Letztes Update am Sa, 16.11.2019 12:18

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Unwetter für Venedig angekündigt



Die Lage in Venedig bleibt nach tagelangem Hochwasser angespannt. Für den späten Samstag kündigten Meteorologen neue Unwetter an. Der Markusplatz war trotz Überschwemmung wieder zugänglich und wurde am Samstag von Touristen gestürmt. Schlangen bildeten sich vor den Holzstegen, auf denen der Markusplatz erreichbar ist. Mit Gummistiefeln wateten Touristen über den Platz und fotografierten.

Der Markusplatz ist der niedrigste Punkt der Lagunenstadt. Die Schulen blieben am Samstag in der Lagunenstadt geschlossen, auch der öffentliche Wasserverkehr auf dem Canal Grande wurde nicht wieder aufgenommen. Bürgermeister Luigi Brugnaro machte seiner Stadt Mut. „Venedig muss der Welt beweisen, dass sich die Stadt wieder aufraffen kann“, sagte er in einem Interview mit der römischen Tageszeitung „Il Messaggero“. Er drängte auch zum Fertigbau des geplanten Dammsystems MOSE, das Venedig künftig vor Hochwasser schützen müsse.

Samstagvormittag kam es zu einem Wasserhöchststand von etwa 120 Zentimetern über dem normalen Meeresspiegel. Der Wert liegt weit unter jenem von Dienstag, an dem 187 Zentimeter erreicht wurden und fast die ganze UNESCO-Welterbestadt überschwemmt war. Es war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren. Am Sonntag wird wieder eine Flutwelle mit 160 Zentimetern erwartet.

Der Schaden geht laut Bürgermeister Brugnaro in die Hunderte Millionen. Er rief auch zu Spenden aus dem Ausland auf. „Venedig ist der Stolz ganz Italiens, Venedig ist ein Kulturerbe für jeden, einzigartig in der Welt“, erklärte er. Von 120 Kirchen wurde die Hälfte überschwemmt, so die venezianische Tageszeitung „Il Gazzettino“. Fünf Vaporetti, die Wasserbusse Venedigs, und sechs Landungsbrücken wurden schwer beschädigt. Auch die Gondolieri erlitten erhebliche Schäden. 25 Gondeln müssen repariert werden.

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Die Touristikbranche in Venedig beklagt unterdessen schwere Verluste. Besitzer von Ferienwohnungen meldeten, dass 35 Prozent der für die nächsten Monate gebuchten Aufenthalte storniert wurden. In Hotels betrugen die Stornierungen 15 Prozent, so der Touristikverband Confturismo.

Nicht nur Venedig leidet unter dem Unwetter. Auch in der 50 Kilometer von Venedig entfernten Kleinstadt Chioggia kam es zu Überschwemmungen. In der friaulischen Adria-Badeortschaft Grado mussten überschwemmte Straßen gesperrt werden. Für Samstag verhängte der Zivilschutz für Teile der Region Venetien die höchste Unwetterwarnstufe - allerdings nicht für die Stadt Venedig.

Schnee richtete unterdessen schon am Freitag in Südtirol Chaos an, einige Dörfer waren abgeschnitten, weil Straßen gesperrt waren. Tausende Menschen waren ohne Strom, wie die Südtiroler Landesverwaltung mitteilte. In mehreren Gemeinden der Dolomiten-Provinz Belluno blieben Schulen wegen der Schneegefahr geschlossen. Zudem wurden einige Alpenpässe gesperrt.

In der ligurischen Provinz Imperia kam es zu Erdrutschen. Nach heftigen Gewittern wurden Stromausfälle in mehreren Stadtvierteln Genuas gemeldet. Auch Rom wurde von Stürmen und Niederschlägen heimgesucht. Eine Entspannung der Lage steht nicht unmittelbar bevor: Wetterexperten warnten, dass ganz Italien an diesem Wochenende mit einer Schlechtwetterfront mit starken Stürmen und Niederschlägen konfrontiert werde.




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