Letztes Update am Do, 14.11.2019 11:59

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Stantejsky im Burgtheater-Prozess teilweise geständig



Die langjährige kaufmännische Burgtheater-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky hat sich zu Beginn ihres Prozesses am Wiener Landesgericht teilweise schuldig bekannt. Sie gab am Donnerstag zu, Bargeld aus der Hauptkassa entnommen zu haben und sogenannte Handgelder, die künstlerischem Personal zugedacht waren, für eigene Zwecke verwendet zu haben. Schadenssumme: 30.000 Euro.

Größer war der Schaden, den die 64-Jährige ihrer Verantwortung zufolge mit Veruntreuungen zulasten des ehemaligen Burgtheater-Direktors Matthias Hartmann und des deutschen Theaterregisseurs David Bösch angerichtet hat. Auf Kosten Böschs ließ sie sich demnach mit Blanko-Belegen 185.000 Euro ausbezahlen, bei Hartmann richtete sie einen Schaden von 163.000 Euro an. Der damalige Burg-Chef hatte mangels eines österreichischen Bankkontos im Sommer 2009 mit Stantejsky vereinbart, dass diese insgesamt 273.000 Euro, die er sich für erbrachte Leistungen vom Burgtheater ausbezahlen hatte lassen, für ihn aufbewahrte und er bei Bedarf Geld „abholen“ konnte. Am Ende verwahrte Stantejsky für ihn 163.000 Euro zu Hause in einem Safe bzw. in der Wohnung ihrer Mutter und soll sich davon laut Anklage immer dann bedient haben, wenn sie selbst Finanzbedarf hatte. Im Herbst 2013 waren die 163.000 Euro zur Gänze verbraucht.

Während ein nicht unbeträchtlicher Teil des bei Hartmann angerichteten Schadens zwischenzeitlich gut gemacht wurde - bereits Anfang Jänner 2014 wurden 70.000 Euro zurückbezahlt -, soll Bösch eine außergerichtliche Einigung mit Stantejsky abgelehnt haben.

Ausdrücklich nicht geständig war die Angeklagte zum Vorwurf der Bilanzfälschung. Sie habe zwar die finanzielle Lage beschönigt und „Fehldarstellungen“ vorgenommen, meinte Verteidigerin Isabell Lichtenstrasser. Die Wirtschafts-und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ziehe daraus aber die falschen Schlüsse. Stantejsky sei es darum gegangen, „die miese finanzielle Lage des Burgtheaters zu bewältigen“ und das Ansehen des Hauses hochzuhalten. Sie habe - wenn auch nur am Papier - die Vorgaben der Bundestheater-Holding umsetzen wollen, wo eine „schwarze Null“ verlangte wurde. Dass das in der Realität nicht möglich war, „war allen Beteiligten sonnenklar“, sagte Lichtenstrasser.

Am Burgtheater war es in der Ära Stantejsky üblich, dass sich Künstler ihr Gehalt und ihre Honorare wahlweise auf ein Bankkonto überweisen oder in bar ausbezahlen lassen konnten. Letzteres wurde über die Hauptkassa abgewickelt, was laut Oberstaatsanwältin Veronika Standfest von Stantejsky „sehr zentral gesteuert“ und „ausgenutzt“ wurde. Mit Zugriffen auf die sogenannten Handgelder habe die Angeklagte ihren eigenen Finanzbedarf gedeckt, legte die Anklägerin dar. Stantejsky habe einen „luxuriösen Lebensstil mit teuren Urlauben“ gepflogen, sagte Standfest. Obwohl sie 14 Mal im Jahr netto 7.000 Euro ins Verdienen brachte, sei Stantejsky damit in manchen Jahren deutlich nicht ausgekommen.

Andererseits billigte die Anklägerin der langjährigen kaufmännischen Burgtheater-Geschäftsführerin zu, in beruflicher Hinsicht in ein enges finanzielles Korsett eingeschnürt gewesen zu sein: „Die finanzielle Situation des Burgtheaters war nicht rosig. Es war bestimmt so, dass Doktor Springer (Georg Springer, damaliger Chef der Bundestheater-Holding, Anm.) die schwarze Null gefordert hat. Es stellt sich aber die Frage, warum sie die Zahlen nicht auf den Tisch gelegt hat. Es kann sein, dass eine gewisse Eitelkeit dahinter stand, man den Aufsichtsrat nicht vor den Kopf stoßen wollte oder dass man einfach beliebt sein wollte. Es mag sein, dass sie den schwarzen Peter hat. Aber sie war die kaufmännische Geschäftsführerin.“

Während gegen Hartmann alle strafrechtlich relevanten Vorwürfe eingestellt wurden - es ging um den Verdacht der Untreue, behauptete Bilanzfälschung und grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie mögliche Abgabenhinterziehungen - und auch von im Raum stehenden Anschuldigungen gegen Springer nichts übrig blieb, muss sich Stantejsky nun verantworten. Auf die Frage nach ihren aktuellen Einkommensverhältnissen verwies die 64-Jährige auf eine Pension von 1.856 Euro monatlich.




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