Letztes Update am Mi, 13.11.2019 12:23

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Leopold Museum: „Pas de deux“ des deutschen Expressionismus



Ein „Pas de deux“ des deutschen Expressionismus bietet das Leopold Museum in seiner neuen Schau, die am morgigen Donnerstag eröffnet: Gezeigt werden rund 100 Werke aus zwei Sammlungen - der Schweizer Fondazione Gabriele e Anna Braglia und der Renate und Friedrich Johenning-Stiftung aus Deutschland. Ergänzt wird das Oeuvre durch Werke aus der hauseigenen Sammlung und der Nolde Stiftung Seebüll.

„Es sind zwei unterschiedliche Ansätze, auf den deutschen Expressionismus zu blicken“, erläuterte Direktor Hans-Peter Wipplinger am Mittwoch bei der Presseführung die Entscheidung, die beiden Sammlungen in einer Schau miteinander zu verschränken. Während Braglia Paul Klee und Co. erst in den 1980ern für sich entdeckte, startete Johenning seine diesbezügliche Sammeltätigkeit bereits mit dem Erwerb von Klees Aquarell „Alpenveilchen und Chrysanthemen“ in den 1960er-Jahren. Seine Schwerpunkte liegen u.a. auf Alexej von Jawlensky, Karl Schmidt-Rottluff und Emil Nolde, während Braglia zur Schau vor allem Werke von Klee oder Marianne von Werefkin beisteuert. Überschneidungen finden sich vor allem bei August Macke. „Wir zeigen nicht den deutschen Expressionismus, sondern die deutschen Expressionismen“, fasste Kurator Ivan Ristic die Vielfalt des im zweiten Untergeschoß Gezeigten zusammen.

Um die subjektiven Zugänge der unterschiedlichen Künstler zu unterstreichen, erwartet die Besucher im Foyer eine „faziale Bilderflut“ in Form von Fotografien vieler der Künstler, um den Werken ein Gesicht zu geben. Nicht nur ein Gesicht, sondern den Kontext für die Entwicklung des deutschen Expressionismus bietet Ristic im ersten Ausstellungsraum, in dem er auf den damals vorherrschenden Impressionismus verweist, von dem sich Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu emanzipieren versuchten. Als Beispiel bringt man hier Max Liebermanns idyllisches „Der Eingang zum Landhaus mit Enkeltochter und Kinderfrau“ aus dem Jahr 1919 oder dessen „Reitknecht am Strand“ von 1902. Liebermann war es auch, der sich im Jahr 1910 als Präsident der Berliner Secession gegen eine Präsentation von Arbeiten junger Expressionisten quer legte.

Es folgt ein Streifzug durch die Anfänge des Expressionismus mit Werken wie Max Pechsteins „Junge Dame mit Federhut“ (1910) aus der Johenning Stiftung oder Ernst Ludwig Kirchners „Porträt Emmi Frisch“ von 1908 aus der Leopold Privatstiftung. Bemerkenswert auch die Arbeiten von Paula Modersohn-Becker, die sich 1898 der Künstlerkolonie im niedersächsischen Worpswede anschloss. Ihre expressive Reduktion der Malmittel lief ihren spätimpressionistischen Kollegen zuwider. Die freie Entfaltung der neuen Stilrichtung in der Künstlergemeinschaft „Brücke“ ist durch zahlreiche Arbeiten von deren Gründungsmitgliedern - Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl - sichtbar.

In der Ausstellung finden sich auch Werke rund um den in München von Wassily Kandinsky und Franz Marc ins Leben gerufenen „Blauen Reiter“, von Kandisky selbst stammt „Murnau - Zwei Häuser“ aus der Fondazione Braglia, die auch vier Arbeiten Franz Marcs in der Ausstellung zeigt. Den Schwerpunkt der Schau bilden jedoch Werke von Emil Nolde aus unterschiedlichsten Schaffensperioden, August Macke und Paul Klee. Mit Modersohn-Becker, Marianne Werefkin (der Lebensgefährtin von Alexej von Jawlensky) und Gabriele Münter sind auch einige weibliche Vertreterinnen des Expressionismus vertreten. Wipplinger freut sich jedenfalls, mit der Ausstellung „den österreichischen und den deutschen Expressionismus unter einem Dach zeigen zu können“.

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