Letztes Update am Mo, 18.11.2019 06:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thiem bilanzierte gut nach „nicht ganz einfacher Woche“



Für Österreichs Tennis-Star endete seine Traum-Woche in der Londoner O2-Arena am Sonntag mit einem Dämpfer. Denn nicht Dominic Thiem, sondern der fünf Jahre jüngere Stefanos Tsitsipas tanzte am Ende den Sirtaki des Siegers. Der 26-jährige Niederösterreicher musste auch in seinem dritten großen Finale nach den zwei vergangenen French Open den Platz als Verlierer verlassen. Aber erhobenen Hauptes.

Mit zwei Siegen über Roger Federer und besonders einem „Klassiker“ gegen Novak Djokovic hatte sich Thiem vorzeitig, und als erster Österreicher überhaupt, ins Halbfinale der ATP Finals gespielt. In diesem schaltete der Schützling von Nicolas Massu auch noch Titelverteidiger Alexander Zverev (GER) aus. Doch für den nächsten jungen Wilden, der sich anschickt, die Wachablöse der Alten anzuzetteln, fehlte am Ende vielleicht auch das Quäntchen Glück.

Der 50. Sieg in seiner bisher erfolgreichsten Saison mit Turnier-Titeln in Indian Wells, Barcelona, Kitzbühel, Peking und Wien blieb Thiem ebenso versagt wie der Triumph beim fünftgrößten Tennis-Event der Welt.

Für den parteiischen Zuseher vielleicht enttäuschend war der rasch verlorene zweite Satz im Finale gegen Tsitsipas nach gewonnenem ersten Durchgang. „Es war ein sehr intensiver erster Satz. Ich habe im Tiebreak alles gegeben und komplett auf der Erfolgswelle“, meinte Thiem. Doch nach der Pause sei sein Auftaktgame als Aufschläger einfach unglücklich verlaufen. „Dann steht es 0:1 und es ist eigentlich ein Schlag in die Fresse, weil im ganzen ersten Satz gibt es kein Break, ich gewinne den Satz und bin richtig glücklich damit und dann war ich ein bisserl down, weil das ganze gute Gefühl weg war.“

Besonders bemerkenswert war Thiems Rückblick auf die „nicht ganz einfache“ Turnierwoche wegen seiner doch starken Verkühlung. „Es war jedes Match eine Überwindung, weil ich schon relativ energielos war von Zeit zu Zeit.“ Kurios: Besonders am Abend eines seiner größten Siege, dem Drei-Satz-Thriller über Novak Djokovic, ist es ihm beim Aufwachen schlecht gegangen. „Am Dienstag in der Früh als ich aufgestanden bin, war ich eigentlich sicher, dass ich am Mittwoch daheim bin, weil es mir echt dreckig gegangen ist. Und dann spiele ich am Dienstagabend das unglaubliche Match und dann noch echt gute drei oder vier weitere Matches. Für mich war es sehr wichtig zu sehen, für die Zukunft, dass es so geht.“

Dass es nun kein Happy End gegeben hat, wird Thiem schnell wegstecken. „Ich bin im Finale eines der größten Turniere gestanden und habe 6:7 im dritten verloren. Das Match hätte ich genauso gewinnen können. Das war jetzt nicht so wie die zwei French-Open-Finali, wo ich sehr weit weg war vom Sieg. Ein paar Zentimeter hier und da und ich wäre jetzt der Sieger.“ Natürlich ist der Ausgang für den 16-fachen Turniersieger „eine Riesenenttäuschung“, aber „das Wichtigste ist für mich einfach die Entwicklung in meinem Spiel. Somit gehe ich auch mit einem sehr guten Gefühl in die Saisonvorbereitung.“

Eine ganz schnelle Antwort auf seinen sportlichen Höhepunkt 2019 beantwortete Thiem patriotisch: „Es war Wien. Es war absolut unfassbar, war emotional ein Wahnsinn. Es war sehr stark besetzt. Es war ein Traum für mich und ich würde auch dieses österreichische Double nicht eintauschen für den Titel da.“




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