Letztes Update am Mi, 13.11.2019 14:51

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verein „Original Play“ Österreich ging in die Offensive



Rund drei Wochen nach ersten kritischen Berichten über den Verein „Original Play“, bei dessen Kursen fremde Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen rangeln und spielen, ist der Österreich-Ableger in Wien in die Offensive gegangen. Bei einem Medientermin waren der umstrittene Gründer Fred Donaldson und Vorstandsmitglieder dabei. Mehrfach wurde betont, dass es in Österreich keine Beschwerden gibt.

Die Statements am Podium fielen langatmig aus, so schilderten die Vorstandsmitglieder unter anderem, wie sie selbst zu „Original Play“ gekommen sind. Zudem wollten die Vereins-Mitglieder ihre Spielmethoden mit anwesenden Journalisten demonstrieren, allerdings zeigten sich keine Medienvertreter dazu bereit. Zu Wort meldete sich bei der Pressekonferenz auch Gründer Donaldson. Der Amerikaner will seine Methode vor 46 Jahren entwickelt haben, indem er Kinder beim Spielen beobachtet hatte. Ein Vierjähriger habe ihm dabei geholfen und ihm vermittelt, dass beim Spielen alle gleich seien. „Original Play“ sei „ein Geschenk der Schöpfung an alles Leben“ und „universell“, außerdem „dekategorisiere es Menschen“ und ersetze „Angst mit Liebe“, sagte der selbst ernannte Spielexperte.

De facto gibt es aktuell keinerlei Angebot mehr von „Original Play“ in Österreich. Bildungsministerin Iris Rauskala untersagte bereits vergangene Woche den in ihre Zuständigkeit fallenden Bundesschulen de facto den Einsatz des Vereins „Original Play“ - und rät anderen pädagogischen Einrichtungen in einem Erlass „dringend“ davon ab. Explizit verboten wurden Tätigkeiten des Vereins in Niederösterreich, auch das Wiener Rathaus empfahl allen Einrichtungen die Einstellung, die Volksanwaltschaft leitete ein Prüfverfahren ein.

Der Verein will trotz aller Kritik weitermachen und Gespräche mit dem Bildungsministerium und den Bildungsdirektionen führen. Diesbezüglich habe es auch schon Kontakte gegeben. „Wir gehen davon aus, dass, wenn wir unter Anklage stehen, wir auch gehört werden“, sagte Klaus Seits, der in Österreich als einer von 14 „Apprentices“, die Trainings und Spielgruppen leiten, tätig ist. Im Bildungsministerium bestritt man einen Kontakt mit dem Verein. Weder mit der Ministerin noch mit den zuständigen Stellen habe es einen Austausch gegeben, hieß es gegenüber der APA.

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Seits betonte bei der Pressekonferenz, es gebe einen großen Unterschied zwischen Körperlichkeit und Sexualität, „das ursprüngliche Spiel hat überhaupt nichts mit Sexualität zu tun“. Außerdem würden die „Apprentices“ keinerlei Herrschaft über die Kinder ausüben, es gebe auch kein Festhalten oder Kitzeln beim Spiel. Gespielt werde ohne zu kämpfen, insbesondere bei gewaltbereiten Kindern gebe es gute Erfahrungen.

Nicht jeder der in Österreich tätigen „Apprentice“ hat eine pädagogische Ausbildung. So ist beispielsweise Seits selbst Techniker. Er hat „Original Play“ 2013 kennengelernt und seither mit über 2.000 Kindern gespielt. Keinen pädagogischen Hintergrund hat auch Gründer Donaldson. Und das sei auch gut so, befand Seits, denn dadurch sei es ihm möglich geworden, das originale Spielen zu entdecken, sagte Seits. Laut Vereinsvorstand Sonja Mille gehören zu den Interessenten „vorwiegend Menschen, die mit Kindern arbeiten“. Im Prinzip könne aber jeder hospitieren kommen, sagte sie auf mehrfache Nachfrage.

Einer der großen Kritikpunkte zahlreicher Experten ist, dass Fremde mit den Kindern Körperkontakt suchen und dadurch Grenzen überschritten werden können. Das ließ Vereinsvorstand Robin Riess nicht gelten. Diese Kritik würden nur Pädagogen und Psychologen, „die noch nicht dabei waren und es noch nicht erlebt haben“ äußern. Es sei problematisch, dies aus der „Ferne“ zu betrachten. Viele Menschen würden nicht verstehen, „worum es geht“, dadurch trete „Angst hervor“. Diese sei aber „ganz unbegründet. Das Unwissen vergeht, sobald man in der Situation dabei ist“, sagte Riess.

Experten bemängelten in der Diskussion um „Original Play“ auch, dass es wissenschaftlich und entwicklungsbiologisch nicht fundiert ist. Das Bayrische Familienministerium betonte gar, dass „Original Play „jedweder wissenschaftlichen Grundlage“ entbehrt. Seine Methode sei sehr wohl erforscht, meinte wiederum Donaldson und präsentierte ein Magazin aus dem Jahr 1976. Weitergehende Forschung würde „unglaublich viel Geld kosten“, dieses habe der Verein nicht. Er selbst habe aber 46 Jahre Forschung betrieben und diese in Magazinen und Büchern veröffentlicht. „Mir war es wichtiger mit Kindern zu spielen und die Ergebnisse im realen Leben zu sehen, als in wissenschaftlichen Publikationen“, meinte Donaldson.

Bei der heutigen Pressekonferenz wurde betont, dass es aus sämtlichen Einrichtungen, in denen „Original Play“ angeboten wurde, nur positive Rückmeldungen gegeben habe. Diese wurden teilweise auch vorgelesen. Dennoch wolle man seine eigenen Richtlinien über- und ein umfassendes Kinderschutzkonzept erarbeiten, sagte Vorstandsmitglied Mille. Sie sieht in „Original Play“ auch ein Gewaltpräventionsprojekt. Denn „in der Gesellschaft gibt es ein massives Gewaltproblem“, ortete Mille. „Original Play“-Spielleiter würden seit Jahren Gewaltpräventionsprojekte anbieten und „werden eingeladen, weil die Pädagoginnen und Fachkräfte unseren Ansatz verstehen“, meinte Mille.




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