Letztes Update am Do, 28.11.2019 13:12

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erneut starkes Erdbeben in Albanien



Albanien ist kurz vor Donnerstagmittag von einem neuen starken Erdbeben erschüttert worden. Nach Angaben des Seismologischen Zentrums Europa-Mittelmeer belief sich die Stärke auf 5,1 Grad. Das Epizentrum lag im Adriatischen Meer, etwa 26 Kilometer westlich von Durres. Es gab zuerst keine Informationen über eventuelle neue Sachschäden und Opfer.

Unterdessen ist die Opferzahl des starken Erdbebens vom Dienstag auf 41 angestiegen, meldeten regionale Medien. Die österreichische Regierung gab unterdessen bekannt, Tirana 600.000 Euro an Hilfsgeldern zur Verfügung zu stellen. Mit diesen Mitteln der Austrian Development Agency (ADA) sollen im Hinblick auf den Winter zerstörte Häuser rasch wieder aufgebaut werden, teilte das Außenministerium mit. Albanien ist seit 1992 ein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

Bereits nach dem Erdbeben vom 21. September hatte Außenminister Alexander Schallenberg Albanien Unterstützung für die betroffene Bevölkerung zugesagt. Diese werde nun auf 600.000 Euro aufgestockt.

„Österreich und Albanien verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft“, sagte Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein in einer Stellungnahme. „Österreichische Unternehmen gehören zu den größten Investoren. Aus voller Überzeugung unterstützen wir Albanien im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und als EU-Kandidat.“

Bei dem bisher schwersten Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten kamen nach Angaben vom Mittwoch mindestens 40 Menschen ums Leben. 650 weitere wurden verletzt. Das Beben der Stärke 6,4 hatte sich in der Nähe der Hafenstadt Durres am Dienstag ereignet. In Durres und im nahegelegenen Thumana stürzten Häuser ein. An Gebäuden in ganz Westalbanien entstanden schwere Schäden.

Das Rote Kreuz versorgt von der Naturkatastrophe betroffene Menschen mit Wasser, Nahrung und Unterkünften, leistet medizinische Hilfe und psychosoziale Unterstützung. „Rund 2.000 Familien sind obdachlos und müssen derzeit in Notunterkünften ausharren“, sagte Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. „Diese Menschen haben alles verloren und brauchen dringend Unterstützung.“

Rund 100.000 Menschen sind demnach von den Auswirkungen des Bebens betroffen und 30.000 brauchen Soforthilfe. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften plant deshalb den Umfang ihrer Hilfe auf drei Millionen Euro aufzustocken und bittet dafür um Spenden. Jürgen Högl vom Österreichischen Roten Kreuz bereitet sich auf einen Einsatz vor, um für die Föderation die Hilfe an Ort und Stelle zu planen.

SOS-Kinderdorf hilft nach dem Beben mit psychologischer Betreuung für Kinder. „Wir sind alle schwer geschockt vom Ausmaß der Zerstörung, die das Erdbeben mit sich gebracht hat. Man kann sich kaum vorstellen, wie traumatisch diese Erlebnisse für Kinder sind“, sagte Teuta Shkenza, Leiterin von SOS-Kinderdorf Albanien. Therapeuten der Einrichtung haben in drei Nothilfezentren der örtlichen Behörden in Tirana ihre Arbeit aufgenommen.

In der Stadt Thumana wurden einige Häuser von Familien beschädigt, die SOS-Kinderdorf im Rahmen von Familienstärkungsprogrammen unterstützt. Das SOS-Kinderdorf in Tirana ist unversehrt und alle Kinder und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wohlauf, hieß es in einer Aussendung am Donnerstag. In zwei Jugendwohneinrichtungen in Tirana gab es leichtere Schäden. Die Jugendlichen sind vorübergehend im SOS-Kinderdorf Tirana untergekommen.




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