Letztes Update am Do, 17.07.2014 07:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fahrzeugpionier Johann Puch starb am 19. Juli vor hundert Jahren



Graz (APA) - Am 19. Juli 1914, zwischen dem Attentat von Sarajevo und der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, starb der österreichische Fahrzeugpionier Johann Puch in Zagreb. Auch hundert Jahre nach seinem Tod ist Puch in aller Munde: Mit seinen legendären Waffenrädern, dem „Pucherl“ Puch 500, den Haflinger oder dem Puch Maxi. 2002 gingen die Puchwerke im Magna-Konzern auf.

Johann Puch, am 27. Juni 1862 in ärmliche Verhältnisse bei Ptuj (Pettau) im heutigen Slowenien geboren, gilt als Industriepionier und zentrale Figur der österreichischen Fahrzeugindustrie. Sein Name ist weltbekannt. Dabei hieß der aus einer armen Bauernfamilie stammende Puch ursprünglich Janez Puh. Mit diesem Namen unterschrieb der bereits zum Schlosser ausgebildete Mann auch seine Heiratsurkunde.

25-jährig übersiedelte Puch - oder Puh - 1889 nach Graz, wo er einen Gewerbeschein erworben hat. Er gründete eine kleine Firma und begann zunächst Fahrräder und später auch Motorräder und Automobile zu erzeugen. Seinen Nachnamen - übrigens das slowenische Wort für „Daune“ oder „Bartflaum“ - änderte er in „Puch“, um in der deutschsprachigen Umgebung die richtige Aussprache seines Namens zu gewährleisten.

In seiner Fahrradwerkstätte im Grazer Lendviertel erzeugte Puch ab 1889 eigene Modelle und machte mit Rennerfolgen Werbung für seine „Styria“-Räder. 1895 beschäftigte Puch 330 Arbeiter, die 6.000 bis 6.500 Fahrräder erzeugten. „Puch“-Fahrräder gibt es auch heute noch zu kaufen, allerdings gehört die Fahrmarke seit 1997 zum schwedischen Fahrradkonzern Cycleurope.

Die eigentliche Gründung der Puchwerke als „Johann Puch - Erste steiermärkische Fahrrad-Fabrik-Actiengesellschaft in Graz“ erfolgte 1899, nachdem er bei den - später wieder übernommenen - Styria-Fahrradwerken ausgestiegen war. Die eigene Autoproduktion startete übrigens mit einer Panne: Wegen hoher Verluste wurde die Produktion 1902 zugunsten des Motorrads eingestellt und erst 1906 mit neuen Modellen und dann als Serienfertigung auch tatsächlich erfolgreich wieder aufgegriffen.

Neben der unternehmerischen Tätigkeit widmete sich Puch der Tierzucht: Er unterhielt einen eigenen Traberstall, war Obmann des Alpenländischen Vereins für Hundezucht und Präsident des Grazer Trabrennvereins. Puch starb im Alter von 52 Jahren 1914 an einem Schlaganfall in einem Hotel in Zagreb, wo er sich anlässlich von Pferderennen aufhielt.

Die Entwicklung der Puchwerke gestaltete sich in den Jahren nach dem Tod des Gründers durchaus erfolgreich. 1928 entstanden aus der Fusion mit der Österreichischen Daimler Motoren AG die Austro-Daimler-Puchwerke, die 1934 mit der Steyr-Werke AG zur Steyr-Daimler-Puch AG fusionierten. In der NS-Zeit setzte der Konzern laut Historikern Tausende KZ-Zwangsarbeiter ein.

Nach dem Zweiten Welktrieg dominierte man mit dem Haflinger oder dem Pinzgauer vor allem den Militär- und Nutzfahrzeugmarkt. Mit dem Auflassen der Zweiradproduktion 1987 konzentrierte man sich auf das Vierrad, speziell die Fertigung von Getriebe und Antriebsstrang sowie das Assembling für diverse Autohersteller. Erst nach der Filetierung und der Übernahme durch den austro-kanadischen Magna-Konzern verschwand der Name Puch 2002 aus der Firmenbezeichnung, die fortan auf Magna-Steyr lautete.

Sammler sind auch hundert Jahre nach Puchs Tod verrückt nach seinen Fahrzeugen. Auf Ebay zählt „Puch“ bei den Österreichern zu den häufigsten Suchbegriffen. „Puch“-Oldtimer wechseln für Unsummen die Besitzer, der Name „Puch“ steht nach wie vor für Qualität.




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