Letztes Update am Sa, 16.11.2019 17:53

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schnee: Leichte Entspannung vor nächster Unwetterwarnung



Am Samstag hat durch die Wetterbesserung eine leichte Entspannung eingesetzt. Die Aufräumarbeiten nach den starken Niederschlägen liefen in Osttirol auf Hochtouren. Rund 500 Einsatzkräfte hatten zu tun. Dennoch waren in Osttirol tausende Haushalte ohne Strom und zahlreiche Straßen aus Sicherheitsgründen gesperrt. In Unterkärnten wurden Vorkehrungen gegen Überflutungen und Hochwasser getroffen.

Nach einem kurzzeitigen flächendeckenden Ausfall der Stromversorgung in der Nacht in Osttirol, wodurch 24.000 Haushalte ohne Strom waren, waren es am frühen Abend noch rund 4.000 Haushalte. Auch zahlreiche Straßen mussten vorerst noch gesperrt bleiben. Die ZAMG kündigte die nächste Regen- und Schneefront an und gab eine rote Warnung für Teile von Osttirol und Oberkärnten aus.

„Der heutige niederschlagsfreie Tag war wichtig, um dringende Reparatur- und Sicherungsarbeiten zu tätigen. Die Vorbereitungen für die Nacht beziehungsweise den morgigen Tag sind im Gang - wir sind bestens gerüstet“, sagte Bezirkshauptfrau Olga Reisner. Seit den frühen Morgenstunden waren fünf Hubschrauber für Erkundungsflüge für die Lawinenkommissionen und die Tinetz im Einsatz. Mittels „Downwash“-Effekt der Rotorblätter wurde versucht, Bäume neben Stromleitungen vom Schnee zu befreien.

Aus Sicherheitsgründen blieben laut Land Tirol zahlreiche Straßen weiterhin gesperrt, darunter etwa die Felbertauernstraße von Matrei bis Mittersill, die Gailtalstraße (B111) sowie die Defereggentalstraße (L25). Zudem soll die Felbertauernstraße zwischen Huben und Matrei auf Höhe Hofstelle Strimitzer-Brühlbrücke wegen Lawinengefahr gesperrt werden. Die Drautalstraße (B100) wurde wieder für den Verkehr geöffnet.

„Aufgrund der neuerlichen intensiven Schneefälle ist auch morgen (Sonntag, Anm.) mit Straßensperren und Stromausfällen zu rechnen“, so Reisner. Oberhalb von 1.500 bis 2.000 Meter wurden 80 bis 100 Zentimeter Neuschnee prognostiziert.

Für Sonntag gab der Lawinenwarndienst erneut Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala aus. Im hochalpinen Bereich können sich aufgrund des Neuschnees sowie dem zu erwartenden stürmischen Wind Schneebretter lösen, hieß es. „Aufgrund des starken Regens, der die Schneedecke durchfeuchtete, kann es im Bereich unter 1.500 Metern zu Gleitschneelawinen kommen. Daher ist vom Aufenthalt abseits gesicherter Pisten nach wie vor unbedingt abzuraten“, betonte Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol. Für die südlichen Ötztaler Alpen, die Brennerregion, die südlichen Stubaier Alpen bis zum Zillertaler Hauptkamm sowie für die Kitzbüheler Alpen wurde ebenfalls Lawinenwarnstufe 4 ausgegeben, denn auch hier war Neuschnee zu erwarten.

Auch in Südtirol hatte sich die Lage am Samstag etwas beruhigt. 60 bis 70 Staats- und Landesstraßen waren am Samstag gesperrt. Rund 11.000 Haushalte waren ohne Strom. In der Gemeinde Laas war auch die Trinkwasserversorgung ausgefallen. Die Berufsfeuerwehr musste deshalb Trinkwasser in die Gemeinde liefern. Südtirol warnte vor Lawinen und Gleitschneelawinen. Zu rechnen sei auch mit Baumstürzen, Steinschlägen und Rutschungen, kleinräumigen Überflutungen, Strom- und Kommunikationsausfällen sowie Verkehrsbehinderungen, hieß es.

