Letztes Update am Sa, 23.11.2019 14:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bunter Rummel auf der ComicCon in Wien



Superhelden, Charaktere aus „Star Wars“ und aus Videogames sowie sonstige schrille Figuren haben am Samstag die zweitägige ComicCon in Wien bevölkert. „Man entflieht der Realität und lebt für ein Wochenende in einer Rolle“, beschrieb Besucherin Sammi die Faszination, an so einem Event teilzunehmen und sich dafür zu verkleiden. Stars wie Comics-Zeichner Jim Balent und Frank Miller gaben Autogramme.

Sammi ist mit drei Freundinnen aus Ungarn angereist und hat sich in eine Figur aus ihrem Lieblingsspiel „Nier Automata“ verwandelt. An einem Stand ums Eck in der Messe Wien posierten Helden aus dem Marvel-Universum - wie Spider-Man und Captain America. Zu der vor fünf Jahren gegründeten Gruppe gehört auch Annika aus Deutschland, die als weiblicher Thor Fotowünsche erfüllte: „Wir mögen die Comics und Filme, tragen aber auch die Kostüme gerne. Zusammen macht das mehr Spaß“, sagte sie zur APA. Dass sich das Frauenbild in Comics und -verfilmungen geändert hat, begrüßt sie: „Es gibt ja schon länger weibliche Superhelden. Nur waren die früher sehr sexualisiert, weil die Zielgruppe eine andere war. Jetzt geht alles mehr in den Mainstream, darum sind die Superheldinnen jetzt ein bisschen angezogener und selbstbewusster.“

Jim Balent aus Pennsylvania hat rund zehn Jahre die Serie „Catwoman“ gezeichnet und den Charakter aus „Batman“ neu erfunden und geprägt. „Ich hielt Catwoman immer schon für den sexiest und gleichzeitig gefährlichsten Charakter im Comic-Universum“, erzählte der Amerikaner im Interview. „Als ich gefragt wurde, Catwoman neu zu designen, war ich mehr als happy. Die Vorgabe war, sie nicht wie Michelle Pfeiffer im Batman-Film aussehen zu lassen. Ich habe also eine sexy Frau mit Rundungen gezeichnet, die aber auch sehr wild und stark ist.“

Auf den Geschmack sei er sehr früh gekommen, betonte Balent. „Mit fünf Jahren habe ich meine ersten Comics selbst gezeichnet, Spiderman im Fernsehen und die alte Batman-Serie angeschaut und mich in das Genre verliebt.“ Seit 20 Jahren bringt Balent mit seiner Frau Holly Golightly, selbst Comic-Künstlerin, im Eigenverlag die Serie „Tarot: Witch of the Black Rose“ heraus. Darin wimmelt es nicht nur vor Hexen, auch der Krampus kommt regelmäßig zu Besuch. „Ich liebe den Krampus! Ich wollte in Wien den Krampus sehen, aber nun haben mir die Leute erzählt, dass die Krampusläufe am Land und nicht in der Stadt stattfinden. Sehr schade“, machte Balent ein enttäuschtes Gesicht.

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Balents Frauenfiguren in seinen Serien sind stark, aber auch sehr freizügig. Dass er damit gegen den Trend schwimmt, ist dem Künstler klar. Aber er betonte: „Ja, es gibt viel nackte Haut in ‚Tarot‘. Aber es ist eben eine Geschichte über Hexen und die haben kein Problem mit Nacktheit.“ Ehefrau Golightly - „mit jüdisch-österreichischen Wurzeln“, wie sie berichtete - bezeichnete sich übrigens selbst als „hochfunktionale Hexe“: „Seit meinem achten Lebensjahr lege ich Tarot-Karten.“ Früher war die 55-Jährige in der Modeindustrie tätig und „dort gar nicht glücklich. Dann fiel mir ein, wie viel Freude mir Comics als Kind bereitet haben. Also habe ich mit 30 umgesattelt.“

