Letztes Update am So, 17.11.2019 17:10

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Regen- und Schneemassen im Süden und Westen Österreichs



Die starken Niederschläge am Sonntag haben in Oberkärnten und in Osttirol für erhebliche Probleme gesorgt. Es kam zu mehreren Lawinenabgängen. Auch Teile des südlichen Salzburgs sowie Nordtirols wurden von Regen und Schnee heimgesucht. Laut den Meteorologen gibt es weiterhin Wetterwarnungen. Positive Nachrichten gab es für Lavamünd, die Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen als vorhergesagt.

Die Prognosen für Lavamünd (Bezirk Wolfsberg) haben sich verbessert, teilte der Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ) mit. Mit einer maximalen Absenkung der Staubecken versuchte man, so viel Wasser wie möglich vorab abzufangen. Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen, als befürchtet. „Es ist jetzt von einem zehn- bis 30-jährigen Hochwasser auszugehen“, konkretisierte der Kärntner Katastrophenschutzbeauftragte Markus Hudobnik gegenüber der APA.

Große Mengen des angekündigte Wassers sollen in den zuvor großzügig abgesenkten Stauseen abgefangen werden. So wurde laut Verbund - der entlang der Drau zehn Kraftwerke betreibt - in den vergangenen 24 Stunden der größte Stausee an der Drau, der Völkermarkter Stausee, bis Samstagmittag um 4,5 Meter unter das Normalniveau abgesenkt. An der Gurk und Glan wurden laut Landesrat Fellner am Samstag mobile Hochwasserschutzmaßnahmen aufgebaut. An kleineren Gewässern in den Bezirken Feldkirchen, Villach, St. Veit und Klagenfurt-Land könnten nach wie vor lokal kleinräumig Überflutungen auftreten.

Durch massive Neuschneemengen in Oberkärnten kam es in den Tälern rund um Mallnitz (Bezirk Spittal/Drau) zu mehreren Lawinenabgängen. Aufgrund der extremen Lawinengefahr und der Gefahr von durch Schneelast umstürzenden Bäumen wurden das Seebachtal, Tauerntal und Dösental gesperrt und die Bevölkerung aufgerufen, zu Hause zu bleiben, teilte die Landespolizeidirektion Kärnten mit.

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In der Gemeinde Krems im Liesertal rutschte oberhalb der Katschberg Bundesstraße (B99) ein Hang ab. Zwar blieb das meiste Material in den Sicherungsgittern hängen, da weitere Abrutschungen befürchtet wurden, wurde laut Polizei eine Sperre der Straße zwischen Kremsbrücke und Leoben veranlasst. Eine weitere Sperre gab es zwischen Lieserbrücke und Trebesing.

Laut ÖAMTC waren von umgestürzten Bäumen, Muren- und Lawinenabgängen nach wie vor auch die Straßen durch das Mölltal und Lesachtal betroffen: Gesperrt waren u.a die Kleinkirchheimer Straße (B88) zwischen Bad Kleinkirchheim und Radenthein, die Großglockner Straße zwischen Heiligenblut - Glocknerstraße, Döllach, zur Landesgrenze Kärnten/ Osttirol und Winklern sowie die Nassfeld Straße (B90) zur Staatsgrenze Nassfeld und die B111, Gailtal Straße von Kötschach in Richtung Osttirol. Eine Entspannung der Situation war nicht in Sicht. Es bestand höchste Warnstufe für weitere Unwetter. Sämtliche Schulen im Bezirk Spittal/Drau sowie ein Bildungszentrum im Bezirk Hermagor werden am Montag geschlossen bleiben.

Nachdem die Nacht in Osttirol weitgehend ruhig verlaufen war, führten die anhaltenden Schneefälle am Sonntag wieder vermehrt zu Problemen. Rund 2.000 Haushalte waren Sonntagmittag ohne Strom. Die Tinetz-Stromnetz Tirol AG sprach von einer Situation, „wie wir sie noch nie hatten“. Die Bildungsdirektion Tirol empfahl allen Schulleitern, auch am Montag die Schulen in Osttirol noch geschlossen zu halten.

Im Ortsteil Bobojach von Prägraten in Osttirol kam es Sonntagmittag zu einem Lawinenabgang. „Es wurde niemand verletzt“, teilte Bezirkshauptfrau Olga Reisner mit. Die 70 Bewohner von Bobojach seien als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend im Gemeindezentrum untergebracht worden.

Aus Sicherheitsgründen mussten auch am Sonntag noch zahlreiche Straßen gesperrt bleiben, darunter etwa die Felbertauernstraße, die Gailtalstraße (B111), die Defereggentalstraße (L25) und die Kalser Straße (L26). Auch am Sonntag herrschte Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala. „Der Aufenthalt abseits gesicherter Pisten ist demnach unbedingt zu vermeiden“, betonte Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol.

Eine Lawine ist indes am Sonntagnachmittag rund vier Kilometer vor der Talstation des Stubaier Gletschers auf die Straße abgegangen und hat dabei ein talauswärts fahrendes Fahrzeug erfasst. Alle sechs Insassen konnten sich selbstständig aus dem Auto befreien und blieben unverletzt, berichteten die Bergbahnen. Ein Ausläufer des Lawinenkegels hatte das Fahrzeug neben die Straße geschoben.

Das Skigebiet Stubaier Gletscher war aufgrund der Wetterlage bereits gegen Mittag geschlossen worden. Gäste, die sich noch innerhalb der vorerst nicht passierbaren Stelle befanden, wurden informiert und versorgt. Rund 50 Fahrzeuge befanden sich noch entlang der Straße.

Die starken Niederschläge bereiteten auch im Bundesland Salzburg weiter Probleme. „Es kommen immer mehr kleinräumige Vermurungen und Überflutungen dazu“, sagte der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz zur APA. Besonders stark betroffen waren Zell am See, Bruck und Taxenbach. Im Pinzgau wurden 23 Gebäude vorsorglich evakuiert, berichtete Gratz.

Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden. So war die B311 zwischen Taxenbach und Gries sowie bei Schwarzach nicht passierbar, die Stadtdurchfahrt von Zell am See war nach einem Hangrutsch gesperrt. Die Embacher Landesstraße bei Rauris ist unterspült worden und musste gesichert werden. Auch viele Zufahrtsstraßen zu Häusern waren von Muren und Überflutungen betroffen, rund 200 Personen seien dadurch nicht erreichbar.

„Keine Entspannung“, hieß es am Nachmittag beim Landesfeuerwehrkommando Salzburg. Im Pinzgau seien fast alle Kräfte ausgerückt, auch im Pongau und im Lungau gebe es viele Einsätze wegen Hochwasser, Erdrutschen und Muren, teilte die Feuerwehr mit. Besonders betroffen waren das Großarltal und der Bereich Schwarzach.

Im obersteirischen Bezirk Murau sind derweil in Stadl an der Mur am Sonntagnachmittag mehrere Wohnhäuser vorsorglich evakuiert worden. Es drohte ein Hangrutsch, teilte der steirische Katastrophenschutzreferent, LH-Stv. Michael Schickhofer (SPÖ) mit. Betroffen waren 30 Personen. Der Hang im Ortsteil Predlitz sei durch die Niederschläge der vergangenen Tage und Stunden instabil geworden. Anrainer hätten bemerkt, dass Teile des Hangs zu rutschen beginnen. Daher habe man die Evakuierung der Häuser vorsorglich veranlasst, hieß es aus dem Büro des Katastrophenschutzreferenten.




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