Letztes Update am Do, 14.11.2019 14:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Demonstranten in Bagdad durch Tränengas-Granaten getötet



Am Rande von regierungskritischen Protesten im Irak sind erneut vier Demonstranten durch extrem gefährliche Tränengas-Granaten getötet worden. Sicherheitskräfte hätten die Granaten am Donnerstag in der Hauptstadt Bagdad abgefeuert, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Ärztekreisen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass mit diesen Granaten meist direkt auf Menschen gezielt wird.

Mehr als 50 weitere Menschen seien zudem in Bagdad verletzt worden, teilten Polizei und Mediziner mit. Die Polizei feuerte auch mit scharfer Munition und Gummigeschoßen und versuchte so, Hunderte Demonstranten in der Nähe des Tahrir-Platzes zu vertreiben und in ihr Protestlager im Stadtzentrum zurückzudrängen. Der Tahrir-Platz ist der Mittelpunkt der seit Anfang Oktober anhaltenden Proteste gegen die Regierung. Sie richten sich gegen Korruption, Misswirtschaft und die hohe Arbeitslosigkeit.

Seit Beginn der Proteste wurden nach Angaben der UNO bereits etwa 20 Menschen durch Tränengas-Granaten getötet. Den meisten Opfern zertrümmerten die Geschoße den Schädel. Die Granaten sind den Angaben zufolge zehnmal stärker als die anderswo in der Welt eingesetzten Modelle.

Trotz Gewalteskalation und nächtlichen Ausgangssperren gehen die Iraker weiter auf die Straße und fordern mittlerweile den Sturz der Regierung. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden bisher mehr als 330 Menschen getötet.

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Die UNO übt derzeit Druck auf die Regierung in Bagdad aus, Reformen umzusetzen. Sie fordert unter anderem Änderungen am Wahlgesetz und an der Verfassung. Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi versucht, mit einigen Maßnahmen die Bevölkerung zu beruhigen. So sollen Arme Unterstützung erhalten und mehr Stellen für Hochschulabsolventen geschaffen werden. Den Demonstranten geht das jedoch nicht weit genug.

Die immer lauter werdenden Forderungen nach einer Überarbeitung des politischen Systems des Landes und der Entmachtung der herrschenden Elite wurden bisher nicht erfüllt. Für die politische und militärische Führung sind die Massenproteste die größte Herausforderung seit der US-Invasion und dem Sturz des langjährigen Diktators Saddam Hussein vor 16 Jahren.




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