Letztes Update am Fr, 15.11.2019 15:31

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖFB-Team reicht Punkt gegen Nordmazedonien für EM-Ticket



Österreichs Fußball-Nationalmannschaft steht kurz vor dem großen Ziel. Der ÖFB-Auswahl reicht am Samstag (20.45 Uhr/live ORF 1) im Wiener Happel-Stadion gegen Nordmazedonien schon ein Punkt, um die Teilnahme an der EURO 2020 zu fixieren, und diese Chance will man sich laut Teamchef Franco Foda nicht entgehen lassen.

Der Deutsche spürte in dieser Trainingswoche bei seinen Schützlingen eine große Vorfreude. „Jeder weiß, worum es geht. Wir haben es in der eigenen Hand. Jetzt gilt es, das letzte Mosaiksteinchen auf unsere Seite zu bringen“, erklärte Foda am Freitag in Wien.

Die Voraussetzungen dafür stehen gut. Bei Nordmazedonien fallen zumindest fünf Spieler wegen Verletzungen und Sperren aus. Beim ÖFB sind nach der Absage von Schalke-Profi Alessandro Schöpf alle ÖFB-Kaderspieler fit geblieben. „Ich hatte sehr positive Trainingseindrücke. Die Woche ist bisher ideal verlaufen, wir hatten optimale Bedingungen und konnten uns sehr gezielt vorbereiten“, resümierte Foda.

Ein weiterer Pluspunkt sei, dass beinahe sämtliche Teamkicker derzeit bei ihren Clubs eine gute Phase erleben. „Alle Spieler haben in ihren Vereinen einen hohen Rhythmus, das spiegelt sich auch im Nationalteam wider. Sie haben viel Selbstvertrauen und Spaß“, meinte Foda.

Der Nationaltrainer hofft auf einen ähnlich konzentrierten Auftritt wie beim 1:0 im Oktober in Slowenien. „Wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen, es muss uns aber auch klar sein, dass wir mit viel Einsatzbereitschaft und Leidenschaft auftreten müssen“, warnte Foda.

Der 53-Jährige erwartet einen defensiv eingestellten Gegner. „Wir werden viel Ballbesitz haben, brauchen deswegen viel Qualität im Passspiel und eine gute Restverteidigung. Wir wollen den Gegner von Beginn an unter Druck setzen und zügig nach vorne spielen.“

Man dürfe allerdings nicht blind in Richtung Nordmazedonien-Tor stürmen, sondern müsse die Balance zwischen Offensive und Defensive wahren und fokussiert bleiben, mahnte Foda. „Man muss im Fußball immer auf der Hut sein. Man bekommt im Leben nichts geschenkt und muss für einen Erfolg immer hart arbeiten.“

Die Nordmazedonier benötigen in Wien bei fünf Punkten Rückstand auf das ÖFB-Team unbedingt einen Sieg, um ihre Mini-Chance auf ein EURO-2020-Ticket über die EM-Qualifikation zu wahren. Derzeit liegen sie in Gruppe G auf Rang drei, noch vor den punktegleichen Slowenen und Israelis. „Die Nordmazedonier haben sich im Laufe der Quali gesteigert. Sie stehen in der Defensive kompakt und haben ihre Qualitäten im Umschaltspiel“, warnte Foda.

Doch auch die ÖFB-Auswahl hat ihre Stärken, wie fünf Siege und ein Remis aus den vergangenen sechs Qualifikations-Partien beweisen. „Wir haben eine sehr gute Truppe. Ich bin stolz, dass ich diese Mannschaft trainieren kann“, betonte der Teamchef.

Umso schmerzvoller wird es, wenn Foda den einen oder anderen Spieler auf die Bank setzen muss, der sich einen Einsatz von Beginn an verdient hätte. „Ich habe die Qual der Wahl, aber ich liebe diese Situation. Klar sind das schwierige Entscheidungen für einen Trainer, doch das gehört zum Job dazu.“

Wie die Aufstellung aussehen wird, ließ Foda naturgemäß offen. Auch die Frage nach dem Einsergoalie - infrage kommen Alexander Schlager, Pavao Pervan und Jörg Siebenhandl - blieb unbeantwortet. „Ich habe eine Tendenz. Die Letztentscheidung treffe ich am Freitagabend mit meinem Trainerteam“, erzählte der frühere Sturm-Graz-Coach.

Julian Baumgartlinger warnte vor überzogener Euphorie. Zum einen müsse der nötige Punkt erst eingefahren werden, zum anderen gelte es im Falle einer EM-Teilnahme die richtigen Lehren aus 2016 zu ziehen. Vor vier Jahren war die Begeisterung um die ÖFB-Auswahl nach neun Siegen und einem Remis in der EM-Quali gewaltig, dann aber folgte in Frankreich das Desaster mit zwei Niederlagen und einem Remis. „Vielleicht hat 2015 das Überzelebrieren dazu geführt, dass wir 2016 nicht mehr den Griff gehabt haben“, vermutete der Nationalteam-Kapitän.

Was in der Vorbereitung für die Endrunde 2016 falsch lief, weiß Baumgartlinger nach eigenen Angaben selbst nicht genau. „Aber wir haben aus 2015 gelernt. Die Qualifikation war eigentlich nur der erste Schritt, in der Vorbereitung war es dann offensichtlich nicht genug.“ Allzu intensiv wollte sich der Leverkusen-Profi mit dem Turnier im kommenden Jahr allerdings noch nicht beschäftigen. „Jetzt müssen wir einmal den ersten Schritt vor dem zweiten machen, und dann schauen wir, dass wir keine Fehler machen.“

Dass die Gefahr eines Quali-Scheiterns nur noch theoretischer Natur ist, führt Baumgartlinger darauf zurück, dass aus den Auftaktniederlagen gegen Polen und Israel die richtigen Konsequenzen gezogen wurden. „Wir haben definitiv an Reife gewonnen. Wir mussten uns als Mannschaft erst finden, es hat einige Umbrüche und Rückschläge gegeben, aber genau in dieser Phase haben wir uns auf unsere Stärken besonnen, waren fokussiert und haben versucht, das Rundherum auszublenden. Das war die größte Entwicklung der Mannschaft, dass wir das alles durchgezogen haben und jetzt alles in eigener Hand haben.“

Nun winkt eine Party vor rund 40.000 Anhängern im Happel-Stadion. „Ich hoffe, dass wir den letzten Schritt machen und dann gebührend mit den Fans feiern können“, meinte Baumgartlinger. Man werde auf Sieg spielen, kündigte der Mittelfeldmann an. „Wir wollen den Fans und uns einen Sieg schenken.“




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