt man nicht dafür, was man ist, sondern wohin man sich entwickeln möchte.“ Dass man mit der Problematisierung der Auswirkungen des Massentourismus durchaus mit dem Feuer gespielt habe, dessen zeigte sich Projektleiter Stefan Heinisch am Dienstag gegenüber der APA bewusst: „Es war ein Risiko. Wir haben gewusst, dass das eine Gratwanderung ist.“

Eine Gratwanderung, die mit dem Fokus auf Kulturtourismus als Antithese aber erfolgreich war. Schließlich holte so die inneralpine Region des Salzkammerguts, die für das Kulturhauptstadt-Projekt neben der Bannerstadt Bad Ischl rund 20 Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark umfasst, nach Graz 2003 und Linz 2009 den Ehrentitel ein weiteres Mal in die beiden Bundesländer.

Derzeit kalkuliert man mit einem Budget von insgesamt 30 Mio. Euro, wobei der Bund üblicherweise ein Drittel der Kosten trage, wie Kulturminister Alexander Schallenberg am Dienstag beschied. Dies sei aber Gegenstand der künftigen Budgetverhandlungen. 10 Millionen sollen aus den Gemeinden der Region kommen, 10 Millionen von den beteiligten Bundesländern.

Bei aller Enttäuschung zeigten sich die beiden unterlegenen Mitbewerber kollegial und kämpferisch. „Die Vorbereitungen waren einfach zu professionell, daher wird St. Pölten 2024 Landeskulturhauptstadt“, milderte Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die schlechten Nachrichten aus Wien ab. Und die Organisatoren hinter „Dornbirn plus“, das neben der titelgebenden Vorarlberger Stadt auch Feldkirch, Hohenems und den Bregenzerwald umfasste, deklamierten: „Europa, wir kommen trotzdem!“ So werde man auch ohne Zuschlag weiterhin für Vernetzung im Land und in der Bodenseeregion stehen, hieß es vom Vorarlberger Bewerbungsbüro.

Glückwünsche kamen von EU-Seite. „Die Kultur ist nicht die Stieftochter Europas - sie ist die wirkliche Tochter Europas“, hob Martin Selmayr als neuer Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich bei seinem ersten offiziellen Termin in Wien hervor. Seine ersten Besuche werden den „unterlegenen“ Bewerbern gelten, versprach er. Und in Brüssel verwies EU-Kulturkommissar Tibor Navracsics auf die über 2024 hinausreichenden Vorteile der Auszeichnung: „Bad Ischl und das Salzkammergut werden sicherlich auch langfristig einen kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Nutzen aus dem Titel Kulturhauptstadt Europas ziehen.“

Allein wird Bad Ischl die Verantwortung des Kulturhauptstadtjahres dabei nicht schultern müssen. So teilt man sich die Aufgabe wie jedes Jahr mit einer weiteren Stadt, in diesem Fall mit Estlands zweitgrößter Stadt Tartu. Und schließlich erweitert das norwegische Bodo (alternative Schreibweise: Bodö) das Duo zum Trio, wird doch im unregelmäßigen Abstand auch ein Kandidat aus einem Nicht-EU-Land in den Reigen der Kulturhauptstädte aufgenommen.




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