Letztes Update am Mi, 27.11.2019 06:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖSV-Team will Bö und Co. im Biathlon wieder öfter ärgern



Die Topstars um Seriensieger Johannes Thingnes Bö öfter ärgern. Das haben sich die österreichischen Biathleten für die am Wochenende in Östersund beginnende Weltcup-Saison vorgenommen. Im vergangenen Winter gab es keinen ÖSV-Sieg, aber immerhin vier Podestplätze durch Simon Eder, Julian Eberhard und in der Staffel sowie etliche weitere Spitzenränge.

Ricco Groß setzt in seinem zweiten Jahr als ÖSV-Herrencheftrainer neben Eder und Eberhard auch auf die Rückkehr von Dominik Landertinger zu alter Stärke. Außerdem erhofft er sich eine weitere Steigerung von Youngster Felix Leitner. Dem Quartett soll es gelingen, wieder vermehrt in die Phalanx der zuletzt dominierenden Asse um Bö und den auf Revanche sinnenden Ex-Dominator Martin Fourcade einzudringen.

„Unser Ziel muss es sein, sie immer zu ärgern“, meinte Groß auf die Topstars angesprochen. Schon vergangene Saison sei das bereits regelmäßig gelungen. „Wir waren konstant gut vertreten“, sagte der Coach. Und schlussendlich habe man mit Eder (8.) und Eberhard (9.) zwei in die Top Ten der Gesamtwertung gebracht und als Fünfter im Nationencup der sechsten Weltcup-Startplatz zurückerobert. Spitzenplätze sind für Groß auch im anstehenden Winter eine „Mindestanforderung“. Natürlich soll sein Team im Idealfall auch in den Medaillenkampf der WM in Antholz eingreifen, bekräftigte er.

Ein weiteres Saisonhighlight ist für seine Mannschaft der Heimweltcup in Hochfilzen als zweite Station Mitte Dezember. Besonders dort soll sich auch Lokalmatador Landertinger wieder von seiner besten Seite zeigen. „Die Klasse hat er auf alle Falle. Wie sagt man so schön: Die Form kommt und geht, Klasse bleibt“, sagte Groß über den Ex-Weltmeister, der wegen Bandscheibenproblemen zwei harte Jahre durchlebt hat.

Mittlerweile ist Landertinger („Das hat einfach keinen Spaß gemacht“) wieder optimistisch. Für Selbstvertrauen sorgten auch Siege in beiden internen Quali-Rennen. „Die Form stimmt, nach zwei Aufbausaisonen habe ich wieder mehr auf meinen Körper gehört und auch viele schnelle, intensive Einheiten absolviert - hartes Training, genauso, wie ich es eben mag“, erläuterte Landertinger. Sein erstes große Ziel sind Top-Ten-Ergebnisse. „Im Dezember möchte ich konstante Leistung bringen und möglichst vorne mitmischen.“

Eberhard möchte indes an sein starkes Saisonende mit einem dritten und zwei vierten Plätzen anschließen. „Ich habe wieder auf das bewährte Programm gesetzt. Ich habe auch geschaut, dass ich im Hinblick auf die WM in Antholz, das auf 1.600 m liegt, wirklich zwei Höhentrainingsblöcke lege, die sehr gut funktioniert haben“, erklärte der am Schießstand oft zu fehlerhafte Salzburger, dem Groß eine Steigerung zutraut. „Die Trainingsergebnisse zeigen, dass er sich verbessert hat.“ Auf eine 90-Prozent-Trefferquote wie Eder werde es Eberhard aber wohl nie bringen, schränkte er ein. Der Topschütze musste im Herbst aufgrund leichter Gesundheitsprobleme etwas kürzertreten. Zuletzt hat er sich im Training aber schon wieder in guter Verfassung gezeigt.

Das Herren-Team hatte heuer auch Lisa Hauser und Julia Schwaiger immer wieder mit auf Trainingskursen. Die Damen sollen davon vor allem läuferisch profitieren. „Ich muss in der Loipe Gas geben, da ist sicher noch einiges an Potenzial. Es ist an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen“, meinte die Tirolerin, die ihren ersten Podestplatz in der Vorsaison als Fünfte einmal mehr nur knapp verpasst hatte.

Wie Groß ausführte, ist die Idee der international bereits durchaus üblich gemischten Trainingsgruppe im Austausch mit der Verbandsspitze geboren worden. „Man versucht gemeinsame Konzepte zu entwickeln, das ist kein Alleingang“, sagte Groß und verwies auf das gute Teamgefüge als gute Ausgangsbasis. „Jeder weiß, dass man voneinander lernen und profitieren kann. Die Eigendynamik ist groß, auch am Stützpunkt in Hochfilzen“. Und im zweiten Jahr sollten auch seine Trainingskonzepte noch besser zu greifen beginnen, hofft der Deutsche.

Sein unmittelbarer Vorgesetzter ist nach dem Abgang von Markus Gandler in der Folge des Seefelder-Dopingskandals nun Franz Berger als Sportlicher Leiter. Die Zusammenarbeit mit dem Hochfilzener Urgestein laufe bestens, versicherte er. „Franz hat jahrzehntelange Erfahrung im Biathlon, er kennt sich aus und weiß, was das die Sportler brauchen.“




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