Letztes Update am So, 24.11.2019 20:14

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nestroy-Preise: Erste Auszeichnungen an Voigt, Öhrn, Kreisky



Im Theater an der Wien hat am Abend die 20. Verleihung der Nestroy-Preise begonnen. Maria Köstlinger, Florian Teichtmeister und ORF-III-Moderator Peter Fässlacher führen nach einem Skript von Nicolaus Hagg durch die Gala, die von ORF III ab 20.15 Uhr live-zeitversetzt übertragen wird.

Die Moderatoren erinnerten eingangs daran, dass im ersten Jahr der Nestroy-Preise vor 20 Jahren mit Volkstheater-Direktorin Emmy Werner Wien eine einzige Theaterdirektorin hatte, und nun mit Volkstheater-Direktorin Anna Badora dasselbe der Fall wäre. „Im kommenden Jahr ist alles anders - da gibt es keine einzige Theaterdirektorin“, hieß es.

Die erste Auszeichnung des Abends durfte der deutsche Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt entgegennehmen. Seine sich langsam und beständig am Bühnenportal vorbei bewegenden Bühnen für das Theater in der Josefstadt („Der einsame Weg“ von Arthur Schnitzler) und die Salzburger Festspiele („Sommergäste“ von Maxim Gorki) wurden mit dem Ausstattungs-Nestroy belohnt. Er widmete seinen Preis der Bühnentechnik der Perner-Insel und des Theaters in der Josefstadt, ohne die die permanenten Verwandlungen seiner Bühnenbilder nicht möglich gewesen wären.

Der Spezialpreis ging an „3 Episodes of Life“ des schwedischen Künstlers Markus Öhrn, eine dreiteilige internationale Koproduktion rund um das #metoo-Thema, die bei den Wiener Festwochen im Studio Molière uraufgeführt wurde. Anhand der Grenzüberschreitungen eines Choreografen wird dabei eine verstörende Reise in die dunklen Abgründe von Kunst und Gesellschaft unternommen. Öhrn erinnerte in seiner Dankesrede an jene, mit deren Schicksal sich seine im vergangenen Jahr nominierte Produktion „Häusliche Gewalt“ beschäftigt hatte, sowie an jene tapferen Künstlerinnen und Künstler, die zur Entstehung der #metoo-Bewegung beigetragen haben - eine Bewegung, die wieder in Vergessenheit zu geraten drohe. Die Täter, die zuerst geleugnet, dann sich vorübergehend versteckt hätten, würden sonst wiederkehren, warnte Öhrn.

Der Preis für die Beste Off-Produktion ging an die mehrteilige Theater-Sitcom „The Bruno Kreisky Lookalike“ der Gruppe Toxic Dreams unter der Regie von Yosi Wanunu. Eine Werbeagentur nutzt einen Kreisky-Doppelgänger für ihre Kampagnen, bei denen der tote Alt-Kanzler so ziemlich alles an den Mann zu bringen versteht. Wanunu plädierte in seiner Rede für eine Öffnung des gesamten Nestroys für die Off-Szene, um sich nicht immer wie der verrückte Onkel fühlen zu müssen, der pro forma einmal im Jahr zum Weihnachtsfest eingeladen werde, und deklarierte, dass er nicht aus Unvermögen in der Off-Szene arbeite, sondern aufgrund einer bewussten Entscheidung.




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