Letztes Update am Do, 14.11.2019 10:53

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Stantejsky im Burgtheater-Prozess teilweise geständig



Die langjährige kaufmännische Burgtheater-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky hat sich zu Beginn ihres Prozesses am Wiener Landesgericht teilweise schuldig bekannt. Sie gab am Donnerstag zu, Bargeld aus der Hauptkassa entnommen zu haben und sogenannte Handgelder, die künstlerischem Personal zugedacht waren, für eigene Zwecke verwendet zu haben. Schadenssumme: 30.000 Euro.

Größer war der Schaden, den die 64-Jährige ihrer Verantwortung zufolge mit Veruntreuungen zulasten des ehemaligen Burgtheater-Direktors Matthias Hartmann und des deutschen Theaterregisseurs David Bösch angerichtet hat. Auf Kosten Böschs ließ sie sich demnach mit Blanko-Belegen 185.000 Euro ausbezahlen, bei Hartmann richtete sie einen Schaden von 163.000 Euro an. Der damalige Burg-Chef hatte mangels eines österreichischen Bankkontos im Sommer 2009 mit Stantejsky vereinbart, dass diese insgesamt 273.000 Euro, die er sich für erbrachte Leistungen vom Burgtheater ausbezahlen hatte lassen, für ihn aufbewahrte und er bei Bedarf Geld „abholen“ konnte. Am Ende verwahrte Stantejsky für ihn 163.000 Euro zu Hause in einem Safe bzw. in der Wohnung ihrer Mutter und soll sich davon laut Anklage immer dann bedient haben, wenn sie selbst Finanzbedarf hatte. Im Herbst 2013 waren die 163.000 Euro zur Gänze verbraucht.

Während ein nicht unbeträchtlicher Teil des bei Hartmann angerichteten Schadens zwischenzeitlich gut gemacht wurde - bereits Anfang Jänner 2014 wurden 70.000 Euro zurückbezahlt -, soll Bösch eine außergerichtliche Einigung mit Stantejsky abgelehnt haben.

Ausdrücklich nicht geständig war die Angeklagte zum Vorwurf der Bilanzfälschung. Sie habe zwar die finanzielle Lage beschönigt und „Fehldarstellungen“ vorgenommen, meinte Verteidigerin Isabell Lichtenstrasser. Die Wirtschafts-und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ziehe daraus aber die falschen Schlüsse. Stantejsky sei es darum gegangen, „die miese finanzielle Lage des Burgtheaters zu bewältigen“ und das Ansehen des Hauses hochzuhalten. Sie habe - wenn auch nur am Papier - die Vorgaben der Bundestheater-Holding umsetzen wollen, wo eine „schwarze Null“ verlangte wurde. Dass das in der Realität nicht möglich war, „war allen Beteiligten sonnenklar“, sagte Lichtenstrasser.

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