Letztes Update am Mi, 04.12.2019 14:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Regenwald, Religion, Restitution zu sehen im Weltmuseum Wien



Den drei Ausstellungen, die ab Donnerstag im Weltmuseum Wien zu sehen sind, ist eines gemein: Sie alle beschäftigen sich mit politisch aktuellen Themen. In Schwarz-Weiß-Fotografien geht es einmal um Religion, einmal um die Abholzung des Regenwaldes; auch beschäftigt man sich mit der Restitution von Ausstellungsobjekten. Auf die aufgeworfenen Fragen gibt es nicht immer Antworten.

Die Ausstellungen besetzen jeweils einen Raum im ersten Stock des Museums, und Besucher können bequem von der einen zur nächsten wandern. Und so sind sie für Weltmuseums-Direktor Christian Schicklgruber auch nur formal getrennt: „Für mich ist es eine Ausstellung mit drei Abschnitten, in denen es um das Verhältnis zwischen Menschen geht“, stellte der Ethnologe am Mittwoch bei der Presseführung fest.

Vom Verhältnis zur Religion handeln Katharina Heigls „Faces in Prayer“. Fotografien zeigen Menschen verschiedener Herkunft und verschiedener Konfession beim Beten. Den intimen Porträts fügt Heigl keine Beschreibung hinzu. Übrig bleiben Bilder von in sich gekehrten Menschen auf der Suche nach etwas Höherem, über deren religiöse Zugehörigkeit die Besucher nicht aufgeklärt werden. Klar zeigt die Atheistin Heigl so, dass Menschen verschiedener Konfession viel gemeinsam haben - sogar im Moment des deutlichsten Ausdrucks ihres Glaubens. Ein „gemeinsames Menschsein“ nannte Schicklgruber das und wies darauf hin, dass Religion vor allem in der Politik oft für etwas Trennendes steht. Das Projekt entstand unter anderem aufgrund Heigls Wut über das Schubladendenken. „Normalerweise klebt man auf Menschen automatisch ein Label“, erzählte sie, „hier soll man das nicht tun, sondern mit den Bildern in einen Dialog treten.“

Mit einem Label versehen werden oft auch Köhler und Holzfäller im Regenwald. Andrea Altemüller denunziert sie in den Fotografien ihrer Ausstellung „Metamorphosis. Brazil 1998“ nicht - in diesen schwingt eher Mitleid mit. „Diese Menschen sind nur der letzte Auswuchs des Problems. Ihre Kinder haben keine Zukunft. Das Problem kommt eigentlich von woanders“, sagte sie über die Abholzung des Regenwaldes sowie die dortigen Brände, und meinte damit sowohl entwickelte Länder als auch Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro. In einem zweiten Teil widmet sich Altemüller beinahe mit Verehrung der Keramikkünstlerin Izer Campos, die inmitten des Waldes im Fluss Material für ihre zerbrechlichen Skulpturen sammelt - auch diese kann man derzeit im Weltmuseum begutachten.

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Mit dem Verhältnis zwischen ethnografischen Museen und ehemals in Kolonialreichen lebenden Völkern beschäftigt sich die von Claudia Augustat kuratierte Ausstellung „Ein koloniales Ding“ und fragt: „Was soll zurückgegeben werden?“ Allzu viel für das Auge gibt es hier nicht, dafür aber viel Information. Zwölf Objekte mit teilweise fragwürdiger Beschaffungshistorie - etwa ein Kindertragband aus dem 19. Jahrhundert, das dessen Besitzerin nur nach vehementen Verhandlungen aufgab - werden von Sammlern, Vertretern indigener Gemeinschaften und Kuratoren kommentiert, außerdem werden Leitfäden zur Rückgabe solcher Stücke vorgestellt.

Anders als in den beiden anderen Räumen, in denen klar dafür plädiert wird, Personen nicht aufgrund ihrer Religion zu verurteilen und in den Holzfällern des Regenwaldes nicht den Feind zu sehen, liefert Augustat hier keine eindeutigen Statements. Vielmehr sollen sich Besucher mit der komplizierten Thematik der „kolonialen Dinge“ selbst beschäftigen. Möglich ist das bis zum 30. Juni des nächsten Jahres, auch „Faces in Prayer“ bleibt bis dahin im Weltmuseum. „Metamorphosis. Brazil 1998“ kann man bis zum 24. März besichtigen.

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