Letztes Update am Mo, 23.04.2012 16:35

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Russland sieht Energiezukunft in Gas - Österreich wichtiger Partner



Wien (APA) - Die energiewirtschaftlichen Verflechtungen Österreichs mit Russland sind beim Besuch des Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten Russlands in Wien, Viktor Subkow, immer wieder angesprochen worden. In einem Arbeitsgespräch mit Wirtschaftskamme-Präsident Christoph Leitl meinte Subkow am Montag unter Hinweis auf Deutschland, dass jedes Land seinen eigenen Weg bei der Energiesicherheit finden müsse. Derzeit gebe es vor allem zwei Wege: Fossile Energieträger wie Öl und Gas oder Erneuerbare Energien. Russland bleibe hier nur Gas übrig, denn es sei die „umweltfreundlichste Lösung“, so Subkow, der auch Vorsitzender des „Boards of Directors“ bei Gazprom ist.

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Österreich werde zu 85 Prozent mit russischen Gaslieferungen versorgt, berichtet Subkow (Zubkov) im Arbeitsgespräch in der Wirtschaftskammer. Die österreichischen Gasvorkommen würden auf rund 30 Mrd. Kubikmeter geschätzt, der jährliche Verbrauch liege zwischen 9 und 10 Mrd. Kubikmeter Gas. Subkow betonte, dass Russland bisher immer seinen Lieferverpflichtungen nachgekommen sei. Es sei auch bekannt, dass jährlich rund 30 Mrd. Kubikmeter Gas durch Österreich nach Westeuropa durchgeleitet würden.

In einem Vortrag vor einem großen Publikum in der WKÖ sagte der Vize-Premier danach, dass Österreich in Russland als zuverlässiger Partner gelte aufgrund der schon über Jahrzehnte bestehenden guten Geschäftsbeziehungen. „Ein Symbol dieser langjährigen hervorragenden Partnerschaft ist das im kommenden Jahr zu feiernde 45-Jahr-Jubiläum der ersten russischen Erdgaslieferung nach Österreich. In diesem Zeitraum wurden rund 177 Mrd. m3 Gas von Russland nach Österreich geliefert“, so Subkow.

Gazprom wolle den Gasabsatz weiter steigern, berichtete der Vizepremier. Zu den weiteren Zukunftsprojekten zählte er unter anderem den Bau der Gaspipeline South Stream, die russisches Gas von Russland durch das Schwarze Meer nach Südeuropa bringen soll. Ihr Bau werde wie schon von Premier Wladimir Putin abgekündigt Ende 2012 starten. Subkow erinnerte daran, dass die in der Ostsee verlegte Gaspipeline Nord Stream innerhalb des Zeitplanes errichtet wurde.

Schätzungen zufolge sollen in den Bau der South Stream 25 Mrd. Euro investiert werden. Wie die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtete, haben die Aktionäre der Gaspipeline South Stream beschlossen, den Bau der Leitung über das Festland mit dem nördlichen Strang zu beginnen, der nun doch nach Österreich führen wird. „Wie haben beschlossen, dass der Strang in den Süden Italiens nach der Fertigstellung des ersten Festland-Abschnitts nach Österreich gebaut wird“, hatte der Chef des italienischen Versorgers Eni, Paolo Scaroni, am vergangenen Freitag gesagt.

An South Stream sind derzeit Gazprom mit 50 Prozent, Eni mit 20 Prozent, die deutsche Wintershall und Electricite de France (EdF) mit je 15 Prozent beteiligt. Über die 3.600 Kilometer lange Gaspipeline South Stream zwischen Russland und Italien soll Südeuropa mit Erdgas versorgt werden, ein Strang soll nach Österreich kommen. Im Endausbau soll die jährliche Transportkapazität der Pipeline 63 Mrd. m3 im Jahr betragen, was rund 35 Prozent des gesamten europäischen Gasbedarfs sei. South Stream gilt als Konkurrenz zum Pipelineprojekt Nabucco, das von der OMV vorangetrieben wird.




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