Letztes Update am Fr, 15.11.2019 15:40

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schneelage - Osttiroler Bevölkerung zur Vorsicht aufgerufen



Aufgrund der anhaltenden intensiven Schneefälle hat das Land am Freitag die Osttiroler Bevölkerung zur Vorsicht aufgerufen. Neben der Lawinengefahr müsse auch die Schneebruchgefahr beachtet werden, da Bäume und Äste aufgrund der Schneelast brechen könnten. Zudem sollten auch Vorkehrungen für mögliche Stromausfälle getroffen werden. Auch in Oberkärnten ist die Wetterlage angespannt.

Noch bis Mitternacht wurden in Osttirol und am Alpenhauptkamm intensive Niederschläge erwartet. Im Lienzer Becken und im Iseltal war mit Starkregen zu rechnen. „Die Bezirkseinsatzleitung beobachtet aktuelle Entwicklungen und reagiert umgehend, sobald entsprechende Maßnahmen benötigt werden“, erklärte Bezirkshauptfrau Olga Reisner. Die Hubschrauber des Bundesheeres sollen aus Sicherheitsgründen noch bis Montag in Lienz stationiert bleiben und auch der Landeshubschrauber stehe für Einsätze und Erkundungsflüge zur Verfügung.

Die Bildungsdirektion Tirol hatte am Freitag allen Schulen in Osttirol empfohlen, geschlossen zu halten. Für Osttirol und den Alpenhauptkamm wurde am Freitag Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala, also „große Gefahr“, ausgerufen. Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, riet vor jeder Skitour oder Variantenfahrt abseits der gesicherten Pisten dringend ab.

Zudem waren im Tiroler Außerfern und im Osttiroler Drautal die Bahnstrecken unterbrochen. Bäume, die infolge der Schneelast umgestürzt waren, hatten Oberleitungen und Oberleitungsmasten beschädigt. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

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Die Stromversorgung in Osttirol konnte indes noch am Donnerstagabend weitgehend wieder hergestellt werden. Am Freitagnachmittag waren in sieben Gemeinden 33 Trafostationen unversorgt.

Auch in Südtirol kam es aufgrund der anhaltenden Schneefälle zu Störungen bei der Stromversorgung. Freitagnachmittag waren rund 1.220 Haushalte ohne Strom. Eine Reparatur der unterbrochenen Leitungen sei aufgrund des Wetters extrem schwierig, teilte der Stromverteiler Edyna mit. Zudem waren einige Straßen gesperrt. Im Schnalstal wurde eine Straße durch eine Lawine verlegt. Es sei mit Lawinen und Gleitschneelawinen, Baumstürzen, Steinschlägen und Rutschungen, kleinräumigen Überflutungen, Stromausfällen und Kommunikationsausfällen sowie mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen, teilte das Land Südtirol mit.

In Kärnten tagte am Freitag angesichts der Wetterlage der Landeskrisenstab. Wie Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ) nach der Sitzung sagte, erwarte man für Freitag sowie für Sonntag und kommenden Dienstag drei Niederschlagswellen. Dazu komme auch noch Sturm. Kopfzerbrechen bereiten den Einsatzkräften schwankende Schneefallgrenzen. An der Sitzung nahmen Behördenvertreter, Lawinenwarndienst sowie Vertreter von Feuerwehr, Polizei, Bundesheer und Meteorologen teil.

Wegen der erwarteten Regenmengen wurden bereits die Pegel der großen Stauseen an der Drau in Kärnten abgesenkt. Wie der Kraftwerksbetreiber Verbund am Freitag mitteilte, waren die Seen bei Rosegg, Feistritz im Rosental und Völkermarkt betroffen: Der Pegel dort liegt nun 1,5 bis 2,5 Meter unter dem Normalniveau.

In der Karnischen Region, also an der Südgrenze Kärnten, erwartet man am Freitag in der Zeit von 15.00 bis 22.00 Uhr Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h. „Der Wind an sich wäre kein Problem, er könnte aber in Kombination mit den schwer mit Schnee beladenen Bäumen eines werden“, sagte Fellner. Insgesamt werde das Wetter aber nicht „so dramatisch wie vergangenes Jahr“ ausfallen, meinte Fellner mit Hinweis auf das Sturmtief Vaia im Oktober 2018: Damals hatte der Sturm ganze Wälder in Kärnten verwüstet, mehrere Flüsse traten über die Ufer.

Was Überschwemmungen angeht, so erwartet man dieser Tage, dass vor allem kleinere Flüsse über die Ufer treten könnten, worauf sich die örtlichen Feuerwehren vorbereiten würden. Die Niederschlagsmenge vorherzusagen sei allerdings schwierig, so Fellner, da die Schneefallgrenze ständig schwanke. Bereits aufgeweichte Böden könnten mit noch mehr Regen zum Problem werden. Und nicht zuletzt hatte das Sturmtief Vaia mancherorts Schutzwälder vernichtet, weshalb Lawinengefahr droht, wie etwa im Lesachtal.

Wie der Katastrophenschutzbeauftragte Markus Hudobnik sagte, seien die Katastrophenschutzzüge der Feuerwehren schon in Alarmbereitschaft. In den Gebieten, in denen es bereits viel geschneit hat, steht ein Black Hawk-Hubschrauber des Bundesheeres im Einsatz. Er befreit im sogenannten „Downwash-Flug“, also mit dem Abwind des Rotors, Bäume vom Schnee. Laut Fellner sei man auch darauf vorbereitet, kurzfristig Lawinen gezielt absprengen zu können. Und besonderes Augenmerk werde auf Flüsse gelegt, an denen derzeit an Hochwasserschutzbauten gearbeitet wird.

Am Samstag werden Regen und Schneefall in ganz Österreich seltener. Am Abend ziehen allerdings von Süden her die nächsten Regen- und Schneewolken auf. Am Sonntag am Vormittag regnet und schneit es im Westen und Süden Österreichs verbreitet, stark vor allem wieder in vielen Regionen von Oberkärnten über Osttirol bis zum Tiroler Alpenhauptkamm.

Nach dem derzeitigen Stand der Prognosen regnet und schneit es am Montag im Süden Österreichs wenig bis gar nicht. Am Dienstag muss man aber wieder verbreitet mit Regen und Schneefall rechnen, mit dem Schwerpunkt erneut im Gebiet von Oberkärnten über Osttirol bis zum Tiroler Alpenhauptkamm.




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