Letztes Update am Mi, 13.11.2019 13:05

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Venedig kämpft im Hochwasser um den Markusdom



Die Stadt Venedig kämpft um den Markusdom. Nachdem das Wasser in die Basilika eingedrungen ist, wurden Schäden am Mauerwerk festgestellt. Das Wasser drang auch in die Krypta ein. „Wir waren einen Schritt vor der Apokalypse“, meinte Domprokurator Campostrini, der für die Basilika zuständige Ingenieur. Außerdem gab es in Venedig zwei Todesfälle, die mit dem Hochwasser in Zusammenhang stehen könnten.

Mobile Schotten wurden aufgestellt, um zu verhindern, dass das Wasser in die Kapelle Zen gelangen könne, in der sich Bilder-Zyklen rund um die Legende des Heiligen Markus befinden. Gefährdet sind die Mosaiken, sowie die Marmorböden und die Holzstrukturen, die die Basilika schmücken. Wertvolle Gegenstände in der Basilika wurden in Sicherheit gebracht. Eine Taskforce des Kulturministeriums prüfte am Mittwoch die von dem Hochwasser verursachte Überschwemmung.

Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro bestätigte die schweren Schäden in der Basilika. „Venedig ist verwüstet. Die Markusbasilika hat wie die gesamte Stadt und die Inseln schwere Schäden erlitten“, sagte Brugnaro. Der italienische Premier Giuseppe Conte wird am Mittwochnachmittag in der Lagunenstadt eintreffen. Er wolle sich persönlich ein Bild der Lage machen, erklärte der Regierungschef.

Touristen mit hohen Gummistiefeln wateten über den Markusplatz und machten Selfies. Die Atmosphäre, die sich ihnen bot, war gespenstisch. Die traditionsreichen Cafes, Modeshops und Souvenirläden rund um den Markusplatz blieben am Mittwoch geschlossen. Geschlossen waren auch Schulen und Kindergärten.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Ein 78-jähriger Pensionist starb an einem Stromschlag, da Wasser in seine Wohnung auf der Insel Pellestrina in der Lagune eingedrungen war und einen Kurzschluss ausgelöst hatte, berichtete die Tageszeitung „Il Gazzettino“. Ein zweiter Einwohner Pellestrinas wurde ebenfalls tot in seiner Wohnung aufgefunden. Hier wurde allerdings nicht ausgeschlossen, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist. Stromausfälle wurden in mehreren Teilen Venedigs gemeldet, auch bei den Telekommunikationsverbindungen kam es zu erheblichen Problemen. Schulen und Kindergärten wurden am Mittwoch geschlossen.

Wegen des starken Sturms zerschellten Boote in den engen Kanälen, viele Gondeln waren schwer beschädigt. Bei den Verbindungen mit den Vaporetti, den Wasserbussen in Venedig, kam es zu erheblichen Problemen. Die Küstenwache musste mehreren Personen und Booten Hilfe leisten. Bürgermeister Luigi Brugnaro prüfte in der Nacht auf Mittwoch an Bord eines Polizeiboots die Lage. Der Markusplatz in der UNESCO-Welterbestadt war vollkommen überflutet. „Das sind die Folgen des Klimawandels. Wir bitten die Regierung in Rom, uns zu unterstützen“, sagte der Stadtchef.

Für Mittwoch war kaum Wetterbesserung in Sicht, in ganz Italien war wie schon seit Tagen Regen angesagt. Von den Unwettern besonders betroffen waren am Dienstag die süditalienischen Regionen Basilikata, Apulien und Kalabrien. In Europas Kulturhauptstadt Matera kam es zu Überschwemmungen in der Altstadt.

Die Regenfälle verursachten auch auf der Urlaubsinsel Capri schwere Schäden. Wegen des heftigen Windes stürzte eine Ecke des Gesims des Glockenturms auf die bekannte „Piazzetta“, dem bei Touristen besonders beliebten Hauptplatz von Neapel. Einige Dächer wurden beschädigt. Fährverbindungen zwischen der Insel und Neapel mussten vorübergehend unterbrochen werden. In Teilen der Insel kam es zu Stromausfällen. Auch auf Sizilien gab es Überschwemmungen und kleinere Erdrutsche.




Kommentieren