Letztes Update am So, 17.11.2019 15:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hohe Niederschläge und Wetterwarnungen im Süden und Westen



Die starken Niederschläge am Sonntag haben in Oberkärnten und in Osttirol für erhebliche Probleme gesorgt. Auch Teile des südlichen Salzburgs sowie Nordtirols waren betroffen. Laut den Meteorologen der ZAMG gibt es weiterhin Wetterwarnungen. Positive Nachrichten gab es für Lavamünd, die Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen als ursprünglich vorhergesagt.

Die Prognosen für Lavamünd (Bezirk Wolfsberg) haben sich verbessert, teilte der Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ) nach der Sitzung des Landeskrisenstabes am Samstag mit. Mit einer maximalen Absenkung der Staubecken versuchte man, so viel Wasser wie möglich vorab abzufangen. Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen, als befürchtet. „Es ist jetzt von einem zehn- bis 30-jährigen Hochwasser auszugehen“, konkretisierte der Kärntner Katastrophenschutzbeauftragte Markus Hudobnik gegenüber der APA.

Große Mengen des angekündigte Wassers sollen in den zuvor großzügig abgesenkten Stauseen abgefangen werden. So wurde laut Verbund - der entlang der Drau zehn Kraftwerke betreibt - in den vergangenen 24 Stunden der größte Stausee an der Drau, der Völkermarkter Stausee, bis Samstagmittag um 4,5 Meter unter das Normalniveau abgesenkt. „Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle soll im entleerten Stausee aufgefangen werden“, sagte Verbund-Sprecher Robert Zechner. Bereits am Freitag habe man auch die Pegel bei den Stauseen Rosegg/St.Jakob und Feistritz-Ludmannsdorf 2,5 Meter unter das Normalniveau abgesenkt.

Im Völkermarkter Stausee wurde mit der Absenkung der technisch mögliche Maximalwert erreicht. Nachdem große Flächen des Stausees derzeit freiliegen, wurde vonseiten des Verbunds eindringlich vor einem Betreten gewarnt: „Obwohl mit dem Eintreffen der Hochwasserwelle erst in den Nachtstunden zu rechnen ist, kann sich der Wasserstand im flachen Uferbereich aufgrund der Wasserführung der Drau in kürzester Zeit erhöhen“, warnte Zechner.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

An der Gurk und Glan wurden laut Landesrat Fellner am Samstag mobile Hochwasserschutzmaßnahmen aufgebaut. An kleineren Gewässern in den Bezirken Feldkirchen, Villach, St. Veit und Klagenfurt-Land könnten nach wie vor lokal kleinräumig Überflutungen auftreten.

Nachdem die Nacht in Osttirol weitgehend ruhig verlaufen war, führten die anhaltenden Schneefälle am Sonntag wieder vermehrt zu Problemen. Rund 2.000 Haushalte waren Sonntagmittag ohne Stromversorgung. Die schweren Niederschläge würden laufend zu Baumstürzen und Seilrissen führen, hieß es seitens der Tinetz-Stromnetz Tirol AG. Der Stromversorger sprach von einer Situation, „wie wir sie noch nie hatten“. Die Bildungsdirektion Tirol empfahl allen Schulleitern, auch am Montag die Schulen in Osttirol noch geschlossen zu halten.

Im Ortsteil Bobojach von Prägraten in Osttirol kam es Sonntagmittag zu einem Lawinenabgang. „Es wurde niemand verletzt“, teilte Bezirkshauptfrau Olga Reisner mit. Die 70 Bewohner von Bobojach seien als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend im Gemeindezentrum untergebracht worden.

Aus Sicherheitsgründen mussten auch am Sonntag noch zahlreiche Straßen gesperrt bleiben, darunter etwa die Felbertauernstraße, die Gailtalstraße (B111), die Defereggentalstraße (L25) und die Kalser Straße (L26). Auch am Sonntag herrschte Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala. „Der Aufenthalt abseits gesicherter Pisten ist demnach unbedingt zu vermeiden“, betonte Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol.

Im Südtiroler Martelltal ging am Sonntag eine Lawine in ein Dorf ab. Laut Medienberichten wurden dabei mehrere Häuser beschädigt, verletzt wurde aber niemand. Zudem war bei Mauls eine Hochspannungsleitung auf die Brennerautobahn, die Eisenbahngleise und die Staatsstraße gestürzt. Jeglicher Verkehr zwischen Brixen und Sterzing war damit unterbrochen. Auch in Südtirol waren zahlreiche Straßen gesperrt und rund 12.500 Haushalte ohne Strom. Das Mobilfunknetz war ebenfalls teilweise ausgefallen.

Die starken Niederschläge bereiteten auch im Bundesland Salzburg weiter Probleme. Besonders betroffen waren die südlichen Landesteile. In Taxenbach, Bruck, Fusch und Rauris seien rund 200 Personen ohne Straßenverbindung, 13 Gebäude wurden im Pinzgau vorsorglich evakuiert, teilte der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz mit.

Im Bereich der Tauern erwarteten die Meteorologen innerhalb von 24 Stunden 90 Millimeter Niederschlag. Dazu herrschte starker Südföhn. Die ansteigende Schneefallgrenze verringerte zwar die Gefahr umstürzender Bäume, gleichzeitig erhöhte sich aber die Gefahr, dass es durch den anhaltenden Regen zu lokalen Überflutungen kommt. In Zell am See drohte beispielsweise der Thumersbach über die Ufer zu treten, die Thumersbacher Landesstraße war gesperrt. Die Lawinengefahr in den Hohen Tauern war groß, in den Niederen Tauern und in den Lungauer Nockbergen erheblich.

Der Katastrophenschutz des Landes empfahl, in den betroffenen Gebieten nicht notwendige Autofahren zu vermeiden und die Gefahr von Dachlawinen zu beachten.




Kommentieren