Letztes Update am Mi, 16.04.2014 10:44

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wifo-Aiginger: EU muss sich für 2020er-Ziele mehr ins Zeug legen



Wien (APA) - Wifo-Chef Karl Aiginger fürchtet, dass die EU einige wichtige Ziele, die sie sich bis 2020 gesteckt hat, verfehlen könnte, wenn es zu keinen zusätzlichen Anstrengungen kommt. Grundsätzlich fehle es der Union auch an einer einigenden Vision. „Wirtschaftliche Schwierigkeiten und nationale Rückfälle“ könnten durch eine Vision aber verhindert werden, so Aiginger in einer Aussendung.

Dabei könne die EU, so der Wirtschaftsfachmann am Mittwoch, auch Vorbild für die USA und reichere Regionen Asiens werden. Der EU sei es im vergangenen Jahrzehnt aber nicht gelungen, eine Vision der europäischen Position in einer globalisierten Welt anno 2050 zu entwickeln, kritisierte Aiginger am Mittwoch.

Fünf Voraussetzungen sieht der Wifo-Chef für mehr Wirtschafts- und generelle Dynamik in Europa, diese hat er kürzlich auf Basis eines von der EU-Kommission beauftragen Forschungsprojektes „Welfare, Wealth and Work for Europe - WWWfor Europe“ auch bei einer Wirtschaftskonferenz in Toronto ausgeführt, wie das Wifo mitteilte.

Demnach muss unter anderem der Finanzsektor weiter stabilisiert werden. In Südeuropa seien Reformen und die Schaffung von Industriezonen angebracht. Die Investitionsnachfrage müsse generell und der Inlandskonsum durch Reformen des Steuersystems gestärkt werden. Innovationen gehörten forciert. Auch die „dynamische Entwicklung der Weltwirtschaft“ gehöre genutzt.

Umwelttechnologien sollen verstärkt eingesetzt, die Jugendarbeitslosigkeit durch Qualifizierungsmaßnahmen gesenkt werden. Ungenutzte Wachstumspotenziale würden durch eine Lohnsteuersenkung genutzt werden, meint Aiginger. Vor allem seien sozialer Ausgleich und ökologische Ziele „keine Belastung sondern Wachstumsfaktoren“, beruhen sie auf Innovationen und hoher Arbeitskräftequalifikation.

Die Antwort auf niedrige Lohnkosten in den neuen Industrieländern und die billige Energie in den USA sei für die EU „primär eine Steigerung von Produktivität und Effizienz“. Aber auch eine „Verbesserung“ der EU-Institutionen sei angebracht.

Barrieren für die hehren Ziele ortet der Wifo-Chef aber vor allem die in einigen EU-Ländern gegebene Einschränkung des wirtschaftspolitischen Handlungsspielraumes durch die hohe Staatsverschuldung.




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