Die Einsätze in Kärnten betrafen Schäden wie umgestürzte Bäume, Hangrutschungen und Muren. In Mallnitz (Bezirk Spittal/Drau) knickte der Mast einer 110 KV-Leitung ein, was zu einem Wohnhausbrand führte, bei dem niemand verletzt worden ist. 1.700 Haushalte waren Samstagmittag laut dem Landesenergieversorger Kelag noch ohne Strom, vor allem im oberen Mölltal, Lesachtal und Liesertal.

Eine Nassschneelawine und eine Überflutung eines Bachs haben Freitagnacht bei einem Anwesen in Dellach/Gail (Bezirk Hermagor) Schäden angerichtet. Auch in der Gemeinde Kirchbach (selber Bezirk) ging eine Nasslawine ab und beschädigte laut Polizei ein Anwesen. Wasser gelangte ins Erdgeschoß und den Keller des Hauses. Personen wurden in beiden Fällen nicht verletzt.

In Lavamünd (Bezirk Wolfsberg), wo es im November 2012 ein verheerendes Hochwasser gegeben hatte und der Hochwasserschutz noch in Bau ist, bereitete man sich auf mögliche Überflutungen vor. Der Verbund versuchte auf Basis einer behördlichen Sondergenehmigung innerhalb der nächsten 24 Stunden im Völkermarkter Stausee „einen möglichst großen Sicherheitspuffer für die Gemeinde Lavamünd“ zu schaffen, sagte Verbund-Sprecher Robert Zechner gegenüber der APA. Von Sonntag auf Montag wird vom Hydrographischen Dienst Kärnten ein Spitzenabfluss von 1.900 Kubikmeter pro Sekunde erwartet. Der normale Mittelwasserabfluss der Drau bei Lavamünd liegt jedoch bei etwa 300 Kubikmetern pro Sekunde. Zurzeit liege man laut Zechner bei rund 1,1 Mio. Liter pro Sekunde, die die Drau hinab fließen.

Josef Ruthardt, Bürgermeister von Lavamünd berichtete der APA, dass den ganzen Tag über am temporären Hochwasserschutz gearbeitet werde. Die Feuerwehren Lavamünd und Umgebung seien im Einsatz und verlegten u.a. Sandsäcke, auch Dämme seien entlang der ungeschützten Bereiche aufgeschüttet worden. Falls es tatsächlich zu den prognostizierten Niederschlagsmengen kommen und ein Hochwasser eintreten sollte, dürfte laut Ruthardt dann vor allem der sogenannte Drauspitz betroffen sei. Dort stehen mehrere Gemeindewohnhäuser, wie der Bürgermeister gegenüber der APA schilderte.

Laut dem Hydrographischen Dienst Kärnten meldete der Wetterdienst Klagenfurt von Samstag bis Montag den Durchzug einer weiteren Niederschlagsfront von Süden her. Die prognostizierten Niederschlagsmengen liegen insgesamt im Oberen Drautal, in den Hohe Tauern, im Gailtal und den Karawanken flächendeckend bei 100 bis 150 mm, in den übrigen Landesteilen bei 40 bis 70 mm. Die Schneefallgrenze schwanke und könne zwischenzeitlich auf 1.500 bis 2.000 m ansteigen. Die Spitzenabflüsse werden am Sonntag und Montag erwartet.

Auf den Gleisstrecken in Oberkärnten und Osttirol ist es zu Einschränkungen gekommen. Züge durch die ÖBB-Tauernschleuse zwischen Mallnitz und Böckstein verkehrten seit Mittag „bis auf weiteres“ im Zwei-Stunden-Takt. Die bisherige Streckensperre zwischen Lienz und Innichen blieb aufrecht. Noch immer waren in Kärnten zahlreiche Straßen gesperrt.

In der Nacht auf Sonntag und am Sonntag selbst sowie am Dienstag sind heftige Niederschläge mit Schwerpunkt Osttirol und Oberkärnten zu erwarten. Somit wird es weiterhin Probleme durch umstürzende Bäume, Überschwemmungen und Hangrutschungen geben. Aus aktueller Sicht sei ab Mittwoch eine nachhaltige Entspannung zu erwarten.




Kommentieren