Begehrt waren die Autogramme von Superstar Frank Miller („Sin City“). „Will Eisner, Jack Kirby, Stan Lee und viele Filme aus unterschiedlichsten Genres“ hätten ihn beeinflusst, sagte er in einem APA-Gespräch. Miller zeigte sich fest davon überzeugt, dass klassische Comics über die Jahre nicht an Bedeutung verloren haben: „Sie sind heute kulturell viel akzeptierter und besser vertrieben. Und Comics entwickeln sich ständig weiter.“

Der deutsche Comic-Zeichner Markus Witzel alias Mawil ist durch „Asterix“ und „Lucky Luke“ zum Fach gekommen. Letzteren durfte er mit der Hommage „Lucky Luke sattelt um“ würdigen. „Es war eine große Ehre. Ich habe Stolz, aber auch Verantwortung empfunden. Für mich war Lucky Luke immer das riesen Ding. Ich habe das Heft dann so gemacht, wie ich Lucky Luke als Kind gerne gelesen hätte - mit lustigen Sachen und Action, aber auch mit meinem eigenen Zeichenstil“, verriet Mawil.

Während Besucher um Autogramme von Entertainment-Stars wie Sean Astin („Herr der Ringe“) oder Chris Klein („Flash“, „American Pie“) anstanden - und ordentlich Geld hinblätterten-, präsentierte sich die „501. Legion Austria“ in selbst gebastelten Star-Wars-Outfits. Die Mitglieder stellen ihr Hobby in den Dienst der Kinderkrebshilfe, wie auch Irene aus Wien, die Star-Wars-Puppen strickt. „Ich habe keine Vorlage, nur ein Foto. Das sind alles Unikate“, sagte sie. „Es gibt natürlich Herausforderungen, vor allem Helme sind schwierig zu stricken. Für die großen Puppen benötige ich rund zwei Wochen. Alles muss pflegeleicht und im Wollprogramm waschbar sein.“ Manche Details würden ihr viel Kreativität abverlangen, etwa die Hörner des Bösewichts Darth Maul: „Die habe ich auch gestrickt, denn Plastik soll vermieden werden.“

Eine riesen Schlange bildetet sich vor dem Stand der YouTuberin und Cosplayerin Anni the Duck, die gratis posierte und ihren Namen auf Autogrammkarten setzte. „Es ist verrückt, zu einer Messe zu gehen, sich an einen Tisch zu setzen - und die Leute wollen dein Autogramm haben. Das ist total surreal und megaschön“, lachte die Deutsche, auf den Andrang angesprochen. Auf die Frage, ob YouTuber die neuen Hollywood-Stars seien, meinte sie bescheiden: „Na, man soll nicht übertreiben.“ Der Unterschied zwischen Leinwandstars und YouTubern sei leicht erklärt: „Bei einem Schauspieler sieht man die Rolle, die er spielt. Bei YouTuber sieht man deren Persönlichkeit. Das sind Leute wie du und ich, wie entfernte Brieffreunde.“

Längst einen Namen in der Cosplay-Szene hat sich Danny McFly gemacht, der sich auf der ComicCon als Figur aus „Dragon Ball Z“ präsentierte. „Als seinerzeit ‚Iron Man‘ im Kino lief, dachte ich, es wäre cool, so ein Kostüm zu haben. Ich habe also im Internet recherchiert und mir dieses Kostüm gebaut, um es in meine Wohnung zu stellen. Zwei Jahre später nahm mich ein Freund auf eine Convention mit. Ich dachte, dass ich da eigentlich mein Kostüm anziehen könnte. So hat das angefangen“, schilderte der Österreicher. Spezialisiert hat er sich auf Muskeln („Musclesuits“) und Rüstungen: „Ich arbeite hauptsächlich mit Schaumstoff wegen der Flexibilität und wegen des geringen Gewichtes. Er lässt sich auch gut verarbeiten und ist nicht teuer“, erklärte McFly. So mancher Fan ging nicht nur mit Unterschriften, Merchandise-Artikeln und Autogrammen nach Hause, sondern eben auch mit gutem Rat.




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