Letztes Update am Do, 14.11.2019 14:58

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Venedig kämpft nach Hochwasser um Neubeginn



Nach einem verheerenden Hochwasser hat in Venedig am Donnerstag das große Aufräumen begonnen. Während das Meereswasser langsam zurückging, begannen die Bewohner und die Inhaber verwüsteter Geschäfte in der Innenstadt mit der Prüfung der Zerstörung, die die schwerste Überschwemmung seit 1966 hinterlassen hat. Italiens Premier Giuseppe Conte versprach Hilfe.

Bürger, die Schäden erlitten haben, sollen sofort eine Entschädigung von 5.000 Euro erhalten, bei Geschäftsinhabern soll der Beitrag bis auf 20.000 Euro steigen, berichtete Conte. Die Touristikbranche beklagte hohe Verluste. Unzählige Urlauber hätten ihren Urlaub in der Lagunenstadt storniert. Circa 25 Gondeln, die Wahrzeichen Venedigs, trugen schwere Schäden davon und müssen repariert werden.

„30 Stunden nach dem außerordentlichen Hochwasser gönnen sich die Venezianer keine Ruhepause. Sie haben Wasser, Schlamm und Müll weggekehrt, um die Lage zu normalisieren“, twitterte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia. Zerstörungen seien nicht nur in Venedig, sondern entlang der ganzen Adria-Küste in Friaul und in Venetien zu verzeichnen. Mehrere Badeortschaften seien schwer getroffen, sagte Zaia.

Premier Conte traf Walter Mutti, Inhaber eines Zeitungskiosks, der am Dienstagabend vom Wind in den Giudecca-Kanal gefegt worden war. Der weggerissene Stand ist zum Symbol der Katastrophe in Venedig geworden. „Die Regierung ist präsent, wir werden niemanden allein lassen“, versicherte der Regierungschef.

Auf „mehrere Hunderte Millionen Euro“ bezifferte der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, die Schäden in der Stadt, die jährlich Millionen Touristen anzieht. Der ehemalige EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani sprach mit EU-Kommissar Johannes Hahn (ÖVP), damit Venedig Hilfe aus dem europäischen Solidaritätsfonds erhalten könne. Brugnaro bat zudem die UNO um Hilfe. Der Stadtchef schlägt die Gründung einer UNO-Agentur zum Thema Klimawandel mit Sitz in Venedig vor. „Venedig muss zum Ort werden, wo Wissenschafter, Experten und Politiker zum Thema Klimawandel auf globaler Ebene beraten. Ich fordere die UNO auf, in Venedig eine Agentur des Wassers zu gründen, wo man über Meere, Ozeane und Verschmutzung spricht“, so Brugnaro im Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Stampa“.

Als einzige Hoffnung zur Rettung der Stadt betrachtet Brugnaro das Dammsystem MOSE, das 2021 eingeweiht werden sollte. „Das MOSE-System ist im Moment die einzige Lösung für Venedig. Dafür haben wir schon zu viel Geld ausgegeben und es sind schon zu viele Jahre seit Beginn der Arbeiten vergangen. Jetzt muss dieses System endlich starten“, sagte der Bürgermeister.

Die italienische Verkehrsministerin Paola De Micheli erklärte, 400 Millionen Euro seien zum Fertigbau von MOSE notwendig. Ziel sei, dass es bis 2021 zur Einweihung des Dammsystems komme. Das System aus riesigen mobilen Deich-Modulen, die den Eingang der Lagune von Venedig bei drohendem Hochwasser versperren sollen, hätte bereits 2017 in Betrieb gehen sollen. Beim Projekt „MOSE“ handelt es sich um im Meeresgrund verankerte Barrieren, die bei den drei Laguneneingängen das Meerwasser am Eindringen hindern sollten.

Der italienische Umweltminister Sergio Costa beklagte eine „Tropikalisierung“ des Klimas in Italien. Dies führe zu orkanartigen Winden und tropischen Niederschlägen, wie sie das Land noch nie erlebt hatte. Neben Venedig gab es diese Woche auch in den Adria-Regionen des Südens schwere Schäden.




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