Letztes Update am Mi, 20.11.2019 16:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Netanyahu verteidigt israelische Luftangriffe auf Syrien



Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben am Mittwoch Dutzende Ziele in Syrien angegriffen. Es habe sich um einen Vergeltungseinsatz für Raketenangriffe auf Israel am Dienstag gehandelt. „Ich habe sehr klar gemacht, dass wir jedem wehtun werden, der uns wehtut“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Russland indes kritisierte die israelischen Luftangriffe scharf.

Die Angriffe in der Nacht hätten der iranischen Al-Quds-Elitetruppe und dem syrischen Militär gegolten, nachdem „eine Flut von Raketen“ auf Israel abgefeuert worden sei. Israelische Raketen töteten bei Angriffen in der Nacht auf Mittwoch mindestens 24 Menschen. Israel will damit den militärischen Einfluss des Iran in dem Bürgerkriegsland zurückdrängen. Die Syrische Beobachtungsstelle meldete am Mittwoch, es seien fünf Soldaten der syrischen Armee und 16 Kämpfer regierungstreuer Milizen getötet worden.

Aus Kreisen syrischer Gesundheitseinrichtungen hieß es zudem, es seien im Umland südwestlich der Hauptstadt Damaskus drei Zivilisten getötet worden. Syrische Armeekreise meldeten, auch sechs Militärangehörige seien ums Leben gekommen.

Der Syrien-Verbündete Russland bezeichnete Israels Vorgehen als falsch. Moskau habe deswegen seine Alliierten kontaktiert, zitierte die Agentur Interfax Vize-Außenminister Michail Bogdanow. Der Einsatz auf dem Gebiet eines souveränen Landes verstoße gegen das Völkerrecht, sagte Bogdanow am Mittwoch in Moskau. Damit drohe die Lage zu eskalieren.

Russland kritisierte zugleich die Kehrtwende der USA bei der Bewertung der Siedlungspolitik Israels. „Dies widerspricht grundsätzlich internationalen Entscheidungen“, sagte Bogdanow. Dies stehe nicht im Einklang mit dem Völkerrecht und Entscheidungen des UN-Sicherheitsrates. US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Montag verkündet, dass die USA den israelischen Siedlungsbau im Westjordanland nicht mehr kategorisch als völkerrechtswidrig betrachten.

Israelische Kampfjets griffen nach Angaben von Militärsprecher Avichay Adraee unter anderem Munitionslager, Militärstützpunkte und Raketenstellungen an. Nach syrischen Angaben wurden die meisten über Damaskus abgefeuerten Raketen von der Luftabwehr zerstört, bevor sie ihre Ziele treffen konnten.

Das israelische Militär teilte mit, es habe am Dienstag vier aus Syrien kommende Raketen abgefangen. Oberstleutnant Adraee machte für die Raketenangriffe auf Israel den Iran verantwortlich. Der Angriff sei der beste Beweis dafür, was der Iran wirklich in Syrien beabsichtige. „Die iranische Position stellt eine Bedrohung für Israels Sicherheit, die Stabilität der Region und das syrische Regime dar“, schrieb Adraee auf Twitter.

Der Iran ist neben Russland der wichtigste Verbündete der syrischen Führung, die seit mehr als acht Jahren versucht, einen Aufstand gegen Präsident Bashar al-Assad niederzuschlagen. Israel will verhindern, dass der Iran eine permanente militärische Präsenz in Syrien aufbaut. Es hat deswegen nach eigenen Angaben bereits Hunderte Angriffe in Syrien geflogen. Ins Visier wurden dabei oft auch Waffenlieferungen an die vom Iran unterstützte libanesische Hisbollah-Miliz genommen.




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