Letztes Update am Fr, 15.11.2019 14:09

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ehefrau in Badewanne ertränkt - 53-Jähriger muss in Anstalt



Ein 53-Jähriger, der kurz vor Weihnachten in Wien-Donaustadt seine Frau in der Badewanne ertränkt hat, ist nach eineinhalbstündiger Beratung der Geschworenen in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Der pensionierte Krankenpfleger ist aufgrund einer paranoiden Schizophrenie zurechnungsunfähig und damit nicht schuldfähig.

Der tödliche Angriff, der sonst als Mord gewertet worden wäre, konnte ihm deshalb nicht vorgeworfen werden. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Sowohl Staatsanwältin als auch der Betroffene verzichteten auf Rechtsmittel.

Durch seine Geisteskrankheit hatte der Betroffene den Wahn, seine Frau würde eine außereheliche Affäre führen. Er kontrollierte sie, stellte sie immer wieder wegen ihres angeblichen Fremdgehens zur Rede. Die Frau durfte nicht einmal alleine in die Arbeit gehen. Mit regelmäßigen Anrufen kontrollierte er, wo sie hinging. Sogar bei Dienstbesprechungen der Krankenschwester war der 53-Jährige dabei.

Anfang März 2018 spitzte sich die Lage zu. Die Krankenschwester bat ihre Vorgesetzte um Rat, weil sie „diesen Druck mit ihrem Mann nicht mehr aushält“, erzählte die Kollegin als Zeugin vor Gericht. Diese riet ihr zur Trennung. „Ich kann mich nicht trennen, er wird mich finden und das werde ich nicht überleben“, meinte die Frau. Im Sommer arrangierte die Vorgesetzte sogar für die Frau ein Gespräch mit der Krisenintervention. Doch sogar da wurde sie von dem Ehemann begleitet. Vier Tage vor ihrem Tod - im letzten Dienst vor Weihnachten - berichtete sie der Kollegin von physischen und auch sexuellen Übergriffen vonseiten ihres Mannes.

Am 23. Dezember kam es erneut zum Streit zwischen den Eheleuten in ihrem Reihenhaus in der Donaustadt. Wie so oft wollte der 53-Jährige wissen, ob ihn seine Frau betrüge. Laut Aussage des Betroffenen soll sie da erstmals eine Liaison mit einem Nachbarn zugegeben haben. Laut Staatsanwältin hätte er dann seine Frau unter Wasser gedrückt, bis sie sich nicht mehr rührte. Mit einer Nagelschere soll er ihr auch Verletzungen an der linken Hand zugefügt haben, um vermutlich einen Selbstmord vorzutäuschen.

„Dass die Frau ihm eröffnet hat, dass sie eine Affäre mit den Nachbarn hätte, hat ihn völlig aus der Bahn geworfen“, meinte seine Anwältin Astrid Wagner. Obwohl er bei der Polizei ein Geständnis abgelegt hat, wurde dieses kurz danach wieder widerrufen. „Ich kann mich nicht mehr erinnern“, meinte er auch am Freitag vor dem Schwurgericht (Vorsitz: Claudia Zöllner). Nach einem Streit habe er ihr einen Stoß versetzt und sei schlafen gegangen. Er glaube, dass seine Frau bei einem Unfall ertrunken sei. Doch wurde von der Polizei seine nasse Kleidung und ein nasser Teppich gefunden, die zum Trocknen am Balkon hingen.

Dass er seine Frau unter Druck gesetzt habe, gar handgreiflich geworden sei, leugnete der 53-Jährige vehement. „Eifersüchtig war ich schon, aber ich habe sie geliebt“, sagte der Betroffene. „Es war eine glückliche Ehe.“ Wegen seiner psychischen Erkrankung sei er ja in Behandlung gewesen: „Ich habe selbst gedacht, es stimmt etwas nicht.“ Seit 2018 habe er vom psychosozialen Dienst Risperdal erhalten, ein Medikament gegen Schizophrenie. Allerdings in einer laut toxikologischem Sachverständigen Günter Gmeiner geringen Dosis von einem Milligramm.

Laut dem psychiatrischen Gutachter Peter Hofmann wäre eine Dosis von vier bis acht Milligramm normal. Der 53-Jährige sei krankheitsuneinsichtig und fühlt sich gesund. In Verbindung mit einem „hoch gefährlichen Aggressionspotenzial“ des Betroffenen leitet der Sachverständige daraus eine ungünstige Zukunftsprognose ab. Es sei möglich, dass der Betroffene „seinen Wahn auf andere Personen ummünzt“.




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