Letztes Update am Mi, 13.11.2019 14:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Venedig kämpft im Hochwasser um den Markusdom



Die Stadt Venedig kämpft um den Markusdom. Nachdem das Wasser in die Basilika eingedrungen ist, wurden Schäden am Mauerwerk festgestellt. Das Wasser drang auch in die Krypta ein. „Wir waren einen Schritt vor der Apokalypse“, meinte Domprokurator Campostrini, der für die Basilika zuständige Ingenieur. Venedig rief Touristen dazu auf, der Stadt fernzubleiben: „Kommt nicht aus Neugier in die Stadt.“

Mobile Schotten wurden aufgestellt, um zu verhindern, dass das Wasser in die Kapelle Zen gelangen könne, in der sich Bilder-Zyklen rund um die Legende des Heiligen Markus befinden. Gefährdet sind die Mosaiken, sowie die Marmorböden und die Holzstrukturen, die die Basilika schmücken. Wertvolle Gegenstände in der Basilika wurden in Sicherheit gebracht. Eine Taskforce des Kulturministeriums prüfte am Mittwoch die von dem Hochwasser verursachte Überschwemmung.

Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro bestätigte die schweren Schäden in der Basilika. „Venedig ist verwüstet. Die Markusbasilika hat wie die gesamte Stadt und die Inseln schwere Schäden erlitten“, sagte Brugnaro. Der italienische Premier Giuseppe Conte wird am Mittwochnachmittag in der Lagunenstadt eintreffen. Er wolle sich persönlich ein Bild der Lage machen, erklärte der Regierungschef.

Touristen mit hohen Gummistiefeln wateten über den Markusplatz und machten Selfies. Die Atmosphäre, die sich ihnen bot, war gespenstisch. Die traditionsreichen Cafes, Modeshops und Souvenirläden rund um den Markusplatz blieben am Mittwoch geschlossen. Geschlossen waren auch Schulen und Kindergärten.

Der katholische Patriarch von Venedig, Erzbischof Francesco Moraglia, berichtete, dass 80 Prozent der Stadt überflutet worden sei. Mehrere Kirchen seien überschwemmt worden. „Gestern Abend war ich auf dem Markusplatz. Ich habe in meinem Leben noch nie ein derartiges Hochwasser erlebt“, so der Patriarch.

Laut dem wissenschaftlichen Institut CNR sei eine einmalige Kombination aus Schirokko-Wind und Hochwasser für die schweren Überschwemmungen verantwortlich. Kurz vor Mitternacht war das Wasser - angetrieben durch starken Wind - auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel gestiegen. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 Zentimeter erreicht wurden, teilte die Gemeinde mit.

Der italienische Präsident Sergio Mattarella telefonierte mit dem Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, um sich über die Lage in der Stadt zu erkundigen. Auch ein Besuch von Premier Giuseppe Conte wird in der Lagunenstadt erwartet. Conte will die Nacht in Venedig verbringen.

Ein 78-jähriger Pensionist starb an einem Stromschlag, da Wasser in seine Wohnung auf der Insel Pellestrina in der Lagune eingedrungen war und einen Kurzschluss ausgelöst hatte, berichtete die Tageszeitung „Il Gazzettino“. Ein zweiter Einwohner Pellestrinas wurde ebenfalls tot in seiner Wohnung aufgefunden. Hier wurde allerdings nicht ausgeschlossen, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist. Stromausfälle wurden in mehreren Teilen Venedigs gemeldet, auch bei den Telekommunikationsverbindungen kam es zu erheblichen Problemen. Schulen und Kindergärten wurden am Mittwoch geschlossen.

Wegen des starken Sturms zerschellten Boote in den engen Kanälen, viele Gondeln waren schwer beschädigt. Bei den Verbindungen mit den Vaporetti, den Wasserbussen in Venedig, kam es zu erheblichen Problemen. Die Küstenwache musste mehreren Personen und Booten Hilfe leisten. Bürgermeister Luigi Brugnaro prüfte in der Nacht auf Mittwoch an Bord eines Polizeiboots die Lage. Der Markusplatz in der UNESCO-Welterbestadt war vollkommen überflutet. „Das sind die Folgen des Klimawandels. Wir bitten die Regierung in Rom, uns zu unterstützen“, sagte der Stadtchef.

Für Mittwoch war kaum Wetterbesserung in Sicht, in ganz Italien war wie schon seit Tagen Regen angesagt. Von den Unwettern besonders betroffen waren am Dienstag die süditalienischen Regionen Basilikata, Apulien und Kalabrien. In Europas Kulturhauptstadt Matera kam es zu Überschwemmungen in der Altstadt.

Die Regenfälle verursachten auch auf der Urlaubsinsel Capri schwere Schäden. Wegen des heftigen Windes stürzte eine Ecke des Gesims des Glockenturms auf die bekannte „Piazzetta“, dem bei Touristen besonders beliebten Hauptplatz von Neapel. Einige Dächer wurden beschädigt. Fährverbindungen zwischen der Insel und Neapel mussten vorübergehend unterbrochen werden. In Teilen der Insel kam es zu Stromausfällen. Auch auf Sizilien gab es Überschwemmungen und kleinere Erdrutsche.

Auch die kroatische Adriaküste ist am Dienstag vom schwersten Unwetter dieses Jahres heimgesucht worden. Viele Küstenstädte von Istrien bis Dalmatien wurden nach starken Regenfällen und somit gestiegener Meeresspiegel überschwemmt. In Split drang Meerwasser in der Nacht auf Mittwoch in die Kellerräume des als Weltkulturerbe geschützten Diokletianpalastes ein, berichteten kroatische Medien.

Starke Sturmböen führten zu Problemen entlang der gesamten Küste. Gefallene Bäume behinderten den Straßenverkehr, zerstörten parkende Autos und Stromleitungen. Der Schiffsverkehr zwischen dem Festland und den Inseln musste vorläufig eingestellt werden, viele Trajekt-, Katamaran- und Bootslinien waren auch am Mittwoch außer Betrieb. Es gab keine Berichten über Verletzte.




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