Letztes Update am Mo, 02.12.2019 16:15

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aktivisten: Mehr als 100 Tote bei Kämpfen im Norden Syriens



Bei schweren Kämpfen in der Rebellenhochburg Idlib im Nordwesten Syriens sind von Samstag bis Montag nach Angaben von Aktivisten und Rettern mehr als 100 Menschen getötet worden, darunter auch 15 Zivilisten.

Truppen der syrischen Regierung von Präsident Bashar al-Assad hätten sich - unterstützt durch Luftangriffe auch des Verbündeten Russland - in Idlib über das Wochenende schwere Gefechte mit Rebellen geliefert, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Syrische und russische Jets hätten einen Markt in Marat al-Numan, einen Markt in Saraqib sowie einen weiteren Ort bombardiert. Nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei mindestens 15 Zivilisten getötet und 18 weitere verletzt. Die Rettungsorganisation Weißhelme veröffentlichte Fotos und Videos, die einen Markt in Trümmern und Todesopfer sowie Schwerverletzte zeigen.

Die Provinz Idlib ist eines der letzten Gebiete Syriens, das noch von islamistischen Aufständischen kontrolliert wird. Beherrscht wird das Rebellengebiet von der Al-Kaida-nahen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS/Komitee zur Befreiung der Levante). Zudem sind dort Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) und die pro-türkische oppositionelle Nationalarmee aktiv. Deren Einheiten hatten sich Anfang Oktober unter einer gemeinsamen militärischen Führung vereint.

Die Assad-Regierung versucht mit Unterstützung Russlands seit Monaten, die letzte große Rebellenhochburg im Land nach mittlerweile acht Jahren Krieg unter ihre Kontrolle zu bringen. Ende April hatten die Regierungstruppen eine Offensive gegen Idlib und die benachbarte Provinz Hama begonnen und dabei wichtige Gebiete erobert. Syrien und Russland argumentieren, mit den Angriffen Terroristen zu bekämpfen.

Bei den Angriffen kommen immer wieder Zivilisten ums Leben. Märkte und zivile Einrichtungen wie Kliniken wurden schon mehrfach Ziel von Luftangriffen. Bei einem der schwersten Bombardements auf einen Markt in Idlib hatten Dutzende Flugzeuge im Herbst 2016 durch Luftangriffe mehr als 60 Menschen getötet. Tausende Menschen ergriffen im Zuge der Kämpfe die Flucht.

Die Zahl der Todesopfer über das Wochenende sei die höchste seit Inkrafttreten einer Waffenruhe im August, teilten die Aktivisten der Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Beobachtungsstelle sprach von Hunderten Luftangriffen seit Freitag.

Seit Beginn der Offensive im April seien mehr als 4600 Menschen getötet worden, darunter mehr als 1200 Zivilisten. Erneut seien durch die Gefechte und Luftangriffe nun Anwohner vertrieben worden, die in Richtung der syrisch-türkischen Grenze geflüchtet seien.

In Syrien gibt es nach Einschätzung der deutschen Regierung aktuell keine Region, in die Flüchtlinge ohne Risiko zurückkehren können. Das geht aus einem vom Auswärtigen Amt verfassten internen Bericht hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Vor allem als oppositionell oder regimekritisch bekannt Rückkehrer seien erneuter Vertreibung, Sanktionen oder unmittelbarer Lebensgefahr ausgesetzt, heißt es darin. „Das Regime kann grundsätzlich weiter Luftangriffe im ganzen Land durchführen“, heißt es in dem Bericht weiter.

Während einer russisch-türkischen Patrouille in Nordsyrien wurden drei russische Militärpolizisten bei der Explosion eines Sprengsatzes leicht verletzt. Der Sprengsatz sei in der Nähe der Ortschaft Goran in der nordsyrischen Region Kobane explodiert, als das gepanzerte Fahrzeug der Militärpolizei vorüberfuhr, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Montag laut russischen Nachrichtenagenturen mit.

Die russische Militärpolizei und die türkische Armee unternehmen seit Ende Oktober regelmäßig gemeinsame Patrouillen im Grenzgebiet in Nordsyrien. Nach der türkischen Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) hatten Ankara und Moskau die Patrouillen vereinbart, um den Abzug der YPG-Kämpfer zu überprüfen. Gemäß der Vereinbarung finden sie in einem zehn Kilometer tiefen Streifen an der Grenze statt.




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