Letztes Update am So, 17.11.2019 15:47

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hohe Niederschläge und Wetterwarnungen im Süden und Westen



Die starken Niederschläge am Sonntag haben in Oberkärnten und in Osttirol für erhebliche Probleme gesorgt. Es kam zu mehreren Lawinenabgängen. Auch Teile des südlichen Salzburgs sowie Nordtirols wurden von Regen und Schnee heimgesucht. Laut den Meteorologen gibt es weiterhin Wetterwarnungen. Positive Nachrichten gab es für Lavamünd, die Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen als vorhergesagt.

Die Prognosen für Lavamünd (Bezirk Wolfsberg) haben sich verbessert, teilte der Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ) mit. Mit einer maximalen Absenkung der Staubecken versuchte man, so viel Wasser wie möglich vorab abzufangen. Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen, als befürchtet. „Es ist jetzt von einem zehn- bis 30-jährigen Hochwasser auszugehen“, konkretisierte der Kärntner Katastrophenschutzbeauftragte Markus Hudobnik gegenüber der APA.

Große Mengen des angekündigte Wassers sollen in den zuvor großzügig abgesenkten Stauseen abgefangen werden. So wurde laut Verbund - der entlang der Drau zehn Kraftwerke betreibt - in den vergangenen 24 Stunden der größte Stausee an der Drau, der Völkermarkter Stausee, bis Samstagmittag um 4,5 Meter unter das Normalniveau abgesenkt. „Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle soll im entleerten Stausee aufgefangen werden“, sagte Verbund-Sprecher Robert Zechner. Bereits am Freitag habe man auch die Pegel bei den Stauseen Rosegg/St.Jakob und Feistritz-Ludmannsdorf 2,5 Meter unter das Normalniveau abgesenkt.

An der Gurk und Glan wurden laut Landesrat Fellner am Samstag mobile Hochwasserschutzmaßnahmen aufgebaut. An kleineren Gewässern in den Bezirken Feldkirchen, Villach, St. Veit und Klagenfurt-Land könnten nach wie vor lokal kleinräumig Überflutungen auftreten.

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Durch massive Neuschneemengen in Oberkärnten kam es in den Tälern rund um Mallnitz (Bezirk Spittal/Drau) zu mehreren Lawinenabgängen. Aufgrund der extremen Lawinengefahr und der Gefahr von durch Schneelast umstürzenden Bäumen wurden das Seebachtal, Tauerntal und Dösental gesperrt und die Bevölkerung aufgerufen, zu Hause zu bleiben, teilte die Landespolizeidirektion Kärnten mit.

In der Gemeinde Krems im Liesertal rutschte oberhalb der Katschberg Bundesstraße (B99) ein Hang ab. Zwar blieb das meiste Material in den Sicherungsgittern hängen, da weitere Abrutschungen befürchtet wurden, wurde laut Polizei eine Sperre der Straße zwischen Kremsbrücke und Leoben veranlasst. Eine weitere Sperre gab es zwischen Lieserbrücke und Trebesing.

Laut ÖAMTC waren von umgestürzten Bäumen, Muren- und Lawinenabgängen nach wie vor auch die Straßen durch das Mölltal und Lesachtal betroffen: Gesperrt waren u.a die Kleinkirchheimer Straße (B88) zwischen Bad Kleinkirchheim und Radenthein, die Großglockner Straße zwischen Heiligenblut - Glocknerstraße, Döllach, zur Landesgrenze Kärnten/ Osttirol und Winklern sowie die Nassfeld Straße (B90) zur Staatsgrenze Nassfeld und die B111, Gailtal Straße von Kötschach in Richtung Osttirol. Eine Entspannung der Situation war nicht in Sicht. Es bestand höchste Warnstufe für weitere Unwetter.

Nachdem die Nacht in Osttirol weitgehend ruhig verlaufen war, führten die anhaltenden Schneefälle am Sonntag wieder vermehrt zu Problemen. Rund 2.000 Haushalte waren Sonntagmittag ohne Stromversorgung. Die schweren Niederschläge würden laufend zu Baumstürzen und Seilrissen führen, hieß es seitens der Tinetz-Stromnetz Tirol AG. Der Stromversorger sprach von einer Situation, „wie wir sie noch nie hatten“. Die Bildungsdirektion Tirol empfahl allen Schulleitern, auch am Montag die Schulen in Osttirol noch geschlossen zu halten.

Im Ortsteil Bobojach von Prägraten in Osttirol kam es Sonntagmittag zu einem Lawinenabgang. „Es wurde niemand verletzt“, teilte Bezirkshauptfrau Olga Reisner mit. Die 70 Bewohner von Bobojach seien als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend im Gemeindezentrum untergebracht worden.

Aus Sicherheitsgründen mussten auch am Sonntag noch zahlreiche Straßen gesperrt bleiben, darunter etwa die Felbertauernstraße, die Gailtalstraße (B111), die Defereggentalstraße (L25) und die Kalser Straße (L26). Auch am Sonntag herrschte Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala. „Der Aufenthalt abseits gesicherter Pisten ist demnach unbedingt zu vermeiden“, betonte Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol.

Eine Lawine ist indes am Sonntagnachmittag rund vier Kilometer vor der Talstation des Stubaier Gletschers auf die Straße abgegangen und hat dabei ein talauswärts fahrendes Fahrzeug erfasst. Alle sechs Insassen konnten sich selbstständig aus dem Auto befreien und blieben unverletzt, berichteten die Bergbahnen. Ein Ausläufer des Lawinenkegels hatte das Fahrzeug neben die Straße geschoben.

Das Skigebiet Stubaier Gletscher war aufgrund der Wetterlage bereits gegen Mittag geschlossen worden. Gäste, die sich noch innerhalb der vorerst nicht passierbaren Stelle befanden, wurden informiert und versorgt. Rund 50 Fahrzeuge befanden sich noch entlang der Straße.

Im Südtiroler Martelltal ging am Sonntag eine Lawine in ein Dorf ab. Laut Medienberichten wurden dabei mehrere Häuser beschädigt, verletzt wurde aber niemand. Zudem war bei Mauls eine Hochspannungsleitung auf die Brennerautobahn, die Eisenbahngleise und die Staatsstraße gestürzt. Jeglicher Verkehr zwischen Brixen und Sterzing war damit unterbrochen. Auch in Südtirol waren zahlreiche Straßen gesperrt und rund 12.500 Haushalte ohne Strom. Das Mobilfunknetz war ebenfalls teilweise ausgefallen.

Die starken Niederschläge bereiteten auch im Bundesland Salzburg weiter Probleme. Besonders betroffen waren die südlichen Landesteile. In Taxenbach, Bruck, Fusch und Rauris seien rund 200 Personen ohne Straßenverbindung, 13 Gebäude wurden im Pinzgau vorsorglich evakuiert, teilte der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz mit.

Im Bereich der Tauern erwarteten die Meteorologen innerhalb von 24 Stunden 90 Millimeter Niederschlag. In Zell am See drohte der Thumersbach über die Ufer zu treten, die Thumersbacher Landesstraße war gesperrt. Die Lawinengefahr in den Hohen Tauern war groß, in den Niederen Tauern und in den Lungauer Nockbergen erheblich.Der Katastrophenschutz des Landes empfahl, in den betroffenen Gebieten nicht notwendige Autofahren zu vermeiden und die Gefahr von Dachlawinen zu beachten.




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