Letztes Update am Do, 14.11.2019 11:02

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Körperlose“ Literar Mechana feiert 60 Jahre



Zu ihrem Geburtstag hat die laut Schriftsteller und Festredner Daniel Kehlmann sonst „körperlose“ Verwertungsgesellschaft Literar Mechana am Mittwoch ihr Gesicht gezeigt und mit ihren Mitgliedern im Wiener Odeon gefeiert. Seit 60 Jahren kümmert sich die Organisation um die Durchsetzung von Urheberrechten und die Vergabe von Tantiemen an Angehörige der schreibenden Zunft.

Kehlmann sinnierte in seiner Rede gut gelaunt über das Schriftstellerdasein: „Das ist kein Beruf, auch wenn man die Eltern und die Erbtante davon überzeugen muss.“ Eher sei es eine Strategie, die Berufswahl möglichst lange zu vermeiden. Trotzdem bekomme er nun zweimal im Jahr von der Literar Mechana Abrechnungen mit Summen, von denen er keine Ahnung habe, wie sie zustande kommen. Die Verwertungsgesellschaft, die er wie viele andere noch nie persönlich besucht habe, ist für den Autor von Romanen wie „Die Vermessung der Welt“ und „Tyll“ etwas Unwirkliches, Körperloses. „Aber wir sind alle wirklich hier und die Literar Mechana ist es ebenfalls“, scherzte er und verteilte ein Lob: Die Literar Mechana gehöre zwar nicht den Schriftstellern, „aber sie gibt uns alles.“

Das „Luftgeschäft der Literatur“ - denn wer schreibt, schaffe Kehlmann zufolge nichts Substanzielles, sondern „ein Objekt der Luft“ - zu kapitalisieren, ist seit 1959 Aufgabe der Literar Mechana. „Es geht um die Wahrnehmung gleichgerichteter Interessen nach außen“, erklärte Geschäftsführerin Sandra Csillag das „Partnerschaftsmodell“ zwischen Autoren und Verlegern. Derzeit hat die Verwertungsgesellschaft 22.000 Bezugsberechtigte, darunter Journalisten, Hörbuchautoren und Wissenschafter sowie viele der bekanntesten Gesichter der zeitgenössischen österreichischen Literatur. Elfriede Jelinek, Thomas Glavinic, Franzobel und viele anderen sandten Geburtstagtexte.

Begonnen hat die Geschichte der Verwertungsgesellschaft, als der ORF vor 60 Jahren begann, zunehmenden nicht mehr live, sondern vom Band zu senden, erzählte Csillag. Autoren und Verleger taten sich schließlich zusammen, um die mechanischen Rechte am gesprochenen Wort wahrzunehmen. Im letzten Jahrzehnt habe man immer öfter für die Beibehaltung der ursprünglichen Funktion des Urheberrechts eintreten müssen.

Zukünftige Herausforderungen sieht Csillag bei der Entstehung neuer Produkte und dem sich verändernden Nutzerverhalten. Kehlmann glaubt trotz Sozialer Medien, die von Büchern ablenken, an die Zukunft seines Berufs: Während der Frankfurter Buchmesse sei in der Stadt nie ein Zimmer frei, sagte er: „Und wissen Sie, wie viele Hotelzimmer Frankfurt hat?“




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