Letztes Update am Fr, 22.11.2019 11:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neuer Versuch für Felsräumarbeiten in Feld am See



Auch am Freitag sind nach dem Unwetter vom Wochenende die Aufräumarbeiten in Kärnten weitergegangen. Neben Stall im Mölltal und Stockenboi war das Bundesheer in Feld am See im Einsatz, wo ein loser Felsbrocken eine Siedlung bedroht. In Kleinglödnitz (Bezirk St. Veit an der Glan) hat sich die Hochwasser führende Gurk ein neues Bachbett gegraben.

Während die Aufräumarbeiten in Oberkärnten weitergehen, sieht man sich in Kleinglödnitz mit einem neuen Problem konfrontiert. Die Gurk hat sich ein neues Bachbett gegraben - es ist 300 Meter lang, zwei Meter tief und 40 Meter breit. Laut Katastrophenschutz-Referent Horst Maier muss der Fluss so schnell wie möglich wieder in sein altes Bachbett zurückgeführt werden: „Die Schäden, die sonst entstehen können, wären enorm.“ Die Arbeiten werden hier von Treibholz erschwert, das der Fluss mit sich geführt hat.

In Anbetracht der massiven Schäden hat die Caritas Kärnten eine Hochwasserhilfe ins Leben gerufen: „Gerade vor dem Winter ist rasche Hilfe notwendig. Wir wollen jenen unter die Arme greifen, die durch das Hochwasser besonders betroffen sind“, sagte Bereichs- und Krisenstabsleiter Christian Eile. Der Katastrophenfonds der Caritas für besondere Härtefälle in Kärnten müsse dringend gefüllt werden.

Weiterhin geschlossen blieben die Volksschulen Heiligenblut, Stall und Flattach. Wie das Land Kärnten mitteilte, seien auch jene Schüler entschuldigt, für die der Schulweg zu gefährlich ist.

Unterdessen wurde die ÖBB-Tauernschleuse zwischen Mallnitz in Kärnten und Böckstein in Salzburg wieder in Betrieb genommen. Noch länger gesperrt bleiben wird die Fernverkehrsstrecke zwischen Spittal-Millstättersee und Bad Hofgastein, wie es von den ÖBB heißt, bleibt die Sperre noch bis nächste Woche Freitag, den 29. November, aufrecht. Für Fernverkehrszüge ist ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Auch in Salzburg entspannte sich die Situation. „Alle Orte im Land sind wieder erreichbar“, sagte Franz Wieser vom Landes-Medienzentrum zur APA. „Alle zentralen Verkehrsverbindungen sind wieder offen.“ Die Sperre der Pinzgauer Straße B311 zwischen Schwarzach und Lend ist seit Donnerstagnachmittag aufgehoben.

Die Aufräumarbeiten im Pinzgau, Pongau und Lungau waren auch am Freitag voll im Gang. Die Gefahr von Murenabgängen konnte noch nicht überall gebannt werden. Noch länger gesperrt bleibt die Gasteiner Straße B167 zwischen Bad Hofgastein und Bad Gastein. Es gibt eine lokale Umleitung über Bad Bruck. In Bad Hofgastein wird im Ortsteil Felding ein Schutzdamm errichtet, um vier Häuser vor drohenden Muren zu schützen. Der Assistenzeinsatz des Bundesheers wurde bis Dienstag verlängert.

Im Lungau sind alle Straßen offen, im Pinzgau sind noch einige nicht befahrbar, darunter die Felbertauernstraße von Mittersill nach Osttirol. Die Sperre der Embacher Landesstraße L266 wird noch zwei bis drei Wochen aufrecht bleiben, informierte Stefan Oberaigner von der Straßenmeisterei Pinzgau. Gesperrt waren auch noch die Hochkönig Bundestraße (B164) zwischen Maria Alm und Hinterthal und die Thumersbacherstraße (L247) im Ortsteil Thumersbach. „Es wird daran gearbeitet, dass die L247 heute am Abend wieder geöffnet werden kann“, sagte Wieser.

Im Gasteinertal dürfen die Bewohner von 24 Häusern und in Großarl die Bewohner von drei Häusern auch am Wochenende noch nicht in ihre Räumlichkeiten zurückkehren. In Zell am See sind sechs Häuser im Ortsteil Thumersbach wegen Murengefahr weiterhin nicht bewohnbar. Auch hier soll der Assistenzeinsatz des Bundesheers verlängert werden. „Alles was wir an schwerem Gerät haben, ist im Einsatz“, schilderte Pinzgaus Katastrophenschutzreferent Manfred Pongruber.

Auch wenn sich die Gefahr von Erdrutschen etwas entspannt hat, blicken die Einsatzkräfte besorgt auf das Wochenende. Der prognostizierte Föhnsturm und höhere Temperaturen könnten eine neue Herausforderung werden. „Aufgrund der föhnbedingten Schneeschmelze wird mehr Wasser in den Boden einsickern. Die Hänge werden sich dadurch langsamer stabilisieren“, sagte Landesgeologe Gerald Valentin.

Einzelne Hänge werden daher noch einige Tage in Bewegung sein. Die größte Gefahr soll aber überstanden sein. Instabile Hänge werden jetzt entwässert und Häuser durch Schutzbauten gesichert. Ersten Schätzungen zufolge soll das Unwetter in Salzburg einen Schaden von mindestens sechs Millionen Euro angerichtet haben. Das Land stellt zwei Millionen Euro als Soforthilfe aus dem Katastrophenfonds zur Gefahrenabwehr bereit.




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