Letztes Update am Fr, 20.06.2014 09:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Berührender Soul muss Zeit haben: Malky gehen für „Soon“ eigene Wege



Wien (APA) - „Keep your eyes on me“, singt Daniel Stoyanov auf der Debütplatte seiner Band Malky. Eine Aufforderung, der Freunde von melancholischem Soul tunlichst nachkommen sollten. Für das am 27. Juni erscheinende „Soon“ hat der Sänger gemeinsam mit Michael Vajna ein zeitloses Kleinod geschaffen, das den Hörer berührt, fesselt und nicht mehr loslässt. Live ist das Duo am 24. September im Wiener B72 zu Gast.

Zusammengefunden haben die beiden Musiker vor etwa fünf Jahren, als sie sich zufällig in einem Tonstudio trafen. „Es hat mich total gewundert, was dieser zwei Meter große Typ da macht. Er passte so gar nicht rein“, erinnert sich der Sänger im Interview mit der APA an die erste Begegnung mit Vajna. Später hat das Duo dann für Künstler wie Xavier Naidoo oder Cassandra Steen Songs geschrieben, bevor der Entschluss fiel, ein eigenes Projekt zu starten. „Das sagen sich zwar alle, es machen aber nur wenige. Und schließlich kommen wir jünger auch nicht zusammen“, schmunzelt Stoyanov.

Die Entscheidung hat sich als goldrichtig erwiesen: Die elf Stücke von „Soon“ bieten angenehm erdigen Soul mit modernen Einschüben, bedienen mal verspielt das Call-and-Response-Prinzip („History of Broken Hearts“), fühlen dem Blues auf den Zahn („Showdown“) oder pflegen mit Bläsersätzen zarten Melodien einen ordentlichen Schub zu verpassen („Give Away“). Am wichtigsten aber: Malky lassen sich Zeit, geben den Stücken Gelegenheit, auch scheinbare Nebenschauplätze zu erkunden und offenbaren gerade dadurch eine enorme Vielfältigkeit.

„Es ist ein erster Schritt für uns“, übt sich Stoyanov im Understatement, und schiebt nach: „Aber er ist sehr solide.“ Grundsätzlich sei der Sound natürlich gewachsen, die Demos habe man etwa noch im „Kauderwelsch-Englisch“ aufgenommen. „Aber bereits da hat Michi bestimmte Sachen eingebaut, wie das Leiernde im Sound.“ In der Produktionsphase seien die Stücke dann „nochmals organischer“ geworden. „So etwas kann man nicht planen. Es geht eher darum, dass man etwas in sich spürt. Bei uns war das eine große Portion Melancholie und Sehnsucht.“

Diese Eigenschaften hört man den Stücken auch zu jeder Sekunde an, wobei Malky das Glanzstück vollbringen, ihre Hörer nicht in die Depression zu stürzen. Stattdessen werden in den richtigen Momente versöhnlichere Töne angeschlagen und führt Stoyanovs einnehmendes Timbre ans Licht. „Das gehört beides zusammen“, weiß der Sänger um die Bedeutung dieser Ausgeglichenheit.

Viel Einfluss habe auch das Thema Herkunft auf die Songs der beiden derzeit in Leipzig ansässigen Musiker gehabt: Stoyanov ist gebürtiger Bulgare, Vajna wiederum hat ungarische Wurzeln. „Wir wurden aber hier sozialisiert und hatten das Glück, hier zur Schule gehen zu dürfen.“ Den Vorteilen des Westens („Man kann wahnsinnig glücklich sein, in so einem Land zu leben“) stand aber ein anderes Bedürfnis gegenüber: „Wir haben, gerade musikalisch, immer etwas vermisst. Hier ist eine gewisse Sättigung da“, umreißt Stoyanov dieses Gefühl. „Der Osten war für uns die Chance, etwas wachzurufen, was unserer Meinung nach ein bisschen eingeschlafen ist im Umgang mit Musik und Kunst. Für uns ist der Osten einfach wahnsinnig lebendig.“

Was die geschäftliche Seite anbelangt, setzen Malky auf einen selbstbestimmten Weg und haben für „Soon“ ihr eigenes Label gegründet. Bis jetzt sei man mit diesem Schritt sehr zufrieden, „auch weil wir ein gutes Management haben. Im Businessbereich wären wir sonst verloren“, gesteht der Sänger ein. „Sie stehen aber hinter unserem Weg.“ Und ein stabiler Vertriebsdeal, in Malkys Fall mit Rough Trade, sei „das erste gute Zeichen und gibt dem Ganzen eine gewisse Seriosität“. Auf einem eigenen Label könne schließlich „jeder Hinz und Kunz“ veröffentlichen.

Was die Erfolgschancen betrifft, zeigt sich Stoyanov wiederum als Realist. „‘Soon‘ ist keine Platte, die versucht, dich mit den ersten paar Nummern sofort an die Wand zu nageln. Wir haben sie im Grunde für uns gemacht, damit wir stolz darauf sind. Und wir machen es mit einem anderen Tempo, als es vielleicht bei einem Major Label der Fall wäre. Aber bis jetzt haben wir gute Spuren hinterlassen. Das Ding wächst auf eine gesunde Art und Weise.“

Vielfach thematisiert wurde im Netz bereits der Name der Band. „Malky“ entstamme einem bulgarischen Dialekt aus der Region um Sofia, wie Stoyanov erläutert, und sei eine Bezeichnung für einen Lausbub. „Man sagt es mit Ausrufezeichen“, ergänzt der Sänger lachend. Die beiden Musiker hätten sich „aus dem Bauch heraus“ dafür entschieden. „Wir haben gemerkt, dass wir etwas Naives in unserer Musik haben. Einen naiven Zugang zum Pathetischen und zur Melancholie.“ Und wo die Musik durchaus dunkle Stellen aufweise, sei der Begriff Malky für ihn „hell und lebendig. Das hat einfach gepasst.“

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - www.eightydays.de)




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