Letztes Update am Fr, 09.05.2014 10:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Komik macht Klimawandel konsumierbar: Umjubeltes Baum-Stück in Linz



Linz (APA) - Klimawandel auf der Theaterbühne - kann das funktionieren? Autor Thomas Baum hat ein sperriges Thema mit Komik konsumierbar gemacht. Die Wirtschafts- und Polit-Groteske „Happy Planet“ feierte am Donnerstag im Linzer Phönix in der Regie von Heidelinde Leutgöb ihre Uraufführung. Lautes Lachen und begeisterter Applaus für kurzweilige eineinhalb Stunden, denen eine Spur weniger Klamauk gutgetan hätte.

Die Erde geht vor die Hunde, das Zwischenmenschliche auch: Das Familienunternehmen „Happy Planet“, das mit seinem Biosprit nach außen brav auf Umweltschutz macht, sperrt der Langzeitstudentin Mia Kaminski (Lisa Fuchs), die in Müllcontainern nach Lebensmitteln fischt, die Abfälle weg. Sie lässt sich das nicht gefallen und bringt gemeinsam mit Universitätsassistent Konrad Holzbach (Felix Rank) den guten Ruf des Konzerns ins Wanken. Doch auch im Inneren brodelt es: Beinhart wird ausgebeutet und um Profit gekämpft, um Kapitalvermehrung und Gewinnmaximierung, Intrigen sind die Folge. Der junge Generaldirektor Moritz Luftensteiner (David Fuchs) und seine Schwester Laura (Judith Richter) versuchen ohne Rücksicht auf Verluste zu retten, was noch zu retten ist.

Es sind vor allem die Nebenfiguren, die „Happy Planet“ so sehenswert machen. Sven Sorring ist Security Bert, der viel mehr schlägt als denkt, aber auch mal in sich versunken an der akustischen Gitarre ein Lied des U2-Sängers und Weltverbesserers Bono anstimmt. Matthias Hack gibt dem Kapitalismus als abgebrühter Lobbyist in Nöten ein besonders zynisches Gesicht, der selbst, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht, noch einen Schmäh auf den Lippen hat. Zwischen all dem und dem bitterbösen Geschwisterkampf von Moritz und Laura - herrlich überdreht dargestellt - gehen Mias anarchisches und verhaltenskreatives Aufbegehren und ihre spannungsgeladene Beziehung zum nur vordergründig überkorrekten Uni-Assistenten leider etwas verloren.

Letztendlich die bittere Erkenntnis: Nicht jeder, aber so gut wie alle sind sich selbst die Nächsten, packeln und richten sich‘s, andere zahlen drauf. Auf Baums „Happy Planet“ herrschen neben Konsum- und Globalisierungskritik auch Rassismus und Folter, Informationsflut und Medienkonsum - erfrischend klischeefrei, Schwarz-Weiß-Malerei findet keinen Platz. Leutgöbs Inszenierung hat Tempo und viele gewitzte Ideen, kippt aber manchmal zu sehr ins Clowneske. Johannes Steiningers pulsierende Sounds, die sich mit Naturklängen abwechseln, schweben von Beginn an düster-bedrohlich über dem Phönix-Saal. Symbol für den langsamen Zerfall: Moritz Oliver Benatzkys Bühnenbild, das viel Spiel- und Interpretationsraum lässt.

(S E R V I C E - „Happy Planet“ von Thomas Baum im Linzer Theater Phönix; Regie: Heidelinde Leutgöb, Bühne: Moritz Oliver Benatzky, Kostüme: Cornelia Kraske, Lichtgestaltung: Gordana Crnko, Sounddesign: Johannes Steininger, Video: Erik Etschel; mit Lisa Fuchs (Studentin Mia Kaminski), Felix Rank (Uni-Assistent Konrad Holzbach), David Fuchs (Generaldirektor Moritz Luftensteiner), Judith Richter (seine Schwester Laura), Matthias Hack (Lobbyist Ulrich Eberle), Sven Sorring (Wachorgan Norbert Riegler); Vorstellungen u.a. am 10., 11., 14., 15., 16. und 17. Mai; Karten: 0732 / 666 500, www.theater-phoenix.at)




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