Letztes Update am So, 17.11.2019 09:38

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bürgermeister koordiniert Ersthilfe bei Venedig-Hochwasser



Der italienische Zivilschutz hat dem Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, die Funktion des Regierungskommissars anvertraut, der die Verantwortung für die Nothilfe in der Lagunenstadt übernimmt. Brugnaro wird jene 20 Millionen Euro verwalten, die die Regierung „für die dringendsten Maßnahmen“ in der Lagunenstadt zur Verfügung gestellt hat.

Brugnaro hat 40 Tage Zeit, um einen Plan für den Neustart der Stadt zu entwickeln. Privatleute sollen mit jeweils bis zu 5.000 Euro für die Flutschäden entschädigt werden, Geschäftsleute mit bis zu 20.000 Euro. Brugnaro richtete angesichts der massiven Hochwasserschäden ein Spendenkonto für seine Stadt ein und warb um finanzielle Unterstützung aus dem In- und Ausland.

Am 26. November soll eine Sonderkommission über die „Probleme Venedigs“ beraten. Dabei soll es auch um ein geplantes Anlegeverbot für große Kreuzfahrtschiffe und ein umstrittenes Hochwasserschutzsystem gehen, das die Stadt mit schwimmenden Barrieren schützen soll und bereits seit 2003 in Bau ist.

Inzwischen sind Hunderte Jugendliche aus ganz Italien in Venedig eingetroffen, die bei den Aufräumarbeiten mithelfen wollten. Organisiert wurde die Hilfsaktion von der Gruppe „Venice calls“. Die Jugendlichen helfen bei der Säuberung von überschwemmten Wohnungen und Geschäften. Auf Facebook wurde das Bild eines Elektrikers gepostet, der erschöpft im Zug von Venedig nach Padua schläft, nachdem er stundenlang kostenlos bei der Behebung der Hochwasserschäden geholfen hatte.

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Die Flutwelle erreichte in der Nacht auf Sonntag einen Pegel von einem Meter. Der Markusplatz war weiterhin überschwemmt. Touristen wateten mit Gummistiefeln über den Platz. Erwartet wurde, dass der Pegel am Sonntag auf 1,60 Meter steigt. Damit sollte circa 70 Prozent des Stadtkerns überschwemmt werden. Allerdings ist der Schirokko-Wind weniger stark als in den vergangenen Tagen. Ab Sonntagnachmittag sollte es zu einer Entspannung der Lage kommen, meinten Wetterexperten. Eine Schlechtwetterfront sollte Italien jedoch auch in den nächsten Tagen heimsuchen.

Das als „Acqua Alta“ bekannte Hochwasser in Venedig war in der Nacht auf Mittwoch auf einen Pegel von 1,87 Meter gestiegen. Der Markusplatz und die Krypta des Markusdoms standen unter Wasser. Nur einmal seit Beginn der Aufzeichnungen hatte das Wasser noch höher gestanden: 1966 lag der Pegel bei 1,94 Meter. Das von Regen, Wind und den Gezeiten verursachte Hochwasser stieg am Donnerstag nicht noch weiter an, am Freitag sollte es dann bei 1,45 Meter liegen.

Schwere Unwetter gab es auch in der Toskana. Überschwemmungen und Erdrutsche wurde in der Provinz Florenz und Grosseto gemeldet. Bäume stürzten wegen des starken Windes um. In Pisa wurde befürchtet, dass der Fluss Arno über die Ufer treten könnte.




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