Letztes Update am Mo, 30.06.2014 10:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Künstlicher Fluss 2 - Rechen verhindert Eindringen von Fischen



Wien (APA) - Der künstliche Fluss wird von einem etwa elf Meter breiten Einlass aus der Donau gespeist werden, wo ein Rechen verhindert, dass Fische oder Treibgut hineingelangen. Der Bereich, in dem die Forscher ihre Versuche aufbauen und durchführen können, wird etwa 30 Meter lang und fünf Meter breit sein. Maximal können zehn Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchgeleitet werden, so Helmut Habersack.

Weil an dieser Stelle zwischen Donau und Donaukanal drei Meter Gefälle sind, kommt man komplett ohne Pumpen aus. Das Bauwerk soll zwar schon dieses Jahr fertiggestellt werden, später würden aber noch eine Fischaufstiegshilfe und ein überdachtes Wasserbaulabor dazukommen, erklärte Habersack.

Bei Fischtreppen will er gemeinsam mit Biologen untersuchen, wie viel Wasser sie führen müssen, damit sich die Fische an der Strömung orientieren und sie als möglichen Weg erkennen können. Bis jetzt gäbe es zu der sogenannten Lockströmung kaum wissenschaftliche Daten. „Wir wollen dies objektivieren, denn für die Energiewirtschaft geht es hier um viel Geld“, sagte er. Die Kraftwerksbetreiber wollen möglichst viel Wasser über die Turbinen leiten, um Energie zu gewinnen, und es wäre gut zu wissen, wie viel davon sinnvollerweise über die Fischtreppe fließen sollte, meint er.

Auch die Ablagerungen von Sand und anderen Sedimenten sei für die Kraftwerke weltweit ein Problem. Man rechnet damit, dass im Zeitraum von 2030 bis 2080 vier Fünftel der Stauräume damit angefüllt sind, sagte Habersack. Die Donau würde etwa im Jahr zusätzlich zu den 350.000 Kubikmetern Geschiebe ungefähr drei Millionen Tonnen Schwebstoffe transportieren. „Wir werden im Forschungsgerinne auch Sedimentationsversuche machen, das heißt, wir lassen natürliches Donauwasser mit seinem Feinmaterial herein und sperren ab, sodass dieses absinkt“, erklärte er. Dann würde man versuchen, wie man das Sediment „remobilisieren“ kann, damit es wieder ins Unterwasser kommt.

Habersack will auch „Strombojen“ als Alternative zu Staukraftwerken testen, denn das Aufstauen sei aus Umweltschutzgründen nicht überall möglich und sinnvoll. Ein österreichischer Erfinder habe Schwimmkörper mit Rotor als modernes „Wasserrad“ entwickelt, die man als „ökologisch orientierte Nischenlösung“ einsetzen könnte, meint er. Im Forschungsgerinne würde man etwa ausprobieren, bei welchen Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten sie gut funktionieren und mögliche Auswirkungen auf die Gewässersohle oder die Fische erkennen, erklärte der Wasserbauer.

Abgeschlossen müssen die Bauarbeiten noch in diesem Jahr sein. Dann geht auch das EU-Projekt zu Ende, mit dem der 2,6 Millionen Euro teure Bau großteils finanziert wird, so Habersack. Es handelt sich dabei um ein grenzüberschreitendes Vorhaben, an dem auch die Technische Universität Budapest beteiligt ist. Außer den unmittelbaren Projektpartnern würde das Forschungsgerinne und das Wasserbaulabor, das in den nächsten Jahren errichtet werden soll, auch dem Bundesamt für Wasserwirtschaft zur Verfügung stehen, erklärte er. Aber auch anderen Forschern aus dem In- und Ausland wolle man die Nutzung ermöglichen.

„Es ist auch ein Schaulabor geplant, wo zum Beispiel Oberstufen-Klassen aus dem Gymnasium mit Modellen Versuche zum Hochwasserschutz und anderen Themen machen können“, sagte er. Damit wolle er einerseits das Interesse des Nachwuchses an naturwissenschaftlichen Fächern wecken und andererseits sichtbar machen, dass von dem von Österreich an die EU gezahlten Geld durchaus etwas zurückkommt, um große und wichtige Projekte zu ermöglichen.




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