Letztes Update am Sa, 16.11.2019 07:09

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fünf Morales-Anhänger bei Zusammenstößen in Bolivien getötet



In Bolivien spitzt sich die Lage zwischen Anhängern des ins Exil geflohenen Ex-Präsidenten Evo Morales und der Übergangsregierung von Jeanine Áñez zu. Áñez drohte dem linksgerichteten Morales am Freitag (Ortszeit) im Falle einer Rückkehr mit juristischen Konsequenzen. Bei gewaltsamen Zusammenstößen im Zentrum Boliviens wurden unterdessen fünf Morales-Anhänger getötet.

Morales müsse sich in Bolivien wegen der Unregelmäßigkeiten bei den Präsidentschaftswahlen am 20. Oktober sowie wegen „zahlreicher Korruptionsvorwürfe“ vor Gericht verantworten, sagte Áñez in der Hauptstadt La Paz. Morales hatte am Mittwoch angekündigt, nach Bolivien zurückkehren zu wollen, um sein Land zu „befrieden“.

Morales war am Sonntag nach wochenlangen Protesten infolge der umstrittenen Präsidentschaftswahl zurückgetreten und anschließend nach Mexiko ins Exil gegangen. Die Anhänger des Ex-Präsidenten protestieren seither gegen die Entmachtung von Morales, dem ersten indigenen Präsidenten Boliviens.

Mindestens fünf Menschen sind indes in Bolivien bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des zurückgetretenen Präsidenten Evo Morales und Sicherheitskräften getötet worden. Weitere 34 Menschen wurden verletzt und 169 festgenommen, wie der Ombudsmann der Stadt Cochabamba, Nelson Cox, am Freitag (Ortszeit) mitteilte. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) bestätigte die fünf Todesopfer sowie mehrere Verletzte. Bei den Toten handelt es sich um Kokabauern.

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Die Kokabauern und Anhänger von Morales versuchten, über Cochabamba nach La Paz zu marschieren, um ihre Unterstützung für den Ex-Präsidenten zu zeigen. Die Polizei und das Militär versperrten den Demonstranten den Weg auf einer Brücke in Sacaba, einem östlichen Vorort von Cochabamba. Die Toten wiesen Schusswunden auf, wie Cox sagte. Der Polizeichef von Cochabamba, Jaime Zurita, erklärte, die Kokabauern hätten die Sicherheitskräfte mit Schusswaffen angegriffen.

Nach Polizeiangaben waren die Demonstranten mit „Waffen, Gewehren, Molotowcocktails, selbstgebauten Panzerfäusten und Sprengsätzen“ bewaffnet. „Sie setzten Dynamit und tödliche Waffen wie die Mauser 765 ein“, sagte ein Polizeivertreter. „Weder die Armee noch die Polizei verfügen über solche Kaliber, ich bin besorgt.“ Die CIDH verurteilte indes den „unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt durch Polizei und Armee“ gegen die Demonstranten.

Obwohl Áñez‘ Regierung nur übergangsweise im Amt ist, zeigte sie sich bereits schonungslos im Umgang mit Morales‘ linksgerichteten Verbündeten. So begann Áñez, die Beziehungen mit dem sozialistischen Kuba und Venezuela zu kappen. Als erste außenpolitische Amtshandlung erkannte sie den venezolanischen Oppositionsführer Juan Guaidó als Präsidenten Venezuelas an und folgte damit dem Beispiel von rund 50 Ländern.

Außenministerin Karen Longaric kündigte am Freitag an, alle venezolanischen Diplomaten würden wegen „Verletzung diplomatischer Normen“ ausgewiesen. Sie verwies auf eine „Einmischung in innere Angelegenheiten“ durch die Diplomaten, die den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro vertreten. Die Übergangsregierung zog sich überdies aus den regionalen Bündnissen UNASUR und Alba zurück, die aus linksgerichteten Verbündeten bestehen.

Kuba verurteilte unterdessen die Festnahme von sechs kubanischen Staatsbürgern in Bolivien, denen „auf verleumderische“ Weise vorgeworfen worden sei, die Proteste gegen Áñez‘ Regierung zu finanzieren. Havanna forderte die sofortige Freilassung seiner Bürger.

Áñez geriet unterdessen wegen mutmaßlicher Twitter-Botschaften gegen die indigene Gemeinschaft ins Visier der Kritik. Die Tweets wurden inzwischen gelöscht. Áñez warf der Morales-Regierung vor, Twitter-Konten gefälscht zu haben.